1.2. Spiegel der Zeit - Intern

Spiegel der Zeit – Intern

1. Wohlstandsgesellschaft             (Wegwerfgesellschaft, Politverdrossenheit, alternative Bewegung)
2. Ausländerfeindlichkeit             (Zuwanderer, Muslime, Türken, Neonazis)
3. Bildung, Wissen, Medien          (Rechtschreibreform, Wissensgläubigkeit, Paparazzi)
4. Gesellschaftliches Leben           (Partnerschaft, Homosexualität, Emanzipation, Kinder)

 

1. Wohlstandsgesellschaft

Mit der profitablen Wirtschaftsstrategie den Konsum des Bürgers anzuregen, erhöhte sich für den Mittelstand der Luxus. Der durchschnittliche Jahresverdienst stieg von 30.000 Mark (1980) auf 42.000 Mark (1990) an. Zusätzlich von der Werbung verführt, kaufte der Bürger nicht mehr Waren nach den notwendigen Bedarf, sondern orientierte sich zeitgemäß. Einrichtungsgegenstände, wie Möbel wurden nach modernen Gesichtspunkten erneuert und defekte Dinge wurden nicht mehr repariert, sondern durch Neukauf ersetzt. Besonders bei der Kleidungsmode wurde der verschwenderische Trend offensichtlich. Kleider oder Schuhe wurden mitunter nur einmal getragen und wandern dann im Müll oder Altkleidercontainer.
Die Wegwerfgesellschaft bildete sich in den alten Bundesländern deutlicher als im Osten heraus. In Ostdeutschland sah die finanzielle Situation anders aus und war demzufolge im Wegwerf-Trend zurückhaltender. Der An- und Verkauf Handel hatte hier noch einen hohen Stellenwert und auch das Reparieren von defekten Dingen war noch finanziell sinnvoll. Nur über einem bewussten Haushalten mit den finanziellen Möglichkeiten, konnten viele Familien im Osten nur am Wohlstand Deutschlands teilhaben. Wobei auch ihnen der allgemeine Preisverfall zugutekam.
Aufgrund einer rasanten technischen Entwicklung, gab es veraltete elektronische Geräte zu Dumpingpreisen. Computer wurden immer leistungsstärker und funktionaler. Mobilfunktelefone (Handy) wurden durch Nokia ab 1995 handlicher. TV-Geräte wurden zum Heimkino und Küchengeräte erleichterten erheblich das Backen oder Kochen. Den propagierten Luxus konnte sich aber nicht jeder leisten. Um am Wohlstand teilhaben zu können gingen Menschen finanzielle Risiken und gerieten in eine Schuldenspirale. Vor allem Jugendliche lebten über ihre Verhältnisse, um sich darzustellen und nicht als Loser zu gelten.
Das Streben nach Wohlstand bot Kriminellen eine breite Handlungspalette an. Neben Diebe und Gauner gab es auch legale Betrüger, die mit Knebelverträgen ihre Opfer in den Ruin trieben. Zwielichtige Vertreter lockten mit verführerischen Angeboten, die sich oft als Kostenfalle erwiesen und somit schnell ein Traum zum Albtraum wurde. 
Die wachsende Zahl der Verschuldungen wurde zum wirtschaftlichen Problem, worauf die Politik reagieren musste, da Schuldner letztendlich auch Kosten für den Staat verursachten. Der Versuch gegen dreiste Abzocker vorzugehen funktionierte nicht so richtig, zumal der Erfindungsreichtum der Betrüger immer wieder Gesetzeslücken fand, um Menschen legal in eine Vertragsfalle zu locken. Besonders die Ostbürger wurden zum begehrten Opfer, da sie sich zu wenig mit den kapitalistischen Vertrags-Methoden auskannten.
