4.2. Musikszene ab 1985

Deutsche Musikszene ab 1985 

1. Schlagerszene
2. Der volkstümliche Schlager
3. Rockpoeten
4. Discopop
5. Dies und Das
   
Rockmusik, Musical, Grand Prix de Eurovision, Plattenverkauf
 

1. Schlagerszene ab 1985

Der westdeutsche Schlager ging seinen Weg ins mediale Abseits, da der älteren Generation die neue Musik zu modern war und die Jugend ohnehin ihren eigenen Geschmack folgte. Englischsprachige Popmusik war rund um die Uhr im Radio zu hören, da im Sinne der Unterhaltungsindustrie sich mehr Geld mit internationaler Musik verdienen ließ.
Die Schlagerinterpreten waren zum Umdenken gezwungen und sie mussten sich über Konzertbühnen oder Veranstaltungen (z. B.: Volksfeste) verkaufen. Mitunter traten sie bei der Eröffnung von Warenhäusern auf oder bei einem Kaffeekränzchen im Altersheim. Schlagersänger mussten sich ihre Sporen verdienen und hatten teilweise weniger als 20 Zuhörer. Nur wer es schaffte ein großer Schlagerstar zu werden, erreichte über Konzerte mehrere Tausend Schlagerfans.
Mit überzogener Ironie traf die EAV (Erste Allgemeine Verunsicherung) den Zeitgeist und nahm die Gesellschaft auf die Schippe. Sie schaffte dabei eine Gradwanderung zwischen Schlager und Pophit. Die EAV begeisterte überwiegend ein jugendliches Publikum, aber auch mittlere Jahrgänge um die 40, fanden Gefallen an der humorvollen Satire. Heitere Texte schienen ohnehin ein Erfolgsrezept für deutschsprachige Musik zu sein. Stephan Remmler löst sich von Trio und versucht sich solistisch ebenfalls mit zweideutigen Texten und das mit Erfolg. Noch mehr auf Stimmungs-Klamauk setzten Klaus & KlausMike Krüger, die Karnevalsband Black Fööss und die Gruppe Leinemann. Der singende Comedian Jürgen von der Lippe besang die Alltagssorgen und Frank Zander warb flehend um Marlene.
Der neue deutsche Schlager wurde im Wesentlichen von Nicole, Nicky, G.G. Anderson, Howard Carpendale und Roland Kaiser getragen. Sie versuchten jugendgemäße Themen mit einem modernen Sound zu versehen und trotzdem traditionell zu bleiben. In der ZDF-Hitparade waren sie damit zumindest Dauergäste. Hoffnungsträger wie Tommy Steiner und Nino de Angelo bereichern zwar die Szene, aber sie konnten auch nicht den Abwärtstrend des Schlagers stoppen. Orientiert an die aufstrebenden Rockpoeten geben Juliane Werding, Hanne Haller und Reinhard Fendrich dem Schlager eine aussagekräftige Note und kommen dem Chanson nahe.
Wegen der Überflutung der Radiolandschaft mit Disco-Pop setzt ein Trend nach Alternativen ein. Im Aufwind befindet sich daher wieder die Liedermacherszene. Neben Reinhard Mey sind es besonders österreichische Liedermacher wie Georg Danzer oder Konstantin Wecker, die sich einer zunehmenden Zuhörerschaft erfreuen können. Mehr Inspiriert durch die NDW-Ära sind die Münchener Freiheit und die oben erwähnte EAV. Mehr rockorientiert gab sich die Klaus Lage Band und Clowns & Helden. Und ein Mittelding zwischen NDW und Rock sind Purple Schulz und Falco.
Der Begriff Schlager wurde für alle deutschsprachigen Songs mit einer hoher Popularität verwendet. Somit wurden auch Songs, wie „Männer“ oder „Was soll das?“ (Grönemeyer), als Schlager bezeichnet. Was zwar vom Begriff her stimmt, aber jene Lieder nichts mit den herkömmlichen Schlagern gemein hatten. Somit sollten die Hits von Grönemeyer, Kunze und Falco nicht als (abwertend) Schlager bezeichnet werden. 
Gegen Ende der 80er Jahre schien sich der Schlager mit seinen musikalisch typischen Strukturen wieder durchzusetzen. Wobei das zum großen Teil daran lag, dass die vor-herrschende Popmusik zu nerven begann und zahlreiche Zuhörer nach Alternativen suchten. Somit blieb der deutsche Schlager zwar eine Randerscheinung, aber immer wieder erholte sich der Schlager. Neue Interpreten, wie Matthias Reim, Claudia Jung und Kristina Bach schaffen es den Schlager wieder populär zu machen, mit ihren arteigenen Schlagern. Das Spektrum des Schlagers änderte sich auch und bot eine breite Vielfältigkeit an.
Der Schlager konnte nun eine volkstümliche oder rockige Note haben, war geprägt vom Country oder verarbeitete folkloristische Klänge der Welt, konnten aber auch nachdenklich sein oder einen ausgelassenen Frohsinn erzeugen. Der Schlager war geschmacksorientiert, aber nur wenige Schlagersänger schafften es eine große Masse zu begeistern. Mit harmonischem Discopop begeisterte Roger Whittaker und Udo Jürgens verstand es textlich zu berühren, mal satirisch, mal einfühlsam und mal nachdenklich. Auch Roland Kaiser, Howard Carpendale, Karel Gott und Nicole strahlten ein Image aus, was die Zuschauer magnetisch anzog. Den Flippers gelang ein Comeback (waren um 1970 bekannt), mit einem gefälligen Discosound mit seichten Texten. Das Schlagertrio nahm seine Zuhörer mit auf eine Weltreise oder ließ sie in Illusionen schwelgen.
In der DDR tauchte immer mal wieder ein Sternchen auf, das schnell wieder verschwand. Inka und Olaf Berger waren dagegen die beständigen neuen Schlagerinterpreten der 80er Jahre. Von den bisher renommierten Schlagerinterpreten (z.B.: Frank Schöbel), War nur das Duo Monika Hauff & Klaus Dieter Henkler durchgängig erfolgreich. Zum absoluten Schlagerstar wurde allerdings die Entertainerin Helga Hahnemann. Im Stil einer Claire Waldoff (um 1910 bis 1930) und Berliner Schnauze (Dialekt) begeisterte sie auch mit viel Herz die Nation. Wie im Westen wollte auch die DDR-Szene humorvoll sein, mit Ekki Göppelt, Beppo Küster und Lippi (Wolfgang Lippert) waren deren Versuche sehr gewöhnungsbedürftig. Nur wenige Song konnte man wenigstens als Originell bezeichnen. Auch Frank Schöbel versuchte sich in jener Richtung, aber auch das war Geschmackssache und passte nicht zu seinem Image.
Insgesamt war die DDR wieder darauf verfallen, den Westen zu kopieren. DDR Musik war aber nur dann am erfolgreichsten, wenn sie sich ihrer Traditionen erinnerte und das galt insbesondere für die Rockszene.

2. Der volkstümliche Schlager

Karl Moik Musikantenstadl

Die ZDF-Hitparade Kultsendung für Schlagerfans war Geschichte und speziell über den albernden NDW-Klamauk empörte sich die ältere Generation. Bunte Haare, schrilles Outfit und zu viel nackte Haut empfand die Großelterngeneration als Untergang des Abendlandes. Sie besannen sich auf die alten Werte und entdeckten die volkstümliche Musik wieder.
Da die Medien (Radio, TV) jene Musik weitgehend ignorierten, kauften sich die Fans die entsprechenden Platten. Darauf wurde die Plattenindustrie aufmerksam und förderten die Musik. 
Volkstümliche Feste erfreuten sich regem Zulauf und die TV-Sendungen Musikantenstadl wurde im ORF (1981) ein großer Erfolg. Die ARD (bayrischer Rundfunk) übernahm die Sendung, die ab 1983 konstant hohe Einschaltquoten erreichte. Der Musikantenstadl war mit Moderator Karl Moik (siehe Bild) einer der populärsten TV-Sendungen und wurde zeitgleich in Österreich und der Schweiz übertragen. Weitere volkstümliche Sendungen folgten:
1. „Grand Prix der Volksmusik“ (1986) - - -  2. den „Lustige Musikanten“ (von 1971, aber erst durch Marianne & Michael ab 1989 ein Quotenhit) - - -  3. die „Heimatmelodie (1984 mit Maria & Margot Hellwig) - - -  4. in der DDR gab es den „Oberhofer Bauernmarkt“ (seit 1972, und mit Manfred Matzke, seit 1984 wieder ein TV-Hit).
Nicht unerwähnt soll Carolin Reiber sein, die in mehreren Musikformaten mitwirkte und in dem „Wunschkonzerte der Volksmusik“ zusammen mit Karl Moik, auch dem Schlager eine Plattform gab. Roger Whittaker, Flippers, Milva und Andy Borg sind einige Interpreten, die in volkstümlichen Sendungen auftraten. Natürlich waren Stimmungsmacher Tony Marshall und Heino beinahe Dauergäste. Der ARD „Musikantenstadl“ änderte diesbezüglich sein Konzept und bot einem Sammelsurium von den Medien ignorierter Musik eine neue Heimat. Da war auch Platz für Reinhard Mey und Walzergeiger Andre Rieu. Ebenfalls waren Nicky und Tommy Steiner willkommene Gäste. Primär wurden aber die Lieder der Berge gespielt bzw. alles, was folkloristisch Klang und da genügte, es schon im Dialekt zu singen.
Ein regelrechter volkstümlicher Trend explodierte und diverse Interpreten und Gruppen nahmen sich dieser Musik an. Ab 1986 begann die ARD mit dem „Grand Prix der Volksmusik“ und 1988 siegte das Naabtal Duo mit „Patrona Bavariae“ und wurde auch in den Verkaufschart zu einem Hit. Namen, wie die Kastelruher Spatzen, Zillertaler Schürzenjäger, Nockhalm Quintett, die Paldauer und die ostfriesischen Godewind wurden zu Stars der Szene.
1989 wurde Bianca mit „Die Rosen der Madonna“ sehr bekannt und das Stimmungsduo Klaus & Klaus wechselte mit „Der Eiermann“ in die volkstümliche Szene. Die gewichtigen Wildecker Herzbuben hatten 1990 mit „Herzilein“ einen Riesenhit in den Verkaufscharts und sangen sich mit weiteren Hits in die Herzen der Zuhörer.
Die volkstümliche Szene stellte den Schlager in den Schatten und sogar die Zahl eines jüngeren Publikums stieg stetig an. Es waren Jugendliche, die nun Gefallen an der heimatverbundenen Szene fanden und eine behagliche Atmosphäre mochten, dass so viel positive Lebensenergie ausstrahlte. So war es nicht verwunderlich, dass die Kastelruher Spatzen mehr Tonträger umsetzten, als Schlagerstar Nicole. Unter dem Motto „ein bisschen heile Welt“ erfüllte die volkstümliche Musik die Sehnsüchte zahlreicher Menschen, die in einer hektischen Welt ein wenig illusionär Träumen wollten.
In der DDR wurden durch den „Oberhofer Bauernmarkt“ Gaby Albrecht und das Duo Andrea & Manuela bekannt. Dort begann auch die kleine Stefanie Hertel ihre Karriere und so was, wie ein Urgestein des volkstümlichen Schlagers war Achim Menzel, der später beim MDR eine eigene Sendung bekam. Übrigens, im Trend der Volksmusik entstanden in den 90er Jahren viele neue TV-Formate. Ein Überangebot wirkte sich allerdings schädigend aus und floppte dementsprechend. Heute (2010) garantiert Florian Silbereisen mit „Feste der Volksmusik“ hohe Einschaltquoten.

Sieger im Grand Prix der Volksmusik:

1986: 
1. Nella Martinetti (SUI), mit „Bella Musica“ ; 2. Winfried Stark (BRD), mit „Wir
 gratulieren“;  3. Tiroler Nachtschwärmer (AUT), mit „Beschwingt geht’s los“

1987: 
1. Maja Brunner (SUI), „Das chunnt eus spanisch vor“;  2. Bachler Buam (AUT), 
 „Veronika“;   3. Uschi Bauer (BRD), „Hand aufs Herz“

1988: 
1. Naabtal Duo (BRD), „Patrona Bavariae“;  2. Tiroler Nachtigallen (AUT), „A 
Richtiger Mann“; 3. Geschwister Biberstein (SUI), „So en Tag“

1989: 
Erstmals mit nationalen Vorentscheid in Österreich, Schweiz, Deutschland 

1. Stefan Mross (AUT), „Heimwehmelodie“;  2. Patrick Lindner (BRD), „Die kloane Tür zum Paradies“; 3. Bregenzerwälder Musikanten (AUT) „Der Zauber der Berge“

1990: 
1. Kastelruther Spatzen (BRD), „Tränen passen nicht zu dir“;  2. Alpentrio Tirol 
(AUT), „Da drob’n auf’m Berg steht a Kircherl“; 3. Andy Borg & Alexandra (BRD) „Komm setz’di auf an Sonnenstrahl“ 

 

3. Die Rockpoeten

Mit dem Ende der NDW-Ära wurde gleichzeitig der Durchbruch für deutschsprachige Popmusik ermöglicht. Genervt vom musikalischen NDW-Klamauk suchte die Jugend nach neuen Idolen. Die wahren Pioniere des NDW packten ihre Koffer, da die groteske Szene den einstigen Sinn der Musik wegspülte. Ideal machte mit ihrer Auflösung den Anfang und Trio setzte ebenso einen Schlusspunkt. Hubert Kha und Peter Schilling versuchten mit englischsprachigen Songs dem Untergang zu entgehen und erlebten aber eine Pleite. Als NDW-Band gestartet schaffte es die Münchner Freiheit sich rechtzeitig umzuorientieren und etablierte sich erfolgreich als Schlagerband, mit rockigen Tönen.
Eine neue Garde von Musikern rückte heran, die bislang von der kommerziellen Szene ins Abseits gedrängt wurden. Allen voran die Rock-Band BAP, die von ihrem künstlerischen Wert her zur ersten Garde gehörten, aber vom Großteil der Jugend unbeachtet blieben. Das lag zum großen Teil daran, dass die Band im Kölner Dialekt sang. Trotzdem verkauften sich ihre LPs bei einem reiferen Publikum und in Köln sehr gut.
Stefan Waggershausen und Udo Lindenberg waren diejenigen, die sich gegen die NDW-Musik behaupten konnten und erfolgreich Popschlager sangen. Jewdoch mit dem Ende der NDW-Musik ließ auch ihre Popularität etwas nach.
Peter Maffay, Jule Neigel, Klaus Lage und Pur waren bestrebt Deutschrock zu machen und landeten letztendlich im Rockschlager. Ebenso wurde der rappende Österreicher Falco und die satirische Showband EAV eher als Schlagerinterpreten gesehen, was sie nicht sein wollten. 
Von ganz anderem Kaliber und einem spezifischen textlichen Niveau sind die Rockpoeten, Herbert Grönemeyer, Marius Müller Westernhagen, Wolf Maahn, Rio Reiser, Heinz Rudolf Kunze, Ina Deter und Purple Schulz (als Grenzfall) zu nennen. Sie sangen nicht für den Konsum, sondern wollten dem Zuhörer etwas erzählen und mitteilen. Sie wurden die neuen Idole der Jugend, da sie ihre Themen ansprachen und authentische waren. Wobei nur Kunze, Grönemeyer und Westernhagen es schafften eine feste Fangemeinde aufzubauen.
Leider spielten das Radio und das Fernsehen inzwischen nur englischsprachige Popmusik und gaben der deutschsprachigen Musik keine Chance. Auch die Jugendkultsendung „Formel 1“ orientierte sich mit ihren Videoclips am internationalen Musikgeschmack und ließ die Rockpoeten zunächst vor der Tür stehen. Die Radio- und TV-Anstalten ließen sich zu sehr von der Unterhaltungsindustrie einen Musikgeschmack aufzwingen und suggerierten dem Zuhörer, was sie zu hören haben. Musik sollte für die Schallplattenindustrie profitabel sein und der Schlager war es nicht mehr und deutschsprachige Rockmusik war unerwünscht. Über lokale Jugendmusiksendungen und Live-Konzerte setzte sich aber die Qualität der Musik durch, doch die Szene brauchte noch einen Hit, um massenkompatibel durchzustarten.
Mit dem originellen Song „Männer“ gelang Herbert Grönemeyer 1984 ein solcher Hit, den kein Sender ignorieren konnte. Im Zuge des Erfolges erzwangen sich die Künstler über ihre Fans ihre Medienauftritte. Ab 1986 setzten sich die Rockpoeten durch und wurden wohl oder übel im Radio gespielt. Dennoch die Ignoranz der Unterhaltungsindustrie gegenüber der deutschsprachigen Musik war groß und vielleicht auch von der Politik so beabsichtigt.
Den englischsprachigen Singsang, den keiner Verstand, eignete sich hervorragend dazu, um den Jugendlichen eine Rosa Brille aufzusetzen und sie zum Konsum zu animieren. Kritische Töne und überlegenswerte Worte der Rockpoeten störten dagegen nur. Ende der 80er Jahre entdeckte die Punkband Ärzte den dadaistischen NDW-Stil für sich und begeisterte damit ein großes Publikum. Ebenso populär wurden die rockigen Toten Hosen.
Insgesamt war ein breites Band an deutschsprachiger Jugendmusik entstanden, nur die Medien spielten noch nicht mit.
Ganz anders in der DDR, hier genoss deutschsprachige Popmusik einen hohen Stellenwert. Leider orientierte sich die Musikszene zu sehr an die NDW-Szene der BRD und verlor deutlich an Qualität. In der Folgezeit gab es nur noch wenige gute Rocksongs und die wenigen Songs waren ausnahmslos Lieder, die an der Rocktradition der DDR-Musik anknüpften. Mit dem Rücken zur Wand erlaubte das DDR-Regime auch unerwünschte Musik, wie den Punkrock. Punk in der DDR war von seiner Musik her ursprünglich an die 70er Jahre angelehnt, konnte aber nie die Massen begeistern.

4. Discopop

Besonders gegen Ende der 80er Jahre förderte die Unterhaltungsindustrie die ausländische, englischsprachige Discomusik. Jene Musik heizte den Konsum an, war meistens unpolitischhttp://www.google.de/url?source=imgres&ct=tbn&q=https://lyricszoom.files.wordpress.com/2012/11/moderntalking1.gif&sa=X&ei=XDhzVd6FDMyRsgGY4oCIDw&ved=0CAUQ8wc4Hw&usg=AFQjCNFFM9GIkaNj7M-xQ2DTLEjSTvc-rg und lenkte den Zuhörer zur sexuellen Gier. Mit Knebel Verträgen und lukrativen Angeboten machten sie das Radio und das Fernsehen zum markfördernden Werbeträger.
Schon die Discomusik vor 1980 war für die Unterhaltungsbranche sehr lukrativ und die NDW-Ära unterbrach den Trend. Die NDW- Musik ließ sich jedoch kommerziell steuern, sodass aus der progressiven Richtung Blödelgesänge wurden und den Trend beendete. International setzte sich in jener Zeit ein neuer New Wave-Stil durch, der als New Romantic bezeichnet wurde. Mit Alphaville und Camouflage wurden auch zwei deutsche Gruppen bekannt. Die Musikindustrie förderte jene Gruppen, da ihre Texte unpolitisch waren und in englisch sangen und somit die Zuhörer nicht verstanden, was da gesungen wurde. Es reichte zu wissen, was ungefähr gesungen wurde oder eine Textzeile, die zum Slogan wurde. Wichtig wurde ein wohlgefälliger tanzbarer Discosound, der sich gut vermarkten ließ.
1985 startete Modern Talking (siehe Bild) mit einem rhythmisch, stampfenden Sound. National und international wurden ihre Songs Nr. 1 Hits und waren in punkto Plattenverkauf, die bis dahin erfolgreichsten Interpreten aller Zeiten in Deutschland. Obwohl sich alle Songs ähnelten hielt der Erfolg des Duos bis 1987 an. Differenzen zwischen Dieter Bohlen und Thomas Anders führten zur Auflösung von Modern Talking
Dieter Bohlen gründete danach Blue System und produzierte nebenher C.C. Catch. Es gelangen ihm zwar keine Top Ten Platzierung mehr, aber die Songs, der beiden Acts wurden in den Discotheken und im Radio rauf und runtergespielt. Dieter Bohlen motivierte jedoch andere Künstler dazu, ebenfalls den geförderten lukrativen Disco-Pop-Markt zu bedienen.
Michael Cretu holte Sandra aus dem Mädchentrio Arabesque und machte sie zum Solostar. Ihre „Maria Magdalena“ wurde in Deutschland und in 20 weiteren Staaten zum Nr.1 Hit und gilt als eine der erfolgreichsten deutschen Single International. Mit Höhen und Tiefen blieb sie bis 1990 Dauergast in den Charts, aber erreichte kaum noch Top-10 Platzierungen. Der Produzent Frank Farian probierte 1988 ein neues Projekt, nachdem der Erfolg von Boney M. stark nachließ und sich die Gruppe langsam auflöste. Mit Milli Vanilli gelang es Frank Farian wieder ein Projekt zu Chartstürmer zu machen. Sogar in England und den USA platzierte sich Milli Vanilli unter die ersten drei Charts-Plätze. Trotz des großen Erfolges wollte Frank Farian mit ihnen keine weitere Platte produzieren. Die Gründe die Frank Farian nannte (keine neue Song-Idee), überzeugten nicht.
Gegen den Willen von Frank Farian, nahmen Milli Vanilli in den USA an einer Preisver-leihung teil, wo die eingespielten Demobänder während ihres Vortrages hängen blieben und das Publikum die wahren Stimmen des Duos hörte. Die Interpreten wurden des Betruges entlarvt. Frank Farian bestätigte kurz darauf, dass die beiden Sänger nicht singen konnten, sondern nur der optischen Marktstrategie dienen sollten. Die beiden exotischen Schönlinge ließen sich erfolgreicher vermarkten, als die jamaikanischen Originale, die etwas beleibt waren. Der Skandal war perfekt und besonders in den USA reagierte man heftig darauf.
Frank Farian versuchte es danach noch mal mit den Originalen, doch wie erwartet floppte der Versuch. Die Disco-Pop-Szene wurde von weiteren Acts überschwemmt, von denen es einige zum One-Hit-Wonder schafften, aber angesagter war die ausländischen Stars.
In der DDR wurde weiterhin deutsch gesungen und die Versuche einer nationalen Disko-musik war schon sehr gewöhnungsbedürftig. Wenn man so will, war IC Falkenberg der einzige Discostar der 80er Jahre. Viel interessanter war, dass nun populäre internationale Popmusik auf Schallplatte angeboten wurde. Die wenigen limitierten Platten von Künstlern, die in der DDR zugelassenen wurden, waren allerdings schnell vergriffen und meistens mit einem stundenlangen Anstehen verbunden. Im Angebot waren LPs von Bruce Springsteen, Tina Turner und Supertramp. Bruce Springsteen und Bob Dylon gaben sogar offiziell ein Konzert in der DDR. Das alles war ein Tropfen auf den heißen Stein und sollte die Jugend beruhigen. Aber die Jugend wollte mehr und das Radio bediente nun die Wünsche.
Übrigens wurden im Gegensatz zu den Westmedien, in der DDR alle Songs ausgespielt, da sich das DDR-Radio an keine Auflagen der Plattenindustrie zu halten brauchte. Demzufolge blieb der Kassettenrecorder das beliebteste Musik-Gerät der Jugend. Auf dem ersten deutschen Jugendfernsehsender „1199“ gab es zudem Musikvideos ohne Störungen und in voller Länge zu sehen. 

5. Dies und Das

Rockmusik:
Die Hardrockband Scorpions aus Hannover, die schon seit 1973 international erfolgreich waren, schafften 1984 mit „Still Loving You“ ihren ersten kommerziellen Hit in den deutschen Charts. Die Nachfolgesingle „Rock You Like A Hurricane“ kam allerdings über einen Achtungserfolg nicht hinaus. Wie die meisten Metal Bands überzeugten auch die Scorpions nur auf der Konzertbühne. Wobei interessanterweise die Scorpions seit 1979 in 
den USA sehr populär waren und dort ihre Alben verkaufen konnten. So erreichten sie 1982 mit der LP „Blackout“ den 10 Platz und hielten sich 74 Wochen in den US-Charts.

Musical:
Als musikalischen Meisterwerke von
Andrew Lloyd Webber sollten die Musicals „Cats“, „Starlight-Express“ und „Das Phantom der Oper“ erwähnt werden, die ein Millionen-publikum in die Musiktheater lockten und ausverkaufte Häuser garantieren.

Grand Prix de Eurovision

Die 80er Jahre gehörten zu den erfolgreichsten der BRD beim Song Contest.

1 x Platz 1:   1982, Nicole „Ein bisschen Frieden“
4 x Platz 2:   1980, Katja Ebstein „ Theater“ ;   1981, Lena Valaitis „Johnny Blue“ ; und zweimal Wind 1985 („Für Alle“)
                       und 1987 („Laß’ die Sonne in dein Herz“).    

Deutsche Bilanz seit 1957 bis 1990

Platz
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
13.
14.
15.
. . .
17.
Wie oft
1
4
3
3
2
6
1
5
3
 
 3
 3
 3
 
 1

 

Verkaufszahlen / Alben                                                                             (Stand 2015) 

Aufgelistet sind deutschsprachige Künstler, deren Tonträger (TT) in den 80er Jahre erschienen!

1.  4630 Bochum            Herbert Grönemeyer         (ab 1984)                               über 2,75 Mio. TT
2.  Ö                                Herbert Grönemeyer         (ab 1988)                               über 1,75 Mio. TT
3.  Winterkinder              Rolf Zuckowski                  (ab 1987)                               über 1,50 Mio. TT
4.  Revanche                   Peter Maffay                       (ab 1980)                               über 1,00 Mio. TT
5.  Für usszeschnigge!    BAP                                      (ab 1981)                               über 1,00 Mio. TT

Tonträgerverkauf / Künstler

Auflistung von deutschen Künstlern, die auch in den 80er Jahren Tonträger verkaufen konnten!

1. Herbert Grönemeyer             (1984 – 2015)          17.875.000  TT                Nr. 1 Alben = 10
2. Rolf Zuckowski                    (1989 – 2012)          13.975.000  TT                mit 15 Alben in den Charts
3. Peter Maffay                         (1975 – 2015)          13.925.000  TT                Nr. 1 Alben = 11
4. Die Toten Hosen                   (1987 – 2015)          13.475.000  TT                Nr. 1 Alben = 9
5. Marius Müller Westernhagen (1981 – 2009)        11.875.000  TT                Nr. 1 Alben = 7

Singleverkauf / Deutschsprachig

Auflistung von Schlagern, die sich in den 80er Jahren über 250.000 Mal verkauft haben!

1.  Santa Maria                                 - Roland Kaiser                                                     (1980)
     K: Guildo & Maurizio de Angelis; T: Cesare de Natale / dt. Norbert Hammerschmidt & Roland Kaiser
2.  Polonaise Blancenese                  - Gottlieb Wendehals                                            (1981)
     K: Werner Böhm; T: Michael Jud
3.  Ja, Wenn wir alle Englein wären    - Fred Sonnenschein (alias Frank Zander)         (1981)
     K: Werner Thomas, Terry Rendall; T: René Marcard & Frank Zander
4.  Adios Amor                                    - Andy Borg                                                         (1982)
     K: Kurt Feltz; T: Tex Shultzieg     
5.  Ein bisschen Frieden                       - Nicole                                                                (1982)
     K: Ralph Siegel ; T: Bernd Meinunger
6.  Jenseits von Eden                            - Nino de Angelo                                                 (1983)
     K&T: Chris Evans & Drafi Deutscher; dt. T: Joachim Horn-Bernges
7.  An der Nordseeküste                       - Klaus und Klaus                                               (1985)
    K: irische Folklore ; T: Klaus Büchner