Musik meines Lebens 4 bis 6

Musik meines Lebens - 4 bis 6

4. Zeit heilt alle Wunden

 

 4. „Zeit heilt alle Wunden“  - Bernhard Brink (2006)

Link zum Lied: https://www.youtube.com/watch?v=nScuCcoEl2c

„Zeit heilt alle Wunder“, sagte meine Mutter, aber was ist, wenn neue Wunden hinzukommen und bestehende vertiefen.
Der Sommer ging vorbei und die Einschulung rückte heran und vertrieb etwas die Trauer in meinem Herzen, denn ich war äußerst aufgeregt. Je näher der Tag kam, desto mehr fragte ich mich, wie wird es sein? Was werde ich alles lernen? Werde ich noch Zeit zum Spielen haben? 
Am Dienstag, den 3. September, war es dann so weit. Auf dem Rücken trug ich den Schulranzen, gefüllt mit Schulheften und Federtasche. Die Klassenleiterin Frau Stubbe widmete sich jeden Einzelnen, begrüßte alle mit freundlichen Worten und wies uns die zukünftigen Plätze zu. Die Schulbänke waren einheitlich genormt und kompakt miteinander verbunden. Die Rückenlehne vom harten Holzsitz, war mit dem Schreibpult verbunden. Die Schreibfläche war leicht abgeschrägt und oben befand sich eine schmale Flachstrecke mit einer Vertiefung für Stifte und einer Aushöhlung für das Tintenfass. Die Schräge hatte unten eine Sperrleiste, sodass Hefte oder Bücher nicht runter rutschen konnten. Das ganze hatte den Vorteil, dass jedes Kind unabhängig von seiner Körpergröße vernünftig schreiben und sitzen konnte. Unterhalb der Schreibfläche, gab es noch eine Zwischenablage, für Bücher und Hefte. An der Seite der Bank war noch ein Haken für die Schulmappe.
Vorn an der Tafel stand inzwischen ein Kinderchor zur offiziellen Begrüßung bereit. Alle acht Sänger trugen ein weißes Hemd und ein blaues Halstuch. Hinter den Schulbänken standen ein paar normale Stühle, für unsere Eltern bereit. Die Plätze reichten jedoch bei weitem nicht aus und so verteilten sich die restlichen Eltern der Schulanfänger im Raum. Nach der Willkommensrede der Lehrerin, sang der Chor zur Einstimmung ein paar Pionier-lieder. Ich war sofort begeistert vom Lied „Unsere Heimat“. Nach dem feierlichen Teil gingen die Eltern nach draußen. Wir Kinder erhielten von Frau Stubbe unsere Schulbücher und sie überprüfte, ob unsere Schulmaterialien vollständig waren. Der Schulranzen war nun so richtig schwer, als wir nach draußen durften. Dort erwarteten uns die jeweiligen Eltern, beglückwünschten uns und bekamen nun endlich unsere Schultüte geschenkt. Allerdings mussten wir noch eine lästige Foto-Session über uns ergehen lassen.
Pflicht war ein Klassenfoto auf der Treppe, denen dann diversen Standfotos folgten. Mal mit Mutter, mal mit Vater, dann mit beiden und so weiter … und immer schön lächeln. Ich fand’ s zum...
Mich interessierte mehr der Inhalt der Schultüte. Als ich endlich einen Blick in die Tüte werfen durfte, war ich enttäuscht. Die 80 cm große bunte Zylindertüte war innen hohl und nur in einem kleinen grünen Netz befanden sich eine Handvoll Süßigkeiten. Im Rahmen der Familie wurde dann etwas gefeiert. Damals war die Einschulung, bei weitem nicht so ein Event wie heute und fand auch nicht Samstag statt, sondern immer am 1. September. War der erste ein Samstag oder Sonntag, fand die Einschulung am Dienstag statt, damit die Schule Zeit hatte, am Montag die Feier zu organisieren (Schulchor). Somit wurde der Dienstag für mich zum Sonntag, denn mein Vater nahm sich extra frei.
Zum Mittag gab es Gulasch, mit Kartoffeln und Rotkohl und zur Kaffeezeit drei Sorten Kuchen. Marmorkuchen, Kirschtorte und „Kalter Hund“ (Kekstorte). Auf der Veranda fing mich zuvor Opa Lucht ab und gratulierte mir. Da Junior Lucht mit seiner Frau ebenfalls dastanden, reichten sie mir ebenso notgedrungen ihre Hand. Mein Bruder hielt mir gequält seine Hand entgegen und murmelte gönnerisch „gratuliere“. Er mochte grundsätzlich den ganzen offiziellen Zirkus nicht. Meine Mutter hielt mir noch einen Vortrag und faselte was von einen neuen Lebensabschnitt, doch viel interessanter fand ich die bunten Schulbücher. 
Die Einschulung war ein schöner Tag, doch das böse Erwachen folgte am Mittwoch. Ich hatte das Problem, dass ich niemanden in der Klasse kannte. Die anderen Kinder spielten bereits schon im Kindergarten miteinander und haben schon Freundschaften gebildet. „Hau ab, du bist Doof“, bekam ich öfter zu hören.
Ich war ein Außenseiter, genau wie drei andere Schüler, die ebenfalls nicht im Kindergarten waren. Mit ihnen wollte ich mich jedoch nicht anfreunden. Es waren die dicke Angela und die spindeldürre Inge und der stinkende Klaus. Man sollte ja nicht nach Äußerlichkeiten gehen, aber alle drei hatten eine Art an sich, die ich abstoßend fand. Bei Angela drehte sich alles ums Essen, Inge war eine hochnäsige „Kuh“ und Klaus wollte sowieso mit sich allein sein. Der Unterricht mit Frau Stubbe machte richtig Spaß, obwohl sie streng war. Weniger schön waren die Pausen, wenn ich allein auf den Schulhof meine Runden drehte und keiner mit mir spielen wollte. Mir blieben nur meine Gedanken und allzu oft, erinnerte ich mich an Sabine. Wie schön wäre es doch gewesen, wenn wir zusammen in einer Klasse gewesen wären.
Ich versuchte mir auch vorzustellen, wie es ihr wohl gehen mochte. Ich gewöhnte mich daran, mit mir allein zu spielen und flüchtete mich in Fantasiewelten in denen ich stets ein großer Held war und gegen das Unrecht kämpfte oder mich an blöde Klassenkameraden rächte. Wobei eigentlich wurde ich in Ruhe gelassen und nicht so gehänselt, wie Angela, Inge und Klaus. Manchmal fand ich es gemein, wie man mit ihnen umging. Andererseits, waren sie selbst schuld daran und provozierten regelrecht verspottet zu werden. Ich aber stand dennoch abseits und wusste nicht, wie ich das ändern könnte. Mit Opa Lucht redete ich oft über das Problem, zumal meine Mutter ständig was zu tun hatte und mein Vater geschafft von der Arbeit war. Eine richtige Idee hatte Opa Lucht auch nicht, er glaubte aber, dass sich mit der Zeit alles von allein erledigen würde.
An einem Sonntagmorgen langweilte ich mich und suchte deshalb Opa Lucht. Irgendwie fand ich ihn nicht. Sicherlich war er in der Scheune, dachte ich. Das machte er immer, wenn er mit sich allein sein wollte. Ich öffnete das Scheunentor und wunderte mich über einen umge-fallenen Stuhl, der Mitten im Weg lag. Merkwürdigerweise schwebten zwei Beine darüber. Als ich hinauf sah, hing da Opa Lucht. Der Hals hing an einem Seil und er streckte mir so seltsam die Zunge raus. Ich fragte mehr flüsternd, was er denn dort mache, bekam jedoch keine Antwort. Irgendetwas stimmte hier nicht und mein kleines Herz begann zu pochen. Sieht etwa so ein Toter aus? Aber das kann doch nicht sein, erst gestern haben wir noch gescherzt. Grübelnd ging ich zurück und wusste nicht, was ich davon halten sollte. In der Veranda standen sich wieder einmal meine Eltern mit dem Ehepaar Lucht gegenüber. Sie waren anscheinend wieder drauf und dran sich zu streiten. Ich sagte beiläufig und unaufgeregt, „Opa hängt in der Scheune.“
Alle sahen mich ungläubig an und dachten, es sollte ein übler Scherz sein.
„Was soll das heißen?!“ rief mich mein Vater zur Ordnung.
„Das Opa Lucht in der Scheune hängt“, wiederholte ich und wirkte wohl etwas konfus.
Tatsächlich fuhren meine Gedanken Achterbahn. So vieles schwirrte in meinem Kopf umher und alles drehte sich um Leben und Tod. Irgendwie wollte ich nicht verstehen, dass Opa Lucht gestorben ist und glaubte auch nicht mehr, was ich gesehen habe. Mein Vater und Lucht Junior wollten sich vergewissern und gingen zur Scheune.
Die Frauen warteten derweil gespannt und schweigend auf der Veranda. Plötzlich hörten sie eine Art Schrei. Ein verzweifeltes „Nein!“, gefolgt von einem wehklagenden Jammern, der einen seelischen Blizzard verursachte, sodass alle meine Glieder einzufrieren drohten. Kreidebleich mit hängenden Kopf kam Herr Lucht wieder und mein Vater begleitete ihn und rang ebenfalls um Fassung. Auf den Gesichtern der Frauen zeichnete sich ab, wie aus einer Befürchtung Gewissheit wurde. Es genügte ein Kopfnicken, das fassungslose Klarheit schuf. Warum? Fragende Lippen brachten die Augen zum Weinen, da der Tod endgültig ist und jeder war anders ergriffen. Anneliese beklagte besonders heftig den Tod von Opa Lucht, vielleicht, weil sie sich schuldig fühlte? Zu oft war sie gemein zu ihm und beschimpfte ihn mit heftigen Worten. Allerdings konnte es auch Krokodils-Tränen (gespielte Trauer) gewesen sein? Meine Eltern versuchten das Ehepaar zu trösten. Ich dagegen konnte das alles nicht verstehen. Tod war für mich etwas abstraktes, irgendwie nicht greifbar. Ich fragte mich, tut sterben weh? Und gibt es ein Leben nach dem Tod? Wir Christen glauben, nach dem Tod ins Paradies zu kommen. Opa Lucht hatte mal gesagt, dass er gerne wieder bei seiner Frau sein möchte. Nun hing Opa Lucht in der Scheune und hat sich anscheinend auf die Reise zu seiner Frau gemacht. Wieso aber machten die Erwachsenen so ein Geschrei darum? Sollte man sich nicht mit Opa Lucht freuen, dass er ins Paradies ist?
Das heftige Wehklagen der Erwachsenen hinterließ einen bleibenden Eindruck bei mir. Es dauerte ein paar Tage, bis ich ihre Trauer begriff, dass Sterben etwas Endgültiges ist. Opa Lucht war nicht mehr da, eine wichtige Person, der mir wie ein Freund geworden war. Erst Simone und nun Opa Lucht.
Nur bei Simone hatte ich die Hoffnung sie irgendwann wieder zu finden, aber Opa Lucht war für immer von dieser Welt gegangen. Später fragte ich mich warum er das tat? Man sagte mir, er wäre sehr krank gewesen und wollte seinem Leiden ein Ende machen. Erst Jahre später erfuhr ich, dass er Krebs hatte und wollte nicht so elendig zugrunde gehen, wie seine Frau. Er musste ihr Leiden mit ansehen. Im Krankenhaus versuchte man ihr zu helfen, um die Schmerzen zu lindern, aber eigentlich haben sie ihr Leid nur verlängert. Und so etwas wollte er für sich vermeiden. Außerdem zehrte der ganze Wohnungsstreit an seine Nerven. Die junge Frau Lucht war schwanger und drängte darauf, dass wir ausziehen, damit ihnen das ganze Haus gehörte.
Merkwürdigerweise verbesserte sich nach dem Tod von Opa Lucht das Klima zwischen den jungen Luchts und meinen Eltern. Es war vielleicht ein wenig Dankbarkeit, da meine Eltern ihnen bei der Beerdigung und der Trauerfeier zur Seite standen. Mein Vater malerte auch illegal („Schwarzarbeit“) die Kammer unterm Dach, in der Opa Lucht gewohnt hatte. Beide Seiten profitierten von der „Schwarzarbeit“. Für Herr Lucht minimierten sich die Renovierungskosten und mein Vater erhielt mehr Geld, als für eine reguläre Malerarbeit. In der Folgezeit arbeitete mein Vater für Herrn Lucht häufiger rechtswidrig und er vermittelt meinem Vater auch andere „Schwarzarbeiten“, bei anderen Kunden. Jene gesetzwidrige Feierabendarbeit war eigentlich streng verboten, aber wurde von den Behörden in der Regel stillschweigend toleriert, da der Bevölkerungsbedarf mit den regulären handwerklichen Leistungen nicht abgedeckt werden konnte. Die Behörden drückten deshalb ein Auge zu, wenn sich damit die Stimmung in der Bevölkerung verbesserte.
Genau genommen waren mein Vater und Herr Lucht jedoch Wirtschaftskriminelle. Auf dieser Basis näherten sich auch meine Mutter und Frau Lucht an. Besonders durch die Schwangerschaft von Anneliese, wurde meine Mutter ihr eine wertvolle Hilfe. Als eine Art verschworene Gemeinschaft entwickelte sich ein freundschaftliches Verhältnis. Immer öfter trafen sie sich auf der Veranda zum gemeinsamen Kaffeekränzchen. Auch luden sie meine Eltern häufig zum Fernsehabend ein. 
Meinem Vater gefiel dieses Fernsehen und sprach immer häufiger davon. Ein Fernseher kostete um die 2.000 Mark und das Zubehör kostete noch mal extra, wie Antenne und Verbindungskabel. Mein Vater war aber Alleinverdiener und bekam nur um die 600 Mark im Monat ausgezahlt. Schon das Moped schluckte ein Großteil des ersparten Geldes. Noch war ein Fernseher Utopie und wir mussten uns mit einem alten Standradio begnügen. Das bessere Verhältnis zwischen meinen Eltern und Luchts, hob für uns Kinder auch die Tabuzonen auf, selbst die Wiese durften wir benutzen. Als Durchgang war das für uns sehr praktisch, da wir nun durch die hintere kleine Tür schneller zur Badestelle kamen.
Daneben war noch ein großes Tor, denn das Grundstück grenzte an den Friedhof. Als Steinmetz konnte Herr Lucht dadurch die Grabsteine und Grabumrandungen zum Fried-hof problemloser befördern. Zur Badestelle hätte man über den Friedhof laufen können, aber es gehörte sich nicht halb-nackt und mit Badesachen über die Totenruhestätte zu laufen. Es hatte etwas mit Respekt vor den Toten und den Trauernden zu tun. Um den Friedhof herum gab es einen Trampelpfad, den wir deshalb benutzten und kein großer Umweg war. Die Badestelle war eine abschüssige Wiese und nur in Wassernähe gab es einen Streifen mit gelben Zuckersand. Oberhalb thronte eine große Bretterbude mit sechs Umkleidekabinen für Einzelperson und zwei Mannschaftskabinen an den Seiten, die in Jungen und Mädchen getrennt wurden. Zur Vorderseite ging ein Holzsteg, mit Geländer, um die Kabinen herum und mittig führten zwei Stufen auf den Brettersteg hinauf.
Das Umkleidegebäude wurde häufig zum Spielplatz. Wir stellten uns vor, es sei ein Schiff und wir waren Piraten, die das Schiff enterten. Auch Greifen wurde gern gespielt und ich durfte mitspielen, zumal ältere Kinder das Sagen hatten. Unmittelbar am Nichtschwimmerbereich, stand ein Wohnwagenhänger für den Schwimmmeister. Rettungsschwimmer und Aufsichtsperson war damals die Frau Bürgermeisterin. In der Saison (Juni – August) machte sie es sich, zwischen 10 und 17 Uhr, meistens im Liegestuhl gemütlich und brauchte selten eingreifen und schon gar nicht beanspruchte jemanden ihre Rettung. Da die Frau ziemlich korpulent war, fragte ich mich, ob sie fähig gewesen wäre jemanden zu retten. Vermutlich hätte sie nur ein Rettungsring ins Wasser geworfen und dem Betroffenen viel Glück gewünscht.
Das kleine Nichtschwimmerbecken wurde von zwei Balken begrenzt. Ansonsten ging es sehr schnell ins tiefe Wasser. Aufgrund dessen befand sich der Sprungturm in unmittelbarer Nähe zum Ufer. Früher führte sogar ein Steg vom Land aus, zum Turm. Zu oft sind aber Personen mit Sachen ins Wasser gefallen oder wurden hineingestoßen oder waren betrunken. Wegen der hohen Unfallgefahr wurde der Steg zum Ufer abgebaut. Zu meiner Kinderzeit gelangte man dann, nur noch im Wasser über eine Metallleiter auf den 2m langen Reststeg und man konnte dann vom 1,5 oder 3m hohen Sprungbrett ins Wasser springen. Ich persönlich mochte es nicht, von irgendwo herunter zu springen. Der Steg um den Sprungturm herum reichte völlig aus.
Am Holzsprungturm herrschte jedes Mal ein reges Treiben und es wurde dort häufig Greifen gespielt. Dabei musste der Greifer einen anderen Mitspieler mit der Hand berühren, der dann zum Greifer wurde. Bei der hektischen Jagd holte sich so mancher einen blauen Fleck oder trank unfreiwillig einen kräftigen Schluck Seewasser. Da ich lange Zeit nicht Schwimmen konnte, war ich bei so einer Hatz nicht dabei. Und später als ich es konnte, schluckte ich viel zu oft unfreiwillig Seewasser, verbunden mit einem Hustenanfall. Es war auch damals sehr beliebt jemanden zu dümpeln. Ahnungslosen Schwimmern wurde dabei der Kopf unter das Wasser gedrückt, bis sie Wasser schluckten. Wie ein Ertrinkender rang man dann keuchend nach Luft. Ich haste so etwas und achtete stets darauf, dass keiner jener Unholde in meiner Nähe war. Es war sowieso ein Wunder, dass beim Dümpeln keiner ertrunken ist. Im Zweifelsfall blieb ich in Ufernähe, um immer Bodenkontakt zu haben und ein Dümpeln nicht möglich war. Gefährlich war es auch beim Schwimmen einen Krampf in den Beinen zu bekommen.
Da der See nicht sehr breit war, schwamm man gern mal auf die andere Seite. Auch ich probierte es und bekam mitten auf den See einen heftigen Wadenkrampf. Glücklicherweise konnte ich auf den Rücken im Wasser liegen („Toter Mann“). So konnte ich abwarten bis der Schmerz etwas nachließ und mit Rückenschwimmen gelangte ich ans rettende Ufer. Nicht auszudenken, wenn ich das nicht gekonnt hätte, dann wäre ich vielleicht ertrunken, da ich meine Beine nicht benutzen konnte. Der See hatte schon eine magische Anziehungskraft und wider besseren Wissens, schwamm ich erneut über den See, mit dem Wadenkrampfrisiko.
Gegenüber von der offiziellen Badestelle war eine wilde Badestelle entstanden. Dort hatte jemand ein Seil an einem Baum am Wasser befestigt, so dass man sich mit dem Seil ins Wasser platschen lassen konnte. Am Ende des Sees gab es ebenfalls eine Badestelle, wo es sehr seicht ins Wasser ging. Jener Ort wurde bestenfalls von verliebten Pärchen benutzt, da die Badestelle zu weit vom Dorf entfernt und demzufolge auch fern von jeglicher Hilfe. Bei den nicht regulären Badestellen war auch die Gefahr groß sich in Schlingpflanzen zu verheddern oder von Krebsen schmerzhaft gezwickt zu werden. Uns Kindern wurde deshalb eingeschärft die offizielle Badestelle zu nutzen. Der reguläre Weg dorthin, führte von der Kirche am Friedhof vorbei, über einen staubigen Naturweg. Gegenüber der Badestelle befand sich noch ein Toilettenhäuschen, doch es war ratsam nur im äußersten Notfall den Ort zu benutzen. Es stank da nicht nur, sondern es war dort sehr schmutzig und ein Eldorado für Spinnen.