Laut einer Wohlstandstudie führte Deutschland in der Lebensqualität in Europa. Tatsächlich konnte eine Mehrheit der Bundesbürger den Wohlstand genießen, aber der Eindruck täuschte, zumal reiche Menschen jene Studie verfälschten. Neben den benachteiligten Ostdeutschen, gab es auch in den alten Bundesländern, eine steigende Zahl von Menschen, die am Rande der Wohlstandsgesellschaft standen. Besonders die Arbeitslosigkeit, die hohen Mieten, ein soziales Ungleichgewicht oder eine schlecht bezahlte Arbeit brachten zahlreiche Menschen existenzielle Nöte. Die Bevölkerung teilte sich daher in Wohlstandsschichten auf. 
Das steigende Ungleichgewicht im Wohlstand motivierte zu spontanen und organisierten  Protesten. Obwohl eine Reihe von Problemen politisch lösbar gewesen wären, zeigten sich die Politiker desinteressiert. Um jedoch den demokratischen Schein zu wahren, wurden einige Themen parlamentarisch erörtert. Im politischen Ränkespiel der Parteien wurden Bürgerthematiken zerrieben, bis am Ende keiner mehr wusste, worum es eigentlich ging. Wahlstrategisch wurden zwar einige Problematiken thematisiert und wurden mitunter als Gesetzvorlage eingereicht. Die Politiker konnten sich jedoch sicher sein, dass gegnerische Parteien dagegen votierten. Gesetze im Sinne der Bevölkerung kamen bestenfalls zustande, wenn sie einen wirtschaftspolitischen Nutzen hatten. Sicherheitshalber wurde um Wörter im Gesetzestext gefeilscht, damit weiterhin ein großer Ermessensspielraum übrig blieb. 
Anders sah es bei Gesetzen aus mit wirtschaftspolitischer Bedeutung. Die Ich-bezogenen Politiker, versuchten im Sinne ihrer Gönner (Unternehmer) oder für sich selbst, Gesetze oder Verordnungen durchzusetzen. Demzufolge wunderte sich auch kaum jemand über die Bestechungsskandale, die von den Medien aufgedeckt wurden. Allerdings sehr verärgert reagierte der Bundesbürger auf die beschlossene Diätenerhöhung (Gehalt). Trotz Wirtschaftskrise, nahmen sich die Parlamentarier das Recht heraus, ihre finanzielle Zuwendung (durch Steuergeldern) zu erhöhen. 
Die Bevölkerung verloren zunehmend das Vertrauen in die renommierten Parteien (CDU, FDP, SPD), da für sie die Politiker Egoisten waren und keine Probleme des Volkes lösen wollten. Jedoch noch waren die Grünen oder die PDS noch keine Alternative. Die Grünen wurden als Anarchisten und die PDS als Kommunisten gesehen. Die zwei Parteien legten aber bei den Bundestagswahlen stetig zu und in Ostdeutschland wurde die PDS zur Protestpartei (erhielten im Osten um die 20%, im Westen kaum 3%). 
Insgesamt nahm die Politverdrossenheit zu und eine steigende Zahl von Bürgern, fand es sinnlos wählen zu gehen oder sich politisch zu äußern. Zu schnell wurde man als Neonazi, Ausländerfeindlich oder Kommunist diffamiert, wenn man eine abweichende Meinung zur propagierten Auffassung hatte. Die Wahlbeteiligung sank durchschnittlich auf 80%. Heikel war es, dass die nationalistischen Republikaner (REP) zu einer Gefahr werden konnten. In den Medien wurde jedoch erfolgreich die Angst vor den neuen Nazi geschürt, sodass sie nur 2% bei den Wahlen erreichten. Hingegen hatten rechtsradikale Bewegungen und Meinungen einen aufstrebenden Zulauf. Aufgrund dessen wurde die hohe Zahl von Nichtwählern, als ein mögliches parlamentarisches Risiko empfunden. 
Hinzu kam eine Teenager-Generation, die wahlberechtigt wurde und sich oftmals extrem orientierte. Die Politverdrossenheit bei den Jugendlichen wirkte sich verunsichern aus. Es war alles möglich und im Trend war alles Neue, Besondere und das Ungewöhnliche. Aus Enttäuschung über die reguläre Politik, suchte sich viele Jugendliche eine ideelle Ersatz-heimat. Politisch lockten neonazistische Verbände mit ihren Bruderschaften und punkteten mit klare Vorstellungen von Idealen und Werten. Sie gaben den Haltlosen eine Richtlinie und redeten ihnen radikal Ansichten von Recht und Ordnung ein. Ihnen wurden Freundschaft und Kameradschaft vorgaukelt und mussten sich doch sklavisch der Gruppe fügen.
Nicht anders waren linksextremen Gruppierungen, die ebenso mit ihren ideologischen Werten lockten und riefen auf zum Kampf gegen den kapitalistischen Staat und suchten häufig den offenen Konflikt mit der Staatmacht (Polizei). Es waren auch häufig Linksextreme, die friedliche Demonstrationen zur Eskalation nutzten. Medienpräsent waren in den 90er Jahren die großen Gipfeltreffen der Wirtschaftsmächte (G7). Jene friedlichen Proteste gegen die negativen Erscheinungen der Globalisierung eskalierten. Krawalltouristen suchten den Konflikt mit der Polizei und zogen organisiert und vorbereitet, weltweit von Demonstration zu Demonstration. Zu Schaden kamen oft nur Polizisten und friedfertige Demonstranten. Das hatte den Effekt, dass die Zahl der Demonstrierenden abnahm, da keiner körperliche Schäden riskieren wollte, zumal die Krawallmacher in der Masse nicht auszumachen waren.
Nicht immer konnten Gewalttaten einem Linken und Rechten Spektrum zugeordnet werden, denn es waren auch Gewalttäter, die ihre kämpferischen Aggressionen ausleben wollten.  
Weitere gewalttätige Gruppierungen hatten fanatische Wurzeln, die sich als Gemeinschaft verstanden, mit verschworenen Regeln. Dazu gehören Fußballfangruppen (inklusive Hooligans), Heavy Metal-Fans (Rocker-Klubs) oder Motorradgangs (z.B.: Hells Angels). Nicht minder extrem waren einige religiöse Gruppierungen, deren Exzesse gesellschaftlich verwerflich (Sexorgien) oder kriminell (Opferzeremonie) waren. Dazu zählen christliche oder satanische Geheimbunde, die in der Regel verboten waren, zumal ihre Lehren verfassungswidrig waren oder die Anhänger mit Rauschgift gefügig gemacht hatten. Ebenfalls im religiösen Trend befand sich der islamistische Fundamentalismus.
Es war 
insgesamt erstaunlich, wie viele Jugendliche die Nähe zu radikalen Gemeinschaften suchten und sich aus Überzeugung einem Ideal scheinbar willenlos unterordneten.
Letztendlich war es eine Minderheit von Jugendlichen, die im Extremen ihren Halt fanden, aber es waren genug von ihnen, die das allgemeine Leben damit aggressiver machten. Die meisten Jugendlichen lebten jedoch die Spaßgesellschaft aus. Die Mädchen himmelten die Boygroups an, wollten Supermodell oder Gesangsstar werden. Und die Jungen strebten Macht und Reichtum an, wollten sich Darstellen und Besonders sein, egal ob sportlich, künstlerisch oder beruflich.
Als Gegenbewegung müssen noch die alternativen Bewegungen erwähnt werden. In ihrer vielschichtigen Art (Atomgegnern, Tierschützer, Umweltschützer u.s.w.), haben sie alle eine Gemeinsamkeit, sie kritisierten scharf die Wegwerfgesellschaft und propagierten neue alternative Wege. Besonders Frauen organisierten sich zu alternative Bewegungen, da auch sie zu den Verlierern der Wohlstandsgesellschaft zählten. Es gab nur eine Minderheit von Frauen, die sich dominant in Szene setzten. Es gab zahlreiche Frauen, die über ihre sexuelle Ausstrahlung unterwürfig bewundert wurden, aber letztendlich einem Trugbild zum Opfer fielen. Die Mehrheit der Frauen war weiter von ihrer Emanzipation entfernt als je zuvor.
Das beklagten vor allem die Frauen in Ostdeutschland, deren Gleichberechtigung in der DDR selbstverständlich war. Ein Netz von Kindergärten ermöglichte die Berufstätigkeit der Frau im Osten und sie erhielt den gleichen Lohn für ihre Arbeit, wie die Männer (in der BRD verdiente die Frau durchschnittlich monatlich 500 Mark weniger). Auch gesellschaftlich und sozial gab es einige Benachteiligungen. Wen auch die Medien ein Bild von selbstbewussten Frauen vermittelten, so wurden sie in Wahrheit wieder zur Hausfrau (Kinder, Küche, Kirche) degradiert. Und eigentlich wurde die Frau medial auf ihre Sexualität reduziert.
Das führte zum Frust und verstärkte die Frauenrechtsbewegung, worauf die Öffentlichkeit durch die Medien mit Unverständnis reagiert und daraufhin extreme förderte. Ebenso als überdrehte Spinner wurden die Umweltschützer gesehen. Es waren Umweltaktivisten, die mit fragwürdigen Aktionen auf Umweltschäden und deren Auswirkungen aufmerksam machten. Letztendlich thematisierten sie den Umweltschutz und renommierte Professoren belegten mit Fakten die Notwendigkeit. Da es auch ein wirtschaftspolitisches Interesse gab, zeigte sich die Bundesregierung umweltbewusst. Eine effektivere Mülltrennung und ein Verbot des Treibgases FCKW wurden durchgesetzt. Ebenso wurden Maßnahmen zum Schutz von Gewässern und der Luft beschlossen. Filter- bzw. Kläranlagen wurden zur Pflicht für die Industrie. Für die Umweltschützer gingen jedoch die Maßnahmen nicht weit genug und es gab zu viele Bereiche in der Natur, deren Schutz vernachlässigt wurde.
Es entstand der Eindruck, dass die Bundesregierung nur jene Umweltschutzmaßnahmen förderte, die gewünschten wirtschaftlichen Nutzeffekt hatten. Zudem wurde nicht auf den zunehmenden Verpackungsmüll reagiert, obwohl bekannt war, dass Plastik nicht verrottete und schwer zu recyceln war. Die Mehrheit der Bevölkerung fand es auf Volksfesten sehr vorteilhaft, sein Bier aus einen Plastebecher zu trinken und die Bratwurst von einem Pappteller zu essen und dann beides  in den Müll zu entsorgen. Umweltbewusstsein wurde zu einer eine Frage der Bequemlichkeit und sollte keine zusätzliche Last sein. Mit einer solchen Denkweise, wurden negative Effekte der Wohlstandsgesellschaft über den Umweltschutz gestellt. Letztendlich war es zu wenige, die ökologisch bedacht handelten und progressiv, alternative Denkweisen in ihr Leben übernahmen. Im Prinzip wurden gesellschaftlich drei große Gruppen am Rande der Wohlstandsgesellschaft gedrückt. Es waren die benachteiligten Ostdeutschen, die alternativ Lebenden und die Asylanten. Letztere strömten Anfang der 90er Jahre in die Bundesrepublik und waren überwiegend Russen (Wolgadeutsche), Vietnamesen (waren Gastarbeiter in der DDR), Türken (seit den 70er) und Osteuropäer (besonders Polen). 

2. Ausländerfeindlichkeit

Bedingt durch die Krisenherde in der Welt und dem Wohlstand in Deutschland, drangen zahlreich Asylanten ins Land und gefährdeten zusätzlich das soziale Netz. Besonders im Osten verursachte das Ansiedeln von Ausländern wütende Reaktionen.  Dort wo die soziale Unsicherheit existenzielle Ängste schuf, kamen nun Ausländer und verschärften die Situation. Kritik an der Ausländerpolitik der Bundesregierung stieß auf taube Ohren oder Unverständnis. Westdeutsche Neonazis ergriffen dafür die Initiative und tobten sich im Osten aus. In Rostock Lichtenhagen entzündeten sich 1992 die massivsten Übergriffe auf ein Ausländerwohnheim. Tausende verärgerte Bürger lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei und unterstützten die Aktion der Neonazis. Sie demonstrierten damit ihren Zorn über die Bundespolitik, die die Sorgen und Nöte der Bürgen ignorierten und wollten ein Zeichen setzen. Das dabei Menschen in Lebensgefahr waren, war ihnen nicht bewusst (hielten das Asylantenheim für noch nicht bewohnt).
Im Nachhinein bedauerten die Aufgebrachten von Rostock den Vorfall, weil vorrangig Vietnamesen betroffen waren und mit ihnen gab es zu DDR-Zeiten keine Probleme. Ihr Protest richtete sich besonders gegen die Sinti und Roma, die sich an keine Gesetze hielten. Auf entsprechende Beschwerden, Klagen und Proteste der Bevölkerung zuvor, reagierten die Politiker nicht und hatten letztendlich die Übergriffe zu verantworten, die es ansonsten nicht gegeben hätte.
Ähnliche Übergriffe brachten den Ostdeutschen den Ruf ein ausländerfeindlich zu sein, dabei gab es auch in der DDR Ausländer. Allerdings gab es auch damals keine Konflikte, die ursächlich soziale Gründe gehabt hätten. Mit der Wiedervereinigung hatte sich das deutlich geändert, zumal die Politik jene Situation erzeugte. In den Medien wurde dann, auffälliger Weise, nur die Übergriffen auf Ausländer im Osten thematisiert. Übergriffe im Westen Deutschlands wurden mehr als Randnotiz erwähnten.
Es kam keine sachliche Diskussion über die Ursachen zustande, zumal jede Kritik an den Asylbewerbern sofort als Ausländerfeindlich oder Neofaschistisch angesehen wurde. Wer eine Kritik wagte, musste dahingehend sogar mit Beschimpfungen rechnen. Auf Initiative der Grünen beschloss die Rot-Grüne Regierung, den Migranten mehr Schutz zu geben und sie besser in die Gesellschaft einzugliedern. Für die Unternehmen bedeutete das billige Arbeitskräfte und für die Wirtschaftspolitik wurde damit das Abwandern der Firmen ins Ausland gestoppt, um dort billiger ihre Waren zu produzieren.
Durch die propagierte Sicht über Ausländer, wagte kaum noch ein Bürger kritische Worte gegenüber Asylanten, um nicht als Neonazi zu gelten. Aber genau jene rechtsradikalen Parteien (DVU, Republikaner) erhielten enormen Zuwachs. Bei den Wahlen hatten viele Bundesbürger noch Hemmungen sie zu wählen und ließen sich von den Medien beeindrucken. Die Medien malten gern das Schreckensszenario einer neuen Nazi-Diktatur an die Wand. Besorgniserregend war jedoch der starke Anstieg von Nichtwählern, die resignierend nicht mehr wussten, was sie wählen sollten. Doch die Nichtwähler wurden zu einer ernsthaften Gefahr, die einen Wahlsieg einer populistischen Partei möglich machen würde.
Speziell Jugendliche reagierten sehr emotionell auf empfundene Ungerechtigkeiten. In ihren Augen erhielten Asylanten eine besser soziale Versorgung, wurden bei der Arbeitssuche bevorteilt und bestimmte Straftaten wurden mit ihrem Kulturkreis entschuldigt. Trotz mancher Übergriffe, war die jugendliche Mehrheit nicht ausländerfeindlich, sondern ihre Aktionen waren eher ein Aufschrei nach Gerechtigkeit und entluden sich immer beim direkten Gegenüber. Die Einen suchten den Konflikt mit der Staatsmacht und lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei und Andere ergriffen Selbstjustiz und wollten störende Ausländer verjagen. Bei einer genauen Analyse fällt auf, dass sich solche Aktionen selten bis gar nicht gegen Westeuropäer (Briten, Spanier, Franzosen) richteten. Wohl aber gegen jene, die mit ihrem Kulturverständnis gegen die Grundordnung (Grundgesetz) verstießen und das waren vorrangig Sinti und Roma, sowie Muslime.
Bereits in den 70er Jahren wanderten besonders stark türkische Bürger ein, die manche Stadtvierteln von Großstädten mehrheitlich bewohnten. Infolge ihrer Konzentration pflegten sie ihre kulturellen Wurzeln und passten sich kaum noch der deutschen Kultur an. Das führte zu Konflikten mit den deutschen Gesetzen und der ihre muslimischen Lebensart. Mit dem islamischen Fundamentalismus, ab den 80er Jahren, stiegen die Spannungen an. Auch entzweiten Fundamentalisten die türkischen Muslimen, da sie nun gezwungen wurden die islamischen Glaubensgrundsätzen ins Zentrum ihres Lebens zu stellen. Kernpunkte waren die Scharia (gesellschaftliche Gesetze und Normen) und der heilige Dschihad (religiöse Norm umsetzen). Mehrere Gesetze der Scharia, standen dabei im strafbaren Wiederspruch zum deutschem Grundgesetz, insbesondere die frauenfeindlichen Maßregeln. Der Dschihad wurde von den Islamisten als Kampf gegen die Ungläubigen interpretiert. Indirekt riefen die Imame (Prediger) die Muslime dazu auf, die Ungläubigen zu missionieren oder zu bekämpfen. Als Verbündeter der USA, wurden die deutschen Christen als Handlager des Satans gesehen. 
Straftaten von Jugendlichen gegenüber Deutschen wurden mitunter als Heldentat angesehen. Sie organisierten sich zu Jugendbanden und machten nun nachts die Straßen unsicher. Sie grölten offen fundamentalistische Parolen und beleidigten deutsche Bürger. Auch liberale Türken standen im Fokus und wurden von Fanatikern angegriffen. Sie wurden gezwungen ihre Lebensweise den Glaubensregeln anzupassen und wurden genötigt Aufträge im Sinne Gottes zu erfüllen (Vorstufe zum Rekrutieren von Schläfer=Auftragsattentäter). 
Mit dem verstärkten Drang die religiösen Werte umzusetzen, brachten sich die Muslime an den Rand der Gesellschaft, da sie sich weigerten sich zu integrieren. Infolge dessen stand die deutsche Gesellschaft ihnen skeptisch gegenüber. Das wiederum werteten besonders türkische Jugendliche als diskriminierend und fühlten sich gesellschaftlich nicht akzeptiert. In der Summe stiegen die Spannungen zwischen Deutsche und Türken. Jene Konflikte eskalierten und das Bild vom gewaltbereiten Türken machte die Runde. 
Die Medien erweckten den Eindruck, von einer gewalttätigen Stadtjugend, die jede Nacht zum Risiko für friedliebende Bürger machte. Sie betonten dass es vor allem deutsche Nazis oder Türken waren, die durch Gewalt-Exzesse auffielen. Tatsächlich hatte sich die Bilanz in der Jugendkriminalität von 1990 bis 2000 fast verdoppelt gehabt und türkische Straftaten gab es am häufigsten. Statistisch gab es in den 90er Jahren im Durchschnitt dreimal mehr Straftaten von türkischen, als von deutschen Jugendlichen. Dennoch verlief der Anstieg in etwa parallel und hatte gesellschaftliche Ursachen. Das negative Image von Türken, wird zudem vom Auftreten mancher Türken geprägt, die oftmals nur ein selbstdarstellerisches Gehabe sind und in der Regel als Fassade dienen, männlich zu wirken.

Statistisches: 1992 gab es 438.000 Zuwanderer, wovon 300.000 aus Europa stammten, mehrheitlich aus Russland und Osteuropa (Polen, Rumänien); aus dem asiatischen Bereich sind es vor allem Vietnamesen und Türken //
1993 sank die Zuwanderung auf 322.000 und sank in den Jahren danach auf zirka 100.000, wobei sich der Anteil von Muslimen deutlich erhöhte.
Den niedrigsten Stand an Zuwanderern gab 2007 mit 19.000, stieg aