1.4. Trends der Zeit (90er)

Trends der Zeit
Games, Technik, Fernsehen, Radio, Sonstige


Konsolen - Computer - Internet
Handy, Video, CD und Technik
Radiowelt im Berliner Raum
Fernsehlandschaft

 

Konsolen, Computer, Internet

  • Beginn des digitalen Zeitalters mit Spielkonsolen, Computer und dem Internet
  • Konsolenspiele von SEGA und NINTENDO dominierten, egal ob Jump & Run oder Sportspiele. Kultspiel bei SEGA wurde der Igel Sonic und bei NINTENDO die Super Mario Brothers. Sämtliche Spiele wurden von Folge zu Folge rasanter, sowie grafisch immer besser. Neben den japanischen Anbietern kam Mitte der 90er Jahre die USA Konsole PLAYSTATION dazu, die es verstanden grafisch noch mehr zu beeindrucken. Im Konkurrenzkampf sicherten sich NITENDO und PLAYSTATION die Vorherrschaft.
  • Computer waren anfangs Arbeitsmaschinen (Schreiben, Rechnen), doch über Microsoft (Betriebssystem) setzten sich auch PC-Spiele durch. Jene Spiele waren technisch, grafisch und in ihrer Komplexität den Konsolenspielen weit überlegen. Nachteilig war die oft komplizierte Installation und Konfiguration mit mehreren Disketten. 
  • Konsolen hatten den Vorteil transportabel zu sein und konnten an jedes Fernsehgerät angeschlossen werden. Nachteil: Speichern war frühstens nach einem abgeschlossenen Level möglich und erfolgreiche PC-Spielen gab es nur in einer abgespeckten Version.
  • NINTENDO brachte mit dem GAMEBOY die erste batteriebetriebene Minikonsole auf den Markt. Im Gegensatz zu LCD-Spielen war der Gameboy (in etwa handgroßes Spiel-gerät), durch austauschbare Module variabler und komplexer.
  • Erste Spielhits auf dem Computer war die „Star Wars“ Simulation X-Wings und das Knobel Jump & Run Spiel Lemmings, wo es darum ging, möglichst viele von diesen zottligen Wesen ins Ziel zu bringen. Für die Fans von Piraten Rollenspielen war Monkey Island ein Muss. Erwähnenswert sind noch das Jump & Run-Spiel Prince of Persia und diverse Sportspiele wie Olympia, Fußball oder Eishockey. Ein Hit darunter war der Bundesliga Manager, wo es darum ging einen Klub zu managen.
  • Mitte der 90er Jahre erweiterte sich der Markt erheblich. Ein Actionhit war Tomb Raider. Die grafisch realitätsnah wirkenden Spiele faszinierten. Flugsimulationen, Autorennen und die Kampfspiele (Boxen, Karate) wurden zu Kassenschlagern. Eine Fülle von Zubehör (Joystick, Lenkrad) unterstrich das Gefühl der Echtheit. Gegen Ende der 90er Jahre kamen  noch Kriegsspiele dazu. Doch erfolgreicher waren die Strategiespiele wie Siedler oder Age of Empire, wo nebenbei eine Welt (Imperium) aufgebaut werden musste. Der absolute Megahit der Aufbauspiele hieß Anno 1602, hier stand der Aufbau einer Zivilisation im Vordergrund und die Macher setzten dabei auf eine (damals) beeindruckende Grafik und einem komplexen Spiel, wo Kämpfe eigentlich optional waren.
  • Mit dem PC-Spiel-Trend gab es auch eine Reihe von gewaltverherrlichenden Genre. Es mehrten sich Stimmen, die eine Kontrolle der Spiele verlangten und dass Kriegsspiele oder brutale mörderische Spiele verboten werden sollten. Die Politik konnte sich nicht auf eine Linie verständigen. Es wurde eine freiwillige Selbstkontrolle (FSK) eingeführt, wo ein Mindestalter für Games vorgeschlagen wurde. Ein Verbot von Games gab es kaum. Mit der steigender Tendenz zu Gewaltspielen, erklärten Geschäfte die FSK zum Gesetz und Verkäufer sollten das Alter der Käufer kontrollierten, was real nur bedingt funktionierte.
  • Seit Mitte der 90er Jahre setzte sich das Internet für den privaten Gebrauch durch und zunächst als Informationsquelle genutzt. Zum ersten dominierenden Web-Anbieter wurde das US-Unternehmen AOL (American Online).
  • Mit dem Internet, setzte sich die Möglichkeit der elektronischen Post E Mail rasend schnell durch. Mit steigender Beliebtheit wurde das Chat als Kommunikationsquelle beliebt. Das Angebot des Homebankings wurde dagegen zögernd wahrgenommen. Vordergründig wurde das Internet jedoch weiter als Informationsquelle benutzt.
  • Im Laufe der Jahre vergrößerte das Internet seine Informations-Angebot und konnte nun zu einer Gefahr werden. Speziell pornografische Seiten konnten schnell zur Kostenfalle werden, aber auch Extremisten nutzten diese unkontrollierte Möglichkeit für sich zu werben. Zudem geisterten im Internet zunehmend fehlerhafte Informationen und Lügen umher. Außerdem brachten Viren und Hacker technische Gefahren, die den teuren Computer unbrauchbar machten. Es wurde für Internetnutzer notwendig sich teure Schutzsoftware für ihr System anzuschaffen.
  • Homeshopping, das Einkaufen per Internet wurde angeboten und mit einer Homepage, konnte sich jeder selbst ins Internet stellen. Sei es um für sich zu werben oder anderen Internetnutzern Wissen mitzuteilen. Das immer undurchsichtigere Internetangebot rief Suchmaschinen auf den Plan. Die ersten waren Yahoo und MSN.
  • Speichermedien-Computer: Der Laufwerkbuchstabe A wurde für die Diskette in Größe einer CD Hülle mit knapp einem MB Speicher bestimmt; Der Laufwerkbuchstabe B war der kleineren Floppy Disk vorbehalte, mit einem 1,44 MB Speicher. Die Floppy Disk dominierte in den 90er Jahren, wurde dann aber durch die CD-ROM verdrängt. Die CD-ROM brachte es auf 750 MB und für sie wurde der Laufwerkbuchstabe D reserviert.
  • Ende der 90er Jahre etablierten sich Internetspiele, das illegale Kopieren von Musik und aus der Arbeitswelt wurde zugunsten des  Computers die Schreibmaschine verdrängt. 

Handy, Video, CD und Technik

  • Handys (Mobiltelefone) wurden immer handlicher und neben Motorola expandierte die  finnische Firma Nokia zum Marktführer. Die handgroßen Handys konnten inzwischen auf ein breites Empfangsnetz (in Großstädten) zurückgreifen und wurden zu einem dominierenden Kommunikationsmittel ihrer Zeit. Besonders Jugendliche schätzten die schnelle Erreichbarkeit (z. B.: spontane Verabredungen). Mit der SMS-Funktion (Textbotschaften) konnte auch schnell eine Nachricht gesendet werden (wenn der Betreffende nicht Live zu sprechen war). Allerdings waren Tarife der Anbieter oft sehr undurchsichtig und entpuppten sich als Kostenfalle. Zudem gab es verlockende Zusatzangebote, die den Handybesitzer das Geld aus der Tasche zog.  
  • Der Video-Recorder hielt Einzug in die Wohnzimmer. Endlich gab es ein einheitliches System und in Farbe, mit dem die Sendungen und Filme im Fernsehen mitgeschnitten werden konnten. Videotheken entstanden, in denen man sich aus dem reichhaltigen Angebot auch aktuelle Kinofilme ausleihen konnte.
  • Der CD Player verdrängten den Schallplattenspieler und den Kassettenrekorder. Über den  Computer gab es Anbieter, die es möglich machten, illegal Musik herunterzuladen, die dann auf eine CD gebrannt werden konnte. Der Discman löste den Walkman ab, wodurch die Lieblingsmusik über die batteriebetriebenen Kleingeräte überall gehört werden konnte.
  • Aufgrund der geringen Produktionskosten überfluteten die silbernen Scheiben den Markt. Beliebte Musikkassetten und Schallplatten der Vergangenheit wurden digitalisiert (z.B.: Beatles, Rolling Stones, Abba) und erlebten oftmals erneut einen enorme Absatz. Dazu wurden diversen Sampler angeboten und natürlich alle aktuellen Hits, gab es nur noch auf CD. Allerdings gab es auch viele CDs, die sich musikalisch als Reinfall erwiesen, aber deren billiger Preis war schon oft verdächtig. Auch die Angebote im Internet konnten sich zu einer Falle entpuppen.
  • Im Kinderbereich hielten sich noch die unverwüstlichen Musikkassetten („Benjamin Blümchen“, „Bibi Blocksberg“), aber als es die „Schlumpfparty“ nur auf CD gab, war es auch damit vorbei und Erfolgskassetten wurden ebenso digitalisiert bzw. nachgebrannt.
  • Handliche Camcorder ermunterten dazu kleine eigene Filmchen zu drehen (Homevideo). Durch die leichte Handhabung wurden auf dem Camcorder Familienfeiern oder der Urlaub festgehalten. Die Aufnahmen konnten auf Video gebracht werden und auf dem Fernseher   abgespielt werden. Ein Riege von Hobbyfilmer entstand und bedienten die TV-Formate, die vergnügliche Homevideos (Missgeschicke) sendeten. Der Camcorder war letztendlich ein teures Vergnügen, sodass der Absatz der Geräte doch relativ verhalten war. Beliebt waren Camcorder im journalistischen Bereich, da mit den Geräten unkomplizierte Auf-nahmen möglich waren. In der technischen Entwicklung gab es auch Spezialgeräte, die unter anderen zur Überwachung von Kaufhäusern und Banken dienten, um Einbrecher zu entlarven. Da Videos manipulierbar waren, hatte sie allerdings nur einen fragwürdigen  juristischen Wert (wurden aber als Beweismittel in Augenschein genommen).
  • Die CD Technologie eröffnete im Computerbereich neue Wege. Die CD-ROM wurde zum Speichermedium. PC-Spiele und Programme mussten nicht mehr, mit Disketten umständlich installiert werden, sondern eine CD-ROM bot eine logische Installationskette, die es dem Nutzer einfacher machte. Neu waren auch PC-Spiele die von der CD-ROM gestartet wurden und viel Speicherplatz auf dem PC einsparten. Mit der CD-R (einmalig) und der CD-RW (mehrmalig) konnte man eigene Daten speichern bzw. sichern.
  • Um 1999 gab es illegale Internet Musikanbieter, wie Napster, die aktuelle Hits zum freien Download anboten. Nach einer Reihe von juristischen Klagen der Musikindustrie, wurde dem Portal untersagt die Musik kostenlos anzubieten. Dementsprechend setzten sich kostenpflichtige Anbieter durch, deren Angebot kostengünstiger als eine gekaufte CD. Dennoch gab es das Risiko, dass selbstgebrannte CDs von minderer Qualität waren oder der Discman die CD nicht erkannte (nicht abspielte). Besonders CR-Ws funktionierten auf vielen CD-Playern nicht.
  • Ende der 90er Jahre stand die DVD in den Startlöchern und sollte zum Ende der Video-Kassette führen. Zunächst gab es DVD Player, die lediglich das Abspielen von Filmen erlaubten. Im Gegensatz zum Video hatte die DVD den Vorteil à ein Film konnte in mehreren Synchronisationen angeboten werden à ein Menü mit einer Kapitelauswahl machte ein schnelles Navigieren möglich à kein langatmiges Vor- und Zurückspulen ⇒ diverses Zusatzmaterial konnte eingebunden werden.
  • Die MP3 Technik setzte sich Ende der 90er Jahre durch und sollte zum dominierenden Speichermedium werden. Passten auf einer gewöhnlichen CD circa 20 Musiktitel, so konnten auf dem komprimierten Speichersystem MP3 über 100 Titel auf eine CD gespeichert werden. Trotz des Vorteils waren damals die Abspielmöglichkeiten noch sehr begrenzt, wodurch die Audio-CD weiterhin den Markt beherrschte. 
  • Neu waren auch kostenlose Spielangebot. Das „Moorhuhn“ erlangte hierbei Kultcharakter und befand sich, zum Ärger mancher Chefs, auf ihren Firmencomputern, da viele Angestellte während ihrer Arbeitszeit auf Moorhuhn Jagd gingen.
  • In der Haushaltstechnik gab es ebenso rasante Fortschritte. Waschvollautomaten konnten nun auch schleuderten und manche sogar die Wäsche trockne. In fast jeder Küche standen eine Kaffeemaschine und eine Mikrowelle. Aber auch Toaster, Mixer, Waffeleisen, Brotschneidemaschine und ähnliches waren in zahlreichen Küchen zu finden.

Radio - Landschaft

  • Aus dem Volldampfradio der 80er Jahre wurde das 24 Stunden Non-Stopp Programm. Ausgerichtet auf englischsprachige Popmusik, viel Werbung und knappgehaltenen  Informationen, getrimmt auf Sensationshascherei und Frohsinn.
  • Im Berliner Raum spezialisierten sich die Radiostationen auf ein spezifisches Image:  
    * Antenne Brandenburg = Information, Schlager, Oldie & Pop
    * Berliner Rundfunk  = Oldie-orientiert, mit Popmusik aus der ehemaligen DDR
    * RTL, 103.6  = überwiegend moderne Popmusik, mit hohem Oldie Anteil 
    * R.S.2 (eh. RIAS ) = überwiegend Oldies, mit hohem Popmusikanteil
    * Radio Energy   = speziell moderne Popmusik 
    * SFB 1= Stadtradio, Schlager, Pop, Oldie und Information
    * BB Radio = bunt gemischtes Programm (Pop, Oldies, DDR Musik & und Schlager)
    * Spreeradio = speziell Schlager bzw. deutschsprachige Musik 
    * Fritz = der Jugendsender moderne Musik  
    * 100,6, Froschradio = Musikmix nach Wünschen, dann zunehmend Inforadio 
  • Die Sender betrieben eine permanente Eigenwerbung und warben mit den wahren Hits. In der Regel wurden Songs, in einer sich wiederholenden Endlosschleife abgespielt, wodurch die Hits nervten. Lediglich Antenne Brandenburg und das SFB Stadtradio bemühten sich um ein ausgewogenes Programm mit deutschsprachiger Musik.
  • Ein Überangebot an Musik, mit marktschreierischer Werbung und lautem Getöse der Moderatoren nur noch kurzzeitig zu ertragen. Sender die Oldies spielten, waren oft in ihrer Auswahl beschränkt und kaum Abwechslung boten. Zu oft wurden dieselben Songs gespielt, da man meinte, dass der Hörer nur die Nr.1-Hits hören wollten. Wie wenig sie Hörer verstanden, beweist, dass Beatles kaum noch gespielt wurden und von den Rolling Stones kannten sie nur „Angie“. Das Radio wurde zur Geräuschkulisse, vom Radiohören konnte nicht mehr die Rede sein. Ätzende Werbung, Jingles, Eigenwerbung veränderten die Hörgewohnheit im Überhören. Staumelder und Blitzer-Service waren zwar für die Autofahrer, aber nicht für den Zuhörer daheim. Zudem begrenzte sich mit Aktuellem und Wetter der Musikanteil auf maximal 4 Songs in einer halben Stunde.
  • Besonders die ältere Generation reagierte empfindlich auf das Spaß-Radio und schaltete lieber auf Antenne Brandenburg oder SFB1. Aber insgesamt schalteten die Zuhörer das Radio aus und hörten ihre Lieblings CDs. Das Privatradio ignorierte völlig den Trend und meinte ein marktorientiertes Programm für Jugendliche machen zu müssen. Die Zahl der Radiohörer sank und auch die Dauer des Radiohörens. Oftmals lief ein Radioprogramm nur beiläufig, aber kaum einer hörte zu, sondern erwartete bestenfalls das nächste Lied.
  • Der Verkauf von Album CDs stieg stark an und bestätigte den Trend. Besonders stark verkaufte sich die Musik, die das Spaß-Radio nicht anbot, wie Schlager, DDR Musik, volkstümliche Musik und die ignorierte Rockmusik. Herbert Grönemeyer, Marius Müller Westernhagen und die Ärzte, Toten Hosen, Böhsen Onkelz und Rammstein beherrschten daher die Albumchart. Namen, wie Helmut Lotti, Andre Rieu, die Corrs und Rosenstolz wurden zu Stars und verzeichneten eine enormen Album-Absatz.
  • Privatsender waren meist abhängig und gesponsert von der Musikindustrie und erhielten verdeckt, die neusten Songs fast kostenlos anboten. Damit verbunden war die Auflage die gewünschten Songs mehrmals am Tag zu spielen damit sie zum Hit wurden und einen entsprechenden Absatz als Single oder Album brachten. Der Umsatz jener Musik und der dazugehörigen Fanartikel war tatsächlich gigantisch. Eine sich andeutende Trendwende wurde ignoriert, da es galt die Profitquelle komplett auszuschöpfen.  
  • Oldies bei Privatsendern wurden nach der Discotauglichkeit ausgesucht. Hits aus den 70er beschränkten sich daher auf Abba, Baccarra und Boney M. oder discoerprobte Rockballaden. Stets im Blick wurde den jugendlichen Zuhörer ein gewünschter Musikgeschmack suggeriert und sich profitabel für die Radiosender auswirkte.

Die neue Fernsehlandschaft

  • Für den Preis für Werbeeinheiten sind Einschaltquoten wichtig geworden, zumal sich das Privatfernsehen über die Werbeeinnahmen finanzierte. Die Sender richteten ihr Programm auf den Geschmack/Bedarf der Zuschauer aus. Fernsehen sollte in erster Linie unterhalten, spektakulär informieren und Wissen leichtverständlich vermitteln. Im Sinne der jeweiligen Sendeleitung, wurde dazu ein gewünschtes gesellschaftspolitisches Bild vermitteln und auf Objektivität und Qualität verzichtet. Bis Mitte der 90er nahm die Sendervielfalt zu und das Fernsehen wurde langsam zum 24 Stunden Programm.
  • Etwa 30 deutschsprachige TV-Sender buhlten um die Gunst der Zuschauer. Hier eine Auswahl der wichtigsten Sender:
    Sport:  Eurosport, DSF (Deutsches Sportfernsehen)
    Kinder-Jugend: Nikelodeon , RTL 2,  KIKA (Kinderkanal)
    Musik: MTV, VIVA, Vh-1, Onyx
    Info-Nachrichten: ntv (CNN-Ableger), Phönix  (ARD, ZDF)
    Kultur TV: 3 SAT (ORF, SRG, ZDF), Arte  (ARD, ZDF, France TV)
    Privat-Unterhaltung: RTL (mit Ableger RTL2, Super RTL), SAT1, Pro7, VOX,
                          
     Kabel1, Tele5 (wurde 1993 aufgelöst, Highlights gingen zu RTL2)
    Unterhaltung-öffentlich-rechtlich: ARD, ZDF, und alle 3. Programme: NDR (Nord), RB (Bremen),
                            WDR (West), SFB (Berlin), ORB (Brandenburg), MDR (Südost),
                            HR (Hessen), SR (Saarland), BR (Bayern), SWF (Südwest)
  • Im Gegensatz zu den Privatsender, finanzierte sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen über die Fernsehgebühren der GEZ. Einschaltquoten wurden aber auch für die dritten Programme wichtig, da die Zuschauergunst entscheidend für die Aufteilung der GEZ-Einnahmen wurden. NDR, WDR und MDR waren die beliebtesten 3. Programme.                                                                                
  • Die Einschaltquote, ist das hochrechnen der Sehbeteiligung einer Sendung und wurde in den 90er Jahren noch mit Probanden durchgeführt. Über die Quote wurden die Preise für eine Werbeminute festgelegt. Je höher die Einschaltquote war, desto mehr Geld erhielt die TV-Anstalt vom Werbenden für eine Werbeunterbrechung der Sendung.
  • Beliebte Sendungen waren: das Frühstücksfernsehen von SAT1; Gewinn-/Werbeshows („Der Preis ist Heiß“, „Geh aufs Ganze“, „Glücksrad“); Sexmagazin („Liebe Sünde“ von VOX wechselte zu Kabel1); Action- und Sexfilme („Baywatch“, „A-Team“, „Knight-Raider“, „Emmanuelle“), Talkshows (Hans Meiser, Ilona Christiansen, Arabella); US-Comedy („Eine schrecklich nette Familie“), Provokationstalk („Der heiße Stuhl“), eine Vielzahl weiterer US-Serien (Westen, Familienserien) und Magazinsendungen.
  • Mit dem Überangebot an Sendern verteilten sich die Marktanteile und führten zu einem Überangebot, eines sich ähnelndem Programms. Daraufhin sanken die Einschaltquoten der Privatsender zugunsten der öffentlich-Rechtlichen Sender. Besonders die dritten Programme zogen mit ihrer regionalen Ausrichtung das Publikum an. Fernsehen mit kulturellem Niveau und ohne Werbung lockten auch jüngere Zuschauer an. Insbesondere ließ der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR = Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt), die DDR Kultur wieder aufleben. Sie erinnerten an Sendungen und Filmen von damals, und ließen die Ost-Musik wieder aufflammen. Zum MDR Quotenhit entwickelte sich die Sendung „Damals war“. Diese Sendung verstand es, unterhaltsam Themen eines Jahres aufzuarbeiten. Im Mittelpunkt der Sendung stand dabei die Musik und Kurioses aus Ost und West und stets war das Jahr zu erraten. Dieses Konzept der Erinnerung wurde bei RTL und SAT1 die Grundlage von ähnlichen Shows, die später in die Musikshow „Chartshow“ (RTL) und „Hit-Giganten“ (SAT1) mündeten.
  • Mecklenburg-Vorpommern erhielt kein eigenes 3. Programm, sondern wurde im NDR integriert. Da sich Brandenburg und Berlin noch nicht auf einen gemeinsamen Sender einigen konnten blieben sie getrennt (erst 2003 gründete sich der RBB).
  • RTL-Highlights: Mit der Stripteaseshow „Tutti Frutti“ erregte der Sender die Gemüter und auch die Sexfilme, aus den 70er Jahren, riefen die Moralwächter auf den Plan. Ein weiterer Quotenhit war „Alles nichts oder“, eine Spielshow mit Hella von Sinnen und Hugo Egon Balder, und war ein bunter Klamauk mit Gästen. Kinderspiele wurden zu Partyspielen und zum Schluss wurde mit Torten geworfen. „RTL Samstag Nacht“ und „7 Tage, 7 Köpfe“, waren die Quotenhits und auch die Talk-Persiflage „TV Kaiser“ erfreute sich hoher Beliebtheit. Mit der „Traumhochzeit“ setzte sich Linda de Mol ein Fernsehdenkmal und ließ Brautpaare gegeneinander spielen, deren Sieger eine rührende Fernsehtraumhochzeit erlebten. Die niederländische Endemol Gruppe dominierte in der RTL Samstagabendunterhaltung, deren „100.000 Mark Show“ mit Ulla Kock am Brink und die „Miniplaybackshow" mit Maraike Amado zum Quotenhit wurden. Mit der Actionserie „Alarm für Cobra 11“ und der Seifenoper „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ schufen sie zwei erfolgreiche Eigenprodukte. Ansonsten war das RTL Programm eher vollgestopft mit USA Actionserien, wie „Miami Voice“ oder „Das A-Team“. „Eine schrecklich nette Familie“, stieg dabei zur Kult-Comedy-Serie. Mit Thomas Gottschalk produzierte der Sender die erste Late Night Show, nach US-Vorbild (Letterman Show).
  • SAT1- Highlights: Der Sender sah sich mehr als Familienprogramm. Sie füllten ihr Programm mit Filmen aus den 60er Jahren, wo besonders Komödie rund um die Schule („Lümmel von der ersten Bank“) beliebt waren. Anders als RTL sendete SAT1 ab Mitter-nacht Sexkomödien („Lederhosengeschichten“) aus den 70er-Jahren. Übrigens, waren jene Filme damals nur im Kino zu sehen. Für das senden der Softpornofilme wurden die Sender RTL wurde SAT1 stark kritisiert. SAT verärgerte zudem die Fußballfans, da sie die Fußballrechte erwarben. Mit „Run“ wurde Fußballsport zur Show, wo es mehr um Spieler, Trainer und Team ging, als um das Ligaspiel an sich. Anders, als zuvor bei RTL „Anpfiff“, durfte die ARD Sportschau vor 22 Uhr keine Liga-Berichte mehr senden, somit waren SAT1 die Fußballzuschauer garantiert. Mit dem Feilschen um die Senderechte, explodierten die Preise für die Überrechte, sodass für ARD und ZDF die Kosten zu teuer waren. Wegen erheblicher Fanproteste gegen diese Entwicklung, schaltete sich die Politik ein, wodurch die Spiele der Nationalmannschaft ein Erstverwertungsrecht für ARD oder ZDF bekamen. Jene Anordnung minderte den Zorn der Fußballfans, aber insgesamt war Fußball in jeglicher Hinsicht zu einem gigantischen Geschäft geworden. Weitere Quotenhits des Senders waren die Werbe/-Rätselsendung „Glücksrad“ und die Eigenproduktionen „Für alle Fälle Stefanie“ (Krankenhausserie) und „Kommissar Rex“ (Krimiserie mit  Schäferhund). Die Comedy-Sendung „Wochenshow“ erlangte Kultstatus und das Frühstücksfernsehen von SAT1 wurde am beliebtesten. Ansonsten dominierten ebenfalls US-Serien im Programm. Die Serie „Knight Rider" (sprechendes Auto) und „Baywatch“ die Rettungsschwimmer­serie mit David Hasselhoff, waren dabei die Hits.
  • Pro 7 Highlights: Der Sender war auf die Jugend fixiert. Als einzige Eigenproduktion galt zunächst die provokante Talkshow Arabella. Es war eine Daily-Talk-Show, die neue Maßstabe setzte und sich in einem provokativen Stil Tabu-Themen widmete. Zu den Programmhighlights gehörten die Zeichentrickserie „Die Schlümpfe“, die Mystery Serie „Akte X“ und „Emergencyroom“, die Notfallklinik. Später, übernahmen sie von VOX das Erotikmagazin „Liebe Sünde“. Mitte der 90er Jahre starteten sie mit einer Reihe von Comedy-Formaten, die alle sehr beliebt waren, bei jugendlichen Zuschauern. „Switsch“, war eine gnadenlose TV-Satire (m. Bernhard Hoëcker ); „Comedy Factory“, war  eine Sketchshow; der „Quatsch Comedy Club“, war eine Stand Up Comedy Show und die „Bully Parade“, Sketche mit Wortspielereien und Situationskomik (mit Michael Herbig, Christian Tramitz, Rick Kavanian – später berühmt in „Schuh des Manitu“). Auch Pro7 füllte sein Programm mit Serien-Hits aus den USA und bevorzugte Karat-Action. Mit der israelischen Teenagerkomödie „Eis am Stiel“ (Serie von 1978-1988) zeigte auch Pro7 erotische Szenen, eingebettet in die Musik der 50er Jahre.