Roman - Samantha , die Scaneinheit

Samantha, die  Scaneinheit - Samantha
 
Abschnitt 1:  Gegangen um zu gehen
 

Was bisher geschah: 
Firmenleiter von Vitual Humana, Michael Hastings informiert den PR Manager Ronald Benslay, dass die Werbeagenten sich heute um Jim Capenter kümmern würden. In seinem Zimmer leidet indes Jim Capenter noch an den Folgen der letzten Nacht, wo er zuviel Alkohol trank. In diesem jämmerlichen Zustand dachte er über sein verfuschtes Leben nach, als er ein angesehener Forscher war, verheiratet mit Grundstück.
Nun besaß er 
nur ein Apartment und sein Konto bewegte sich in Richtung Null. Immerhin bekam er auf seine Bewerbung hin, aus Chikago eine positive Reaktion. In der Zeitung las er dann noch einen Artikel über Virtual Humana und freute sich darüber, dass es dem zwielichtigen Unternehmen an den Kragen ging. Aber er erinnerte sich auch daran, dass er sich dort beinahe beworben hätte und an Samantha Blace, die das wahre Treiben der Firma aufdeckte. Dennoch schien sein Leben mit Virtual Humana identisch zu sein.

1. 2. Die Vorführung von Vitual Humana

Es war schon seltsam, wie zeitgleich seine Laufbahn dem Aufstieg und Fall von Virtual Humana glich. Er erinnerte sich noch genau an Ronald Benslay, den er bei einer Sondervorführung für geladene Wissenschaftler und Filmproduzenten erlebte. Zu jenem Zeitpunkt brüstete sich Virtual Humana mit einer bahnbrechenden Technologie. 
Die Fachmedien bezeichneten dagegen die Behauptung als überzogenes Gepolter. Schon seit geraumer Zeit praktizierte die Filmindustrie das Scannen von menschlichen Körpern und schufen virtuelle Wesen. Die Darstellung von Menschen in den Animationsfilmen wirkte deshalb schon beinahe lebensecht. Das Computerunternehmen meinte aber, die Computergrafik wäre nichts gegen ihre Scaneinheiten. Bei ihrer Technik würden reale Menschen komplett virtualisiert. Sie würden selbstständig reden und handeln. Keiner glaubte ihnen so recht und alle hielten es für ein überzogenes Geklapper. Demzufolge war das Interesse in der Forschung und der Filmindustrie verhalten.
Mit der Vorführung im Premierensaal der Tochterfirma VISIOLUX sollte sich das ändern. Gezielt wurden dazu Einladungen an ausgewählte Filmgesellschaften und Forschungsinstitute verschickt. Anstatt der erwarteten Fachprominenz entsandten die meisten Firmen nur wahllos Interessierte. Sozusagen die zweite Garnitur. Jim bekam auf Grund dessen die Möglichkeit für das Institut von Los Angelos daran teilzunehmen.

Im gut gefüllten Saal fühlte sich so mancher zwangsdelegiert. Nicht so bei Jim, er war gegenüber allen vielversprechenden Neuheiten immer sehr aufgeschlossen. Die Bühne verdunkelte sich und das Orchesterwerk „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauss ertönte. Von einer Lasershow untermalt betrat der 52-jährige Benslay die Bühne. Mit väterlicher Miene und modern geschnittenen schwarzen Anzug und blauen Schlips schritt er selbstsicher nach vorn. Er breitete beide Arme beschwörend nach oben und lächelte schief. Vor ihm tauchte aus dem Boden ein Pult mit technischen Geräten auf. Nachdem die Musik leiser wurde und nur noch als Hintergrundmusik diente, nahm Ronald Benslay die Arme herunter. Er stellte sich kurz vor, begrüßte höfflich die Anwesenden und verneigte sich vor dem Publikum respektvoll. Er verzichtete auf eine lange Rede, sondern gab nur eine kurze einführende Ansprache von sich. Dann aktivierte er den Laptop auf dem Computertisch, an dem ein Projektor angeschlossen war und das Desktopbild auf die Kinoleinwand warf.
Mit einer Fernbedienung in der Hand und einem Kopfmikrofon an den Lippen führte Benslay durch das Programm. Er behauptete, über sein Mikrofon und einer installierten PC-Kamera, nicht nur mit den Scaneinheiten reden, sondern sie zu spontanen Handlungen animieren zu können. Die Fernbedienung in seiner Hand ermöglicht ihm lediglich das Drumherum zu aktivieren, aber für die Scaneinheiten würden Worte genügen. Ronald Benslay aktivierte daraufhin das erste Beispiel.
„Hallo Benjamin! Wie geht’s“, tönte Ronald fröhlich ins Mikrofon. Auf den Bildschirm stand  ein junger Mann verunsichert in einem vollkommen weißen Raum, ohne Ecken und Kanten. Der mittelgroße kräftig gebaute Benjamin erschrak zunächst, aber dann maßregelte er Ronald im heiteren Tonfall.
„Hey Benslay! Erschreck mich nicht immer! Wie wäre es denn mit Anklopfen?“
Die kräftige Stimme und der füllige Körperbau erinnerten an einen Motorrad-Freak. Obwohl er verblichene Jeans, ein rot/blau kariertes Hemd und eine Art Lederweste trug, war er eher ein überdrehter Computerfan. Dazu passten seine zerzausten kurzen Haare. Skeptisch betrachtete das Publikum Benjamin, dessen Mimik und Gestik völlig lebensecht aussahen, wie in einem realen Video. Jim fühlte sich auf den Arm genommen. Sicherlich wurde dem Publikum eine Internetübertragung vorgespielt, denn so real konnte kein virtuelles Wesen sein? Selbst die perfektesten Computergrafiken zeigten einige Defizite. Speziell bei den Bewegungen und den Gefühlsausdrücken wurden die Unterschiede stets offensichtlich. Zwischen Benslay und Benjamin entwickelte sich ein schlaksiges Wortgefecht.
„Mal ehrlich Benslay! Ne gemütliche Couch wäre das mindeste gewesen. Wie soll ich denn in Stimmung kommen in diesem Nichts. Und ein Bier wäre auch nicht schlecht.“
„Entschuldige, aber wir müssen sparen“, meinte Ronald scherzhaft. Zerknirscht schaute ihn Benjamin an. „Deine Witze waren auch schon mal besser.“ Benslay hatte ihn in der Zwischenzeit einen Barhocker mit Tischchen und einen Humpen Bier hinein transferiert. Nach einem Danke von Benjamin, aktivierte Benslay zwei Kameras, sodass Benjamin in den Saal schauen konnte.
„Wow!“, meinte er, „sind die alle wegen mir hier?“
„So ist es! Wie sieht’s aus, erzähl uns mal paar Witze!“
„Soll ich wirklich?“ Ronald nickte aufmunternd. Ziel war es, die spontane Reaktion von Benjamin auf die Publikumsresonanz zu belegen. Zaghaft begann Benjamin.
„Also! Ein alter Araber lebt seit 40 Jahren in Chicago. Er würde gerne in seinem Garten Kartoffeln pflanzen, aber er ist allein, alt und schwach. Deshalb schreibt er eine E-Mail an seinen Sohn, der in Paris studiert. Lieber Ahmed, ich bin sehr traurig, weil ich in meinem Garten keine Kartoffeln pflanzen kann. Ich bin sicher, wenn du hier wärst, könntest Du mir helfen und den Garten umgraben. Dein Vater. Prompt erhält der alte Mann eine E-Mail zurück: Lieber Vater, bitte rühre auf keinen Fall irgendetwas im Garten an. Dort habe ich nämlich 'die Sache' versteckt. Dein Sohn Ahmed. Keine sechs Stunden später umstellen die US Army, die Marines, das FBI und die CIA das Haus des alten Mannes. Sie nehmen den Garten Scholle für Scholle auseinander, suchen jeden Millimeter ab, finden aber nichts. Enttäuscht ziehen sie wieder ab. Am selben Tag kommt eine weitere Mail von seinem Sohn: Lieber Vater, ich nehme an, dass der Garten jetzt komplett umgegraben ist und du Kartoffeln pflanzen kannst. – Dein Ahmed!“
Im Saal amüsierte man sich und einige lachten sogar. Tatsächlich sah man genau, wie Benjamin die Reaktion wertete. Bestärkt legte er nach. 
„Ein Fallschirmspringer springt aus dem Flugzeug. Doch als er die Reißleine betätigt, passiert nichts. Panisch zieht er hier und da, aber gnadenlos rast er nach unten. Plötzlich kommt ihm von unten einer entgegen. In seiner Not ruft er, „kennen sie sich mit Fallschirmen aus!?“ – „Nein“, meint er, „nur mit Gasleitungen!“
Der Saal brodelte vor Lachen und mit jedem weiteren Witz euphorischer. Irgendwie fiel Jims Blick auf das bewertende Gesicht von Ronald Benslay. Er strahlte zufrieden und wirkte überheblich, sodass Jim ein unheimliches Gefühl überkam. Nach einer Weile unterbrach er Benjamin, bedankte sich bei ihm und schloss die Verbindung.
„Ich hoffe, Sie haben bei allem Spaß bemerkt, wie natürlich sich Benjamin verhielt?“ Das Publikum verstummte und ließ sich zu vereinzelten Applaus hinreißen.
In einem zweiten Beispiel, wollte er die lebensechte Mimik der Scaneinheiten noch deut­licher demons­trierten. Die korpulente Angela sollte eine Zwiebel schneiden und dazu ein fröhliches Lied singen. Schon nach kurzer Zeit trieben ihr die Zwiebeldämpfe die Tränen in die Augen. Aus dem heiteren Song wurde ein jämmerliches, aber lustiges Gestammel. 
Den Höhepunkt bildete ein junges Pärchen, das in verschiedene Welten transferiert wurde. Am Anfang lagen die Verliebten zufrieden am sonnigen Karibikstrand. Sie lag auf dem Bauch im bunten Bikini und er lag neben ihr, halb aufrecht in bläulichen Shorts. Zärtlich streichelte er mit seinen Finger über ihren schlanken Körper. Abrupt wurden sie plötzlich in die afrikanischen Savanne transferiert und schnell näherte sich ihnen ein Löwe. Panisch schreckten sie hoch und sie schrie, als sie den Löwen sah. Der junge Mann nahm sofort eine Abwehrhaltung ein, wodurch der Löwe irritiert stoppte. Die junge Frau suchte indes Schutz in den Armen des jungen Mannes. Obwohl der Jüngling einen durchtrainierten kräftigen Körper hatte, war er Realist genug um seine Chancenlosigkeit gegenüber dem Löwen zu erkennen.
Im Saal bangten die Zuschauer mit dem Pärchen. Todesangst zeichnete sich auf den Gesichtern des Pärchens ab und sie begannen angsterfüllt kopflos zu fliehen, als der Löwe seinen Angriff fortsetzte. Natürlich waren sie dem Löwen auch in der Schnelligkeit unterlegen und das Publikum bangte gefesselt und hoffte auf eine Rettung. Ein Messer, ein Gewehr oder ein Jäger, der die zwei erlöste. Doch nichts geschah. Jedoch bevor der Löwe zum finalen Sprung ansetzen konnte, wechselte das Paar in eine farbenfrohe surreale Fantasiewelt. Ohne klare Konturen von hoch und niedrig, keine Wege, Hügel, Vertiefungen oder sonstige Anhaltspunkte für eine Landschaft. Die Akteure waren sichtlich gehemmt, und verunsichert versuchten sie Unebenheiten auszumachen. Ihre krause Stirn verriet wie angestrengt sie nach einem Weg oder Anhaltspunkten suchten, um sich orientieren zu können. Der junge Mann tastete vorsichtig mit einem Bein die Umgebung ab, um den sicheren Halt zu prüfen. Sie blieb dagegen beklommen und angewurzelt stehen, und weigert sich nur einen Schritt zu gehen. Schließlich hatte Benslay erbarmen und transportierte sie an einen Strand von San Francisco. Das Pärchen war nun sichtlich erleichtert, ihre Anspannung legte sich Zusehens und beide schlenderten erleichtert Arm in Arm am Wasser entlang. Ihre Verträumtheit nutzte Benslay und warf ihnen unvermittelt einen Boxsack vor die Füße.
Natürlich stürzte der junge Mann, der anschließend wütend nach oben fluchte, wo er Benslay vermutete. „Was soll denn das? Der Löwe reicht doch oder? - Verdammt noch mal!“
Da die beiden immer noch leicht bekleidet waren, schickte Ronald ihnen erst einen Regenschauer, gefolgt von Schneefall und einem heftigen Sturm. Wie ein begossenes Pudelpärchen bibberten sie vor Kälte und stemmten sich mit aller Kraft gegen einen zusätzlichen Orkan.
Im Saal waren viele vom Martyrium des Liebespärchens ergriffen und einige forderten sogar Ronald Benslay auf, seine quälenden Spielchen abzubrechen. Ronald, der das Publikum genau beobachte, ließ das Pärchen schließlich in Ruhe. Innerhalb von wenigen Minuten hatte das Paar ein abruptes Wechselbad der Gefühle durchlebt, und sie waren froh als alles vorbei war. „Na alles wieder klar?“, versuchte Ronald die Verliebten mit väterlichen Ton zu beruhigen.
„Nichts ist klar! Wir wären hier beinahe drauf gegangen. Scheiß auf das Experiment!“, schimpfte der junge Mann, während die junge Frau lediglich erleichtert war, und sich in die Arme ihres Geliebten schmiegte. „Hätten Sie uns nicht sagen können, was uns erwartet?“
„Wenn Ihr es gewusst hättet, wo bliebe dann die Spontanität?“, antwortete Benslay.
Nachdem sich auch der Jüngling langsam beruhigte, fuhr Benslay fort.
„Wie versprochen werdet ihr mit einer Traumlandschaft belohnt und neben einem fürstlichen Essen, wartet auf euch eine kleine Überraschung. Viel Spaß! Danke für Eure Bereitschaft.“ Das Pärchen blickte sich verliebt an und mit einem Lächeln wurden sie ausgeblendet.
„Übrigens! Wie Sie sicher bemerkt haben, hat sich das Pärchen freiwillig zur Vorführung gemeldet“, betonte Benslay in Richtung der Anwesenden, „Für sie bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr. Schließlich sind sie menschliche Lebewesen, wenn auch nur virtuell.“
Beeindruckt von der Vorstellung sahen sich die Zuschauer im Saal nachdenklich an und tuschelten sich einander zu. Es musste sich doch eine logische Erklärung finden lassen. Keiner hielt es für möglich, dass virtuelle Geschöpfe, wie richtige Menschen reagieren können. Sicherlich war das alles nur ein fauler Zauber und der PR Manager spielte lediglich ein vorinszeniertes Video ab oder so etwas Ähnliches!?
Auf die Skepsis vorbereitet, forderte er das Publikum auf sich melden, wer auf dem Podium die entsprechenden Kontrollgeräte bedienen möchte. Von den vielen die sich meldeten wählte Benslay wahllos zwei Personen aus. Sie bedienten die Geräte, die jede Art von Übertragungen oder Manipulationen auf­spüren würden. Es stellte sich heraus, dass es weder eine Funk- oder Internetverbindung (W-LAN) und erst recht kein externes Datenkabel gab. Bei der Überprüfung des Laptops fanden sich ebenso keine relevanten Videodateien. Nach der Überprüfung wurden die Akademiker mit den wesentlichen Funktionen des Programmes vertraut gemacht und konnten es nun selbst ausprobieren. Ronald Benslay stellte ihnen dazu ein anderes Pärchen zur Verfügung und überließ es ihnen die Spontanität der Scaneinheiten zu testen. Die Ausgesuchten gaben auf alle Fragen eine relevante Antwort, reagierte auf Temperaturschwankungen und zeigte authentische Gefühle. Das Publikum folgte mit offenem Mund und großen Augen dem Austesten auf der Bühne und war begeistert. Benslay gab weiteren Anwesenden, in Zweiergruppen, die Gelegenheit die Scaneinheiten zu testen. Selbstverständlich wollte Jim ebenfalls, aber leider war das Erproben der Scaneinheiten begrenzt, sodass er nicht mehr dran kam. Leider waren die Testeinheiten aufgebraucht und die bisherigen Testpaare sollten ihre verdiente Ruhe bekommen.
Benslay lehnte es deshalb kategorisch ab, die Scaneinheiten mehrmals zu gebrauchen. Allerdings kam es Jim, wie eine Ausrede vor. Benslay wartete lediglich darauf, dass die Gäste im Saal Feuer fingen und nun zu seinem eigentlichen Anliegen kommen konnte. Die Zuschauer aus den wissenschaftlichen Bereichen tuschelten sich untereinander zu und diskutierten über einen Nutzen für die Wissenschaft. Sie konnten sich jedoch mehrheitlich nicht vorstellen, dass Scaneinheiten reale Versuchsreihen ersetzen könnten.
Die anwesenden Gäste von Filmgesellschaften hörten dagegen schon die Kassen klingeln. Kein aufwendiges Zusammenstellen einer Filmcrew mehr, keine Statisten, keine kostenintensiven Schauspieler und eine Suche nach geeigneten Drehorten war ebenso Geschichte. Jede Filmidee war nun mit dem Computer umsetzbar. Selbst Risikoproduktionen würden nur einen geringen finanziellen Schaden verursachen. Der Profit wäre sicherlich gigantisch, dachten übereinstimmend die Filmvertreter.
Wie ein Schlag ins Gesicht muss es ihnen vorgekommen sein, als Ronald Benslay auf eine Anfrage erklärte, das Geheimnis der Technologie nicht preiszugeben.
„Wir bieten den Filmgesellschaften jedoch an, über unsere Tochterfirma VISIOLUX kostengünstig zusammenzuarbeiten. Sie definieren Ihre Wünsche, überwachen das Drehbuch und wir setzen die Scaneinheiten dementsprechend ein.“
Nach einem kurzen verdatterten Schweigen zeigten sich die Vertreter der Filmgesellschaften darüber empört und wetterten lautstark. Sie befürchteten eine Abhängigkeit und auch eine Monopolstellung von VISIOLUX. Benslay gab mit einem Händewink dem Technikerteam eine Anweisung. Diese wanderten mit Stabmikrofonen durch die Reihen und eröffneten so die Dis­kussionsrunde. Nach einem ersten empörten Wirrwarr besannen sich die Filmvertreter zur Sachlichkeit und erkundigten sich nach den Rahmenbedingungen. Ziemlich schnell wurde klar, dass sie sich untereinander nicht trauten. Sie befürchteten Schmiergelder für vorteilhafte Konditionen; dem reservieren von bestimmten Scaneinheiten, die zu Stars avancierten; dem gegenseitigen ausbooten, durch das Hochtreiben der Preise. Wie schnell könnte ein Unternehmen über VISIOLUX ein Monopol erringen, wodurch andere Filmgesellschaften keine Chance mehr haben würden, überhaupt einen Film zu produzieren.
Das sich mit den Scaneinheiten ein Kinohit nach dem anderen herstellen lassen würde, stand außer Frage. Ein Krieg unter den Filmgesellschaften drohte und würde die Finanzkräftigsten bevorteilen und den Rest in die Insolvenz treiben. Mehr noch! Was wäre, wenn dann VISIOLUX von heute auf morgen, nicht nur schleichend, sondern drastisch die Preise für die Scaneinheiten erhöhen würde? Die Experten befürchteten, dass VISIOLUX dann weltweit expandieren und den Filmmarkt beherrschen könnte.
Ronald tat nichts um die angeheizte Stimmung zu entschärfen. Wütend wetterten die Delegierten der Filmunternehmen nun auch gegen Virtual Humana und sahen in der Präsentation eine gezielte Farce, die der eigenen Filmfirma zuarbeiten würde. Sie brüllten etwas von „Ausverkauf“ und „Diktat“ der Filmindustrie.
In der lärmenden Atmosphäre kam sich das wissenschaftliche Publikum überflüssig vor und verließen nach und nach den Raum, angewidert vom unsach­lichen Geschrei. Über die Mikrofone war längst kein ordentliches Gespräch mehr möglich. Im lärmüberfluteten Raum drangen lediglich Wortfetzen auf die Bühne und offenbar gingen die Vertreter der Filmgesellschaften dazu über sich gegenseitig zu provozieren. Jim war noch geblieben und beobachtete erneut Ronald Benslay. Ein merkwürdiges Grinsen zog sich über dessen Lippen, als hätte er den Eklat geplant. Doch Jim fragte sich warum? Was hatte das zu bedeuten? Irgendwie hatte er den Eindruck gehabt, als wäre Virtual Humana an keiner Zusammenarbeit mit irgendeiner Filmgesellschaft interessiert? Ronald Benslay machte sich weiterhin nicht die Mühe, die Wellen zu glätten, sondern stachelte sie eher auf. „Wenn Sie nicht mit uns zusammenarbeiten wollen, werden Sie die Konsequenzen ertragen müssen.“ Später schüttelte Benslay amüsiert den Kopf und verlies dann einfach den Saal.
Seinerzeit ahnte Jim noch nicht, welchem Zweck diese Veranstaltung wirklich diente. Nach der Präsentation gründeten die Filmgesellschaften ein Zweckbündnis und schufen eine gemeinsame Front gegen Virtual Humana und ächteten deren Tochterfirma VISIOLUX. Darüber hinaus versuchten sie Politiker und die Medien gegen Virtual Humana aufzuhetzen. Sie bezeichneten die Scannertechnologie als „faulen Zauber“ und riefen zum Boykott auf. Wochenlang vollzog das Fernsehen, das Radio und die Zeitungen eine Hetzkampagne. Doch nach anfänglicher Entrüstung, legte sich schnell die erhoffte Resonanz bei Bevölkerung. Virtual Humana begegnete dem ganzen Mediengeschrei nur mit einer kurzen Stellungnahme, zu den verbreiteten Lügen und Unwahrheiten. Selbst als das Medieninteresse nach ließ, war Virtual Human zu keinem Statement, zu ihrer Technologie, mehr bereit.

1.3. Die Vertreter

Plötzlich klingelte es an Tür und unterbrachen Jims Gedanken. Neugierig schaute er durch den Türspion und sah zwei Herren um die Vierzig, die auf Einlass warteten. In ihren dunklen Anzügen sahen sie wie Mafiagangster aus. Jeweils mit schwarzer Sonnenbrille und flachem Aktenkoffer trampelten sie ungeduldig vor der Tür hin und her. Eigentlich wollte er sie ignorieren. Es waren bestimmt irgendwelche penetranten Vertreter, die ihm irgendwelches Zeug andrehen wollten, glaubte er. Wenn man denen erst einmal öffnet, dann wird man sie so schnell nicht wieder los. Er wollte gerade gehen, da schickte seine innerliche Neugier seine Hand zur Türklinke. Vielleicht hatten sie ja ein interessantes Angebot. Jim hakte sicherheitshalber die Sicherheitskette ein und öffnete die Tür einen kleinen Spalt und fragte kurz, „Ja! Bitte?“
Der etwas Kleinere und korpulentere von ihnen begrüßte ihn sofort überfreundlich.
„Guten Tag! Mister Carpenter! Wir hätten da ein erstklassiges Angebot für sie?“
„Was für ein Angebot?“, runzelte Jim ablehnend die Stirn. Bestimmt wollten sie ihm einen Kühlschrank oder eine Lebensversicherung aufschwatzen oder ihn zu einem Gott bekehren.
„Da Sie Forscher sind, hätten wir für Sie einen reizvollen Forschungsauftrag!“ und fuhr flüsternd fort, „Sie verstehen, mehr möchte ich vor der Tür nicht verraten.“
Jim fragte sich, wer die Herren sind und woher sie anscheinend wussten, dass er in der Forschung gearbeitet hatte? Wieso sollten sie ihm sonst einen Auftrag anbieten? Wissbegier entfernte er die Kette und öffnete die Tür einen Spalt. Der Restalkohol trübte das Denkvermögen, das die Vorsicht und Achtsamkeit aushebelte. Der dicke Vertreter zwängte sich sofort in das Appartement und hielt Jim eine namenlose Visitenkarte unter die Nase, „VH & VL Company Agency“. Der Schmächti­gere wartete dagegen geduldig, bis die Tür weit genug geöffnet war und er bequem eintreten konnte. Beide blieben aber anstandsbewusst im Korridorbereich stehen und warteten artig, bis Jim sie weiter hinein bat. Während Jim die Tür hinter ihnen zu machte, wiederholte der dünne Herr das Angebot, während der Dickere sich etwas griesgrämig umherschaute.
„Wir kommen im Auftrag eines wissenschaftlichen Unternehmens, das an Ihrer Mitarbeit interessiert ist, und wie gesagt, möchten wir Ihnen eine spannende Arbeit anbieten.“
Jim glaubte zu träumen. Gefühlte Tausend Bewerbungen hatte er geschrieben, die ihn alle ablehnten und plötzlich klingelte ein Angebot einfach so an der Tür. Mit einer Handbewegung wies er den Herren aufgeregt einen Platz am Esstisch zu, der aber noch voller Toastbrotkrümel war und das Frühstücksgeschirr ebenfalls noch herum stand. Etwas pikiert über die Unordnung setzten sich die Vertreter, wobei sie sich mehr vom Geruch im Raum belästigt fühlten. Die verbrauchte schweißige Nachtluft vermischte sich mit dem Gestank vom Bier der letzten Nacht, dem Zigarettenrauch in der Kleidung und dazu wurde alles mit würzigen Kaffeedämpfen angereichert. Jim bemerkte es und schalte sofort die Lüftungsanlage auf Höchstleistung. Hektisch räumte er noch schnell den Tisch ab, wobei er alles mehr eilig ins Abwaschbecken warf. Anschließend säuberte er die Essplatte, mit etwas, was man mit viel Fantasie als Lappen bezeichnen konnte. Dann drehte er die lärmende Lüftungsanlage etwas herunter, so dass eine vernünftige Unterhaltung möglich war. Die beiden Herren verfolgten geduldig Jims hektische Ordnungsmaßnahmen und sahen sichtlich erleichtert aus, über die inzwischen angenehmere Raumluft.      
Gespannt auf das Angebot, setzte sich Jim zu ihnen und blickte die Vertreter durchbohrend fragend an. „Also! Wir kommen im Auftrag der Firma Virtual Humana.“
Daraufhin starrte Jim sie erschrocken an und war im Begriff verärgert aufzustehen.
„Sicherlich hat Virtual Humana zurzeit nicht den besten Ruf“, rechtfertigte sich sofort der Kleinere, der nur noch einen Haar-Ring auf den Kopf trug, „Glauben Sie uns! Das ganze Medienspektakel ist völlig überzogen und viel zu viele Lügen machen ihre Runde. Sie können sicher sein, dass das Institut eine renommierte Forschung zum Wohle der Menschheit betreibt. Die angeblichen dubiosen Experimente sind Erfindungen der Medien. Wir sind …“.
„Sparen Sie sich diesen Unsinn!“, unterbrach Jim genervt und fragte eher zynisch nach, „Verraten Sie mir lieber, wie ich für solch ein Unternehmen von Interesse sein könnte?“
„Sie kennen sicherlich Mister Ronald Benslay?“ Jim nickte abfällig.
„Er war bei einigen Ihrer öffentlichen Präsentationen anwesend. Ihm beeindruckten Ihr medizinisches Wissen und ihre computertechnischen Fähigkeiten.“
Jim erinnerte sich gern an jene Referate, die ihm damals viel Anerkennung einbrachten. Zu dem Rahmen seiner Arbeit gehörte es Vorlesungen an Universitäten abzuhalten. Er hatte ein Talent entwickelt, medizinischen Themen eindrucksvoll virtuell und anschaulich umzusetzen. Durch den Erfolg der kurzweiligen Präsentationen wurde die Öffentlichkeit auf ihn aufmerksam und er erhielt lukrative Angebote für themenbezogene Vorträge. Es waren häufig Ärzte und Pharmakonzerne, für die er die Risiken und den Ablauf von Krankheiten, zum Beispiel im Zusammenhang mit Medikamente darstellte. Das staatliche Institut gab ihm dazu gern den nötigen Freiraum, zumal durch jene Referate zusätzliche Gelder in die Forschung flossen. Sein Institut unterstützte dabei auch Pharmakonzerne, gegen gewisse „Geschenke“, für deren Präparate Jim im Prinzip werben sollte. Jim ließ sich dennoch nie unkritisch vereinnahmen, wenn er von der versprochenen Wirkungsweise des Medikaments nicht überzeugt war. In der Regel veranschaulichte er bei solchen spezifischen Veranstaltungen die eventuellen Wirkungsweisen und überließ einem Co-Moderator die Werbung für ein Produkt. Neben den finanziell orientierten Veranstaltungen, gab es auch ein großes Interesse an dem neusten Wissensstand des Institutes. Mit der Veröffentlichung ihrer Erkenntnisse hofften sie Investoren anlocken zu können, denn die staatlichen Subventionen waren für das Institut doch relativ gering bemessen.
„… Natürlich kaufen wir nicht die Katze im Sack“, warf ihn die laufende Kugel aus den Gedanken. „Mister Benslay hatte uns im Vorfeld dazu beauftragt, Erkundigungen über Sie einzuziehen. - Aber ich kann Ihnen sagen! Mister Carpenter! Sie sind unser Mann!“
„Wie Erkundigungen?“ Misstrauen legte sich über Jims Miene und ahnte Böses. 
„Sie können sich sicherlich vorstellen, wie gefährlich es wäre, wenn unsere Technologie in die falschen Hände gerät. Um einen Missbrauch schon im Vorfeld zu vermeiden, suchen wir uns die Mitarbeiter akribisch aus. Lassen Sie mich offen zu Ihnen sprechen! Wir haben uns detailliert über Sie erkundigt. Über Ihr Privatleben, die finanzielle Situation und natürlich wissen wir über ihre kleine Revolte bei ihrem Arbeitgeber, hier in Los Angelos Bescheid.“
Mit offenem Mund saß Jim da, war einerseits schockiert und andererseits von der entwaffnen-den Ehrlichkeit beeindruckt. Es war ihm klar, dass jeder Forscher Geheimnisträger war und sich demzufolge jedes Unternehmen gründlich über seine Angestellten erkundigt. Nur gab keiner bisher den Umfang der Bespitzelung so offen zu. Die Werber sahen Jims verblüfftes Gesicht und setzten noch eines drauf, um ihre Ehrlichkeit zu demonstrieren.
„Selbst das Sie heute zu Hause sind, wussten wir.“ Jim schaut sie mit großen Augen an. Ein bedrohliches Gefühl durchschlich ihn und sah sich als gläsernen Menschen. Er fragte sich aber nicht, woher sie es wussten, sondern war bestürzt darüber, dass sie offenbar keine Überwachungsgrenzen kannten. Sie kannten sich wahrscheinlich in seinem Privatleben besser aus als er selbst. Er fragte lieber nicht weiter nach, fühlte sich lediglich in seiner schlechte Meinung über Virtual Humana bestärkt. Innerlich reifte der Entschluss die beiden Herren, die sicher Handlanger der Firma waren, vor die Tür zu setzen. Die Vertreter konnten anscheinend Gedanken lesen. Der Schlankere stieß den Dickeren leicht an und drängte ihn fortzufahren, indem er ihm zunickte. „Virtual Humana bietet Ihnen ein Grundgehalt von 5.000 Dollar monatlich.
Zusätzlich winken Ihnen Prämien in Millionenhöhe je nach Erfolg ihres Auftrages. Wir garantieren Ihnen ein selbstständiges Arbeiten auf ihrem Forschungsgebiet. Das heißt, sie werden selbstverantwortlich an einem medizinischen Zielprojekt forschen.“
Jims Vorhaben verpuffte, denn das Angebot hörte sich vielversprechend an. 
„Wie genau soll ich das verstehen?“, fragte er ungläubig.
„Sie sind Ihr eigener Chef! Ohne Zeitdruck können Sie sich ihrem Projekt widmen. Wobei, selbstverständlich wird von Ihnen ein monatlicher Rechenschaftsbericht erwartet. Es versteht sich, dass die Firma nicht gerne Parasiten nähren möchte. Und mit einer gewissen Kontrolle Ihre Arbeit müssten Sie ebenfalls einverstanden sein.“
Die ablehnende Grundeinstellung rückte ins Hintertreffen. Die Offerte klang verlockend. Die Arbeitsbedingungen hörten sich traumhaft an. Sein eigner Chef zu sein, hatte er sich immer gewünscht. Kein Zeitdruck und Gehetze mehr. Bei dem bisherigen Arbeitgeber musste er immer nur den Professoren zuarbeiten und der eigne Freiraum war arg begrenzt. Eigentlich besaß er nur wegen seiner Präsentationen gewisse Freiheiten, ansonsten war er nur ein Angestellter. Eigene Ideen zu haben, kamen im Institut nicht gut an. Sein Forschungsauftrag war meistens klar vorgegeben. Erst nach seiner Doktorarbeit hätte er aufsteigen können. Nur als Professor dürfte er auch mal denken. Doch bis dahin, war er alt und klapprig, und er hätte seinen jugendlichen Drang verloren. Der Frust über seiner Entlassung saß Jim noch tief in der Seele und nun kam dieses Angebot. Auch angesichts seiner finanziellen Situation würde eine Anstellung endlich wieder seinen Kontostand auffüllen und er könnte seine Villa wieder zurückkaufen.
Nur wo war der Haken, was sollte er dafür tun? Anscheinend bemerkten die Agenten, wie er nervös hin und her rutschte, und mit seinen Händen unkontrolliert in sein Gesicht umherfummelte. Jim versuchte den Desinteressierten zu spielen, um lässig bluffend optimale Verhandlungsoptionen zu erzwingen. Es war ihm klar, dass vor ihm zwei psychologisch geschulten Agenten saßen, die jede Chance nutzen würden in zu übertölpeln. Er wollte ihnen keine Angriffsfläche dazu geben. Der Schlanke öffnete schließlich einen Aktenkoffer, holte einen Laptop heraus und schaltete ihn an. Zeitgleich wühlte der Andere in einer Mappe und kramte Notizen hervor.
„Sicherlich möchten Sie Einzelheiten wissen. Ihr Auftrag beschränkt sich auf das Heilen von Scan-Einheiten“, vergewissernd fragte er nach, „Sie wissen sicherlich, dass unsere Scaneinheiten krank werden können?“ Jim nickte wissend.
„Die Unkosten dadurch sind immens. Wir trauen Ihnen zu, die Lösung für das Problem zu finden. Deshalb stellen wir Ihnen ein persönliches Medium zur Verfügung. Selbstverständlich eine virtuelle Kopie eines realen Menschen.“ Inzwischen hatte die lange Bohnenstange, etwas schwitzend, sein Notebook hochgefahren und öffnete eine Bilddatei. Begierig schaute Jim auf den Monitor und glaubte den Augen nicht zu trauen. Das konnte nicht sein? Er rieb zweifelnd seine Augen.
„Hier sehen Sie Originalbilder von Ihrem zukünftigen Medium.“
Aufgewühlt folgte er den Bildern mit starrem Blick. „Ist das etwa …?“, und hoffte auf eine Bestätigung. Völlig auf ein Foto fixiert, bemerkte er nicht die sich zu grinsenden Gesichter.
„Diese 39-jährige Frau, hieß im wirklichen Leben Samantha Blace!“ 
Die Ungewissheit legte sich, stattdessen fuhren Jims Gefühle Berg- und Tal-Bahn. Sollte er sich darüber freuen, dass sich ein Traum erfüllte, oder sollte er entsetzt darüber sein, dass sie sich in den Fingern des zwielichtigen Unternehmens befand? Und wieso sagten sie „hieß?“
Auf dem Laptop wechselten Bilder und kleine Videosequenzen. Sie zeigten Samantha in lebenslustigen Posen des Alltags. Er sah ihr langes welliges Haar, was auf einem Partybild ein schelmisches Lächeln verbarg. Sie strahlte eine ansteckende Lebensfreude im Alltag aus und zeigte eine tiefgründige Miene bei der Arbeit. Jim war verzaubert von Samanthas Natürlichkeit. Von der Art, wie sie mit ihrer Kleidung ihre Weiblichkeit unterstrich, ohne aufreizend zu wirken. So legere und einfach ihre Sachen im Alltag waren, so angemessen und ohne zu protzen, kleidete sie sich zu offiziellen Anlässen. Schließlich kamen Fotografien, die sie nackt auf der Scanner-Liege zeigten. Jim begeisterte der wohlgeformte Körper, worauf die Fantasie ihn in erotische Träume brachte und die Hose enger machte. Er erschrak von seinen niederen Gelüsten.„Eine hübsche Person, nicht wahr? Leider ist sie gestorben und das ist das Problem!“
Jim spürte einen Eissturm durch die Seele ziehen. Samantha! Tod! Nein, das kann nicht sein! Sie war doch noch so jung! Und nur noch die virtuelle Version blieb von ihr?
„Samantha Blace hatte sich vor drei Wochen den goldenen Schuss gegeben“, fuhr der Kleine mit gespielter Trauer fort. „Makabererweise tat sie das mit unserem Geld. Sie hatte einen irreparablen Gehirntumor. Sie lehnte operative Behandlungen ab und glaubte, damit würde ihr Risiko steigen früher zu sterben, zumal sich Metastasen schneller verbreiten könnten. Ihre letzten Tage hat sie ziemlich intensiv und kostspielig verlebt. Nie hätten wir gedacht, dass sie sich von uns scannen lässt, aber sie brauchte wohl das Geld. Besonders teuer waren wohl die Morphiumspritzen und der Rauschgiftkonsum, um die zunehmenden Schmerzen zu betäuben. Vermutlich hat sie sich bewusst eine Überdosis gesetzt, als ihr Leben nur noch aus Leiden bestand und bevor ihr die Betäubungsmittel die Sinne raubten.“ 
Der Größere schloss die Datei, doch beließ er ein Porträtfoto auf dem Desktop. 
„Ist sie nicht eine Schönheit?“, wiederholte der Dicke listig. „Es liegt nun an Ihnen, ob sie auch virtuell sterben soll? Zum Glück haben wir sie noch nicht aktiviert. Sie ist als Scaneinheit im Archiv eingefroren und kann über viele Jahre gespeichert bleiben. Allerdings, falls wir sie wecken, wird Samantha nur noch vier oder maximal acht Monate zu leben haben.“ Gebannt sah Jim auf Samantha und eine knisternde Stille beherrschte den Raum. Für Minuten, die wie Stunden wirkten, herrschte Schweigen im Raum. Die beklemmende Ruhe wurde nur vom surrenden Laptop unterbrochen und draußen hörte man entfernt ein Flugzeug vorbei fliegen. Der Große aktivierte noch einmal die Foto Show und ließ die Bilder ungeordnet in schneller Abfolge auf dem Laptop ablaufen.
Jim verspürte den unwiderstehlichen Drang ihr zu helfen. Wenn er sie schon nicht mehr im richtigen Leben kennen lernen konnte, so wollte er ihr wenigstens virtuell begegnen. Er könnte dabei erfahren, wie sie war und ihrer Kopie vielleicht sogar helfen.
„Mister Carpenter! Wie sieht es aus, sind Sie interessiert?“, durchbrach der Rundliche die Ruhe. Seine Gefühle konnte Jim nun eh nicht mehr verheimlichen und hätte ihnen am liebsten ein enthusiastischen „Ja“ entgegen geschrien. Das Unterbewusstsein blockierte die Zunge und erinnerte ihn daran, dass er auf keinen Fall zum Werkzeug für Virtual Humana werden wollte. Das Teufelchen in ihm brüllte: „Bist du bescheuert!? Auf dein Konto ist Ebbe …. willst du ein Leben unter der Brücke?!“ Das Engelchen hielt die verheißungsvolle Option mit Chikago dagegen. „Samantha ist nur ein Lockmittel und schließlich ist sie nur ein virtuelles Wesen.“ Jim verstand sich selbst nicht mehr, dass er trotzdem dazu neigte, die Vernunft zu ignorieren, um einer Illusion nachzujagen? Im Wellental der Emotionen war er zu keiner klaren Aussage fähig, da er seine Vernunft zwang das Angebot zu hinterfragen. Es blieben vor allem viele Fragen zu seinem Tätigkeitsfeld offen, doch gezeichnet von der letzten Nacht arbeiteten die Gehirnzellen ziemlich träge.Ein Wirrwarr von Fragepunkten, unsortierten Worten und Bilder kreisten im Gehirn umher und fanden keine geordnete Linie für konkrete Fragen. Den geschulten Vertretern blieb das nicht verborgen und sahen sich siegessicher. 

1.4. Die schwarze Liste

„Wissen Sie, Ihr Angebot hört sich gut an, aber ich prüfe derzeit noch eine andere Offerte.“ Jim war über sich selbst überrascht, wer ihm plötzlich jene Worte auf seine Zunge legte, die er so nicht sagen wollte. Zumindest hatte er die Agenten kurz verblüfft gehabt. Nach einer sammelnden Gedankenpause konterte der Kleinere verschmitzt.
„Sie meinen aus Chicago!?“ Nun war Jim seinerseits verwundert, woher sie das wussten.
„Bei Ihrer Vergangenheit?“, mischte sich der Wortkarge mit piepsiger Stimme ein.
„Wer auf der Schwarzen Liste steht, hat keine Chance! Sie werden aus Chikago garantiert eine Ablehnung erhalten. Keiner will aufsässige Rebellen in seinen Reihen!“
„Schwarze Liste?“, wunderte sich Jim.
„Ja, die FOWIPER-Liste! Kennen Sie die nicht? – Das ist zwar eine passwortgeschützte Internetplattform für leitende Professoren, aber ich dachte, das alle Wissenschaftler diese Seite kennen!?“, erklärte der Kleinere sachlich. „Auf der Liste sind, unter anderem, alle freien und arbeitslosen Akademiker verzeichnet.“
Die dürre Spindel hatte blitzschnell die entsprechende Internetseite gefunden und kannte anscheinend den Sicherheitscode und lass vor.
„Sie sind mit einem roten Ausrufezeichen gekennzeichnet und mit Schlagworten versehen:
Karrieresüchtiger Unruhestifter, mit hoher Fachkompetenz, egoistischer Idealist. Soll ich noch das Kleingedruckte weiter vorlesen?“
Jim schüttelte fassungslos den Kopf. Jetzt wurde ihm so einiges klar.
„Möchten Sie vielleicht selbst einen Blick darauf werfen?“ Jim winkte ab, die Schlagzeilen reichten aus, ließ sich aber dann doch kurz die Seite zeigen. Der Korpulentere hatte inzwischen die Internetadresse auf einen Notizzettel aufgeschrieben und gab Jim den Zettel, mit dem dazugehörigen Passwort. Jim wurde klar, dass die ganzen Absagen der letzten Zeit damit zusammenhängen mussten. Er hatte sich schon eine ganze Weile darüber gewundert, wieso er immer wieder relativ schnell Absagen bekam, obwohl er doch mit seinen Präsentationen so populär war. Bei keiner seiner Bewerbungen wurde er eingeladen, um sich vorzustellen oder ein Test zu absolvieren. Er hatte sich ebenfalls schon darüber gewundert gehabt, dass ihn keiner mehr für eine Vorlesung mit einer Präsentation engagierte und bestehende Verträge nicht erneuert wurden. Bis vor etwa einem halben Jahr, war er wenigstens noch vertraglich Dozent an einer Universität. Betreten senkte er den Kopf, denn er wollte den Text im Internet nicht lesen, denn er konnte sich gut vorstellen, welche Lügen man über ihm verbreitet hat.
„Tut mir Leid“, versuchte der Kleine ihn zu trösten. „Sein Sie Realist! Ich denke, wir sind Ihre einzige Chance, wenn Sie noch weiterhin wissenschaftlich arbeiten wollen.“
„Und warum bieten ausgerechnet Sie, einem schwarzen Schaf wie mir, einen Job an?“, wollte Jim wissen und bekam postwendend eine Antwort.
„Weil wir uns gerne unser eigenes Bild machen. Nach unserer Recherchen, schätzen wir sie als engagierten Forscher, der den Drang verspürt neue Wege zu gehen. Und allein das ist schon Grund genug. Es gibt leider zu viele Akademiker, die durch selbstherrliche Professoren und einem dogmatischen Leitungsstil verseucht wurden. Sie denken nur noch im vorgegebenen Schema und haben den fördernden naiven Wissensdurst verloren.“
Wie recht er hat, dachte Jim. Im Institut von Los Angelos herrschte so eine drakonische Ordnung, gepaart mit einer strengen Hierarchie. Die Professoren rechtfertigten sich damit, das wahre Wissen vor Irrlehren schützen zu müssen. In Wirklichkeit blockierten sie jedoch verheißungsvolle Denkansätze. Natürlich hielt Jim abgegrenzte Strukturen in der Forschung für unerlässlich. Eine propagierte Lehrmeinung war eine grundsätzliche Bestandsaufnahme und zugleich ein Orientierungspunkt, an denen sich kontroverse Erkenntnisse messen lassen mussten. Bei der heutigen Vielfalt von Thesen und den selbsternannten Forschern, galt es fundamentierte Denkansätze herauszufiltern und am renommierten Wissen zu prüfen. Auch Jim vertrat die Meinung, dass Wissen geschützt werden muss, damit gewonnene Erkenntnisse nicht in einer unübersichtlichen Meinungssuppe versinken. Deshalb fand es Jim ebenfalls wichtig eine Lehrmeinung vor Pseudowissen zu schützen und der Welt feste Orientierungspunkte zu geben. Leider mündete jener Schutz in einen dogmatischen Kurs, der jegliche Denkansätze abwehrte. Jim und seine damaligen Mitstreitern, prangerten jenes hemmendes System in ihrer Einrichtung an. Der Begriff „Wissenschaftliche Inquisition“, machte die Runde und die jungen Wilden gegen die Arroganz der Professoren revoltierten. Wenn die Hochbetagten glaubten selbstherrlich das ultimative Wissen zu besitzen und dabei überlegenswerte Denkansätze blockieren und neuen Betrachtungswegen keinen Raum geben. Sofern eine Lehrmeinung angefragt wurde, reagierten die leitenden Professoren kategorisch. Jim bekam deshalb mehrmals Probleme mit der Obrigkeit, weil er sich gegen die hemmende Praxis wehrte.
„… wir haben zwar auch eine strenge Ordnung“, wurde in seinen Gedanken unterbrochen. „Nur fördern wir bewusst neue Wege. Die Scannertechnik ist ein Resultat davon. Und Mister Benslay möchte Sie genau deswegen in seinem Forscherteam haben!“
Die Agenten studierten genauestens Jims Körpersprache und sahen ihn wanken. Sie werteten ihre Mission als erfolgreich und verzichteten auf weitere Überzeugungsarbeiten. Trotzdem klappte der Dicke einen Aktenordner auf, überflog die dort enthaltene Checkliste und hakte in Gedanken die relevanten Punkte ab. Er stellte zufrieden fest, dass alles Wichtige besprochen wurde und zusätzliche Druckmittel nicht nötig waren. Sie konnten ihn an seinen Kontostand erinnern oder dem schwebenden Verfahren gegen den alten Arbeitgeber oder gar mit der Kündigung des Appartements drohen. Ja, sie verfügten auch über genügend Einfluss auf den Vermieter. Dem kleinen Dicken wunderte es ein wenig, dass Jim keine konkreten Fragen zu seiner Arbeit hatte. Wo wird er wohnen? Wie sieht sein Arbeitszimmer aus? Wird er Helfer haben? Kann er sich im Institut frei bewegen? Werden noch andere an Samantha arbeiten? ...? Andererseits lassen sich solche Dinge am besten vor Ort klären. Zufrieden schlug er den Ordner zu und verstaute ihn in seine Aktentasche. 
„Ich denke, dass Sie erst einmal Zeit benötigen, über unser Angebot nachzudenken.“ Gedanklich abwesend nickte Jim zustimmend und die Vertreter erhoben sich zum Gehen.
„Übrigens, zu Ihrer und unserer Sicherheit. Dieses Gespräch hat nie stattgefunden!“, betonte der Kleine. Jim verstand nicht so recht, was das sollte, und bat noch um Informationsmaterial. 
„Entschuldigen Sie bitte! Anscheinend haben Sie mich nicht verstanden!“, legte energisch der kleine Dicke nach. „Wir waren nie hier und Gegenteiliges würden wir als Lüge bezeichnen. Das dient unserem, aber auch ihrem Schutz.“
„Aber was haben Sie mir schon Großartiges gesagt?“, wandte Jim verständnislos ein.
„Glauben Sie mir! Wir haben da so unsere Erfahrungen. Die Firma unterliegt einem strengen Sicherheitskonzept. Geheimhaltung hat bei uns höchste Priorität! Ausländische Agenten – Sie verstehen?! Es muss niemand wissen, wie viel sie bei uns verdienen, wer ihr Medium ist oder welchen Auftrag Sie haben? Obwohl Sie konkrete Informationen zu ihrer Arbeit sowieso erst vor Ort erhalten, soll keiner auf Sie aufmerksam werden und sie gezielt ausspionieren.“
„Russen, Chinesen und so?“, vermutete Jim.
„Ja, nicht nur die! Ebenfalls sind die Medien nicht zu unterschätzen und Sie selbst könnten zum Risikofaktor werden. Ab einer bestimmten Summe ist jeder bestechlich. - Ach Ja! Sie bekommen noch eine Chipkarte von uns, die berechtigt Sie dazu das Firmengebäude in San Francisco – ohne Probleme - zu besuchen. An der Pforte müssten Sie dann einen Termin mit Mister Benslay vereinbaren. Er wird ihnen die Einzelheiten zu ihrem Vertrag und ihrer Arbeit erklären, wobei unser Sicherheitskonzept grundlegend sein wird, damit unsere Technologie nicht in fremde Hände fällt. Wir sollten Ihnen heute lediglich das Rahmenangebot vorstellen.“
Jim erwiderte nichts darauf, obgleich er das angebliche Sicherheitsdenken für überzogen hielt.
Was könnte er der Presse schon großartiges Erzählen? Und für ausländische Agenten wäre er doch nur interessant, wenn er schon bei Virtual Humana arbeiten würde. Allerdings erinnerte sich Jim daran, als er noch für das Institut von Los Angelos arbeitete, gab es hier und dort Leute, die ihn aushorchen wollten. Sie arbeiteten an ein paar Projekte die für andere Unternehmen sehr interessant waren. Die Werbeagenten von Virtual Humana, die sich wegen der Geheimhaltung nicht namentlich vorgestellt hatten, überreichten Jim die besagte Chipkarte. Anschließend machten sie sich auf dem Weg zum Ausgang. Nach der üblichen Verabschiedungsfloskel schloss Jim die Tür und betrachtete sich die Chipkarte. Auf der schlichten weißen Plastikkarte stand lediglich die Adresse des Hauptsitzes, mit Telefonnummer, E-Mail und einer spartanischen grafischen Wegbeschreibung. Jim war sich sicher, dass sich ausführlichere Angaben auf den Magnetstreifen befinden würden. Gewiss war sein Name registriert und er würde bereits eine Identifikationsnummer besitzen. Auf der Karte stand noch vermerkt, dass eine telefonische Voranmeldung erwünscht wurde.
Er steckte die Karte in sein Portemonnaie und ließ das Gespräch Revue passieren. Aufgewühlt lief Jim durchs Zimmer und suchte einen klaren Gedanken. Fragen über Fragen beschäftigten ihn und zermarterten seinen Kopf, aber noch mehr ärgerte es ihn, dass ihm erst jetzt konkrete Fragen an die Agenten einfielen. Jim lief in die Küche holte einen Aschenbecher und griff sich ein Bier aus dem Kühlschrank. Nachdem Jim es sich halb liegend auf dem Sofa, gemütlich gemacht hatte, steckte er sich eine Zigarette an. Dann nahm er einen Schluck aus der Flasche, der nach der letzten Nacht zunächst nicht sonderlich schmeckte. Ebenso bescherte ihn die erste Zigarette, ein unangenehmes Schwindelgefühl und eine Gewisse Übelkeit im Magen. 
Sein Körper gewöhnte sich aber ziemlich schnell an die berauschenden Stoffe und weckte die letzten schlummernden Lebensgeister. Das Bier schmeckte wieder und das Nikotin, von den Zigaretten, bewirkte einen entspannenden Effekt. Er überlegte, ob er vom schräg gegenüberlegenden Medienrack ein Gerät einschalten sollte. Auf dem Glastisch vor ihm lag noch die Fernbedienung dazu. Aber auf Internetradio hatte er keine Lust und auf seine Lieblingsfilme im abrufbaren TV-Speicher ebenfalls nicht. Seinen modernen Super-HDTV- Fernseher hatte er viel zu selten an, da ihn die offiziellen TV-Sendermit ihrer Werbung nervten und bei den Streaming-Anbietern erst einmal suchen müsste, um einen interessanten Film zu finden. Er könnte sich aber auch über seinen Laptop eine alte DVD anschauen, aber dazu hätte er aufstehen müssen. Nur wenn er schon mal am Computer wäre, würde er sich wahrscheinlich dafür entschließen am Laptop zu bleiben und dann im Internet surfen. Allerdings würde er sich dann wieder über die unaufgeräumte Ecke aufregen. 
Im Regal und rund um seine Computerecke lag vieles ungeordnet umher. Es war vollgestopft mit fachlichen Büchern, DVDs, Ordnern und zahlreichen Heftern. Um den Laptop lagen USB-Sticks umher, wo er nicht mehr wusste, was auf ihnen gespeichert waren. Auf und um den Multifunktionsdrucker lagen verstreut einige lose A4 Zettel, die dringend sortiert werden müssten. Und obwohl er eine Ablage für Schreibzeug hatte, lagen die Kugelschreiber wahllos umher, vermischte mit Büroklammern, einem Minitaschenrechner oder einem Feuerzeug. Staub könnte auch mal wieder beseitigt werden, dachte er. Angesichts jener Vorstellung blieb er lieber auf seinem Sofa liegen und genoss sein Bier und versuchte Rauchringe zu bilden. Entspannt ließ er seine Gedanken im Zigarettenqualm treiben.
Natürlich drängte sich so manche Frage zum Angebot von Virtual Humana auf. Er versuchte dabei so objektiv wie möglich die Argumente zwischen einem Für und Wider abzuwägen. Samantha allein bewirkte eine magische Anziehungskraft und auch das schwindende Konto, waren schwere Gewichte für die Pro-Schale, wogegen idealistische Gründe mehr und mehr verpufften. Was, wenn er sich auf die Firma einlässt? Würde er sich selbst verraten und irgendwann nicht mehr in den Spiegel schauen können? Warum wollten sie ihn überhaupt, was steckte dahinter? Doch solchen Fragen verschwanden im Nebel angesichts der Bilder von Samantha und ein Tröten, mit grellem Warnblinklicht, wies auf sein leeres Konto hin. Was kann schon passieren, wenn der Auftrag wirklich klar definiert ist, beruhigte Jim sein Gewissen, die Risiken ließen sich sicher vertraglich einschränken. Eigentlich wollte er nie für so ein zwielichtiges Unternehmen arbeiten, doch was nützte ihm jener Idealismus.
Er steuerte auf ein finanzielles Chaos zu und eine bremsende Alternative gab es nicht. Um sich von düsteren Gedanken abzulenken, beschloss er die Wohnung aufzuräumen. Trotz der getönten Scheiben heizte sich der Raum über die breite Fensterfront enorm auf. Er begann zu schwitzen und wurde zudem träge, sodass ihm jeder Schritt, wie eine zentnerschwere Last vorkam. Dennoch räumte er, der Anstrengung trotzend, den Küchenbereich auf. Das schmutzige Geschirr landete im Spülautomaten und obwohl es ökonomischer gewesen wäre, dass bisschen im Waschbecken abzuwaschen. Aber das wäre ja mit Arbeit verbunden. Es war schon anstrengend genug die Butter, das Toastbrot und die Kirschkonfitüre in den Kühlschrank zu heben. Wenigstens wischte er noch einmal mit Lappen über den Tisch. Da er eigentlich mehr mit der flachen Hand den Tisch putzte, entschloss er sich das zerfetzte Ding zu entsorgen. Aus dem Küchenschrank leistete er sich dann einen neuen Lappen.
Von der Küchenecke schlich er dann zum Schlafsofa, er schüttelte sein Bettzeug auf und drapierte Kopfkissen und Zudecke optisch ansprechend. Inzwischen war er auch motiviert seine Computerecke aufzuräumen, doch seine Gedanken fuhren weiterhin Achterbahn. Beim Aufräumen fiel ihm die DVD, „Centralis“, in die Hände. Jim erinnerte sich an jenem dokumentarisch geprägten Spielfilm, der damals mächtig viel Aufsehen erregte. Zumindest hatte jener Film Jims schlechte Meinung über Virtual Humana bestärkt gehabt. Er versuchte sich an den Film zu erinnern, konnte jedoch nur einzelne Szene ins Gedächtnis rufen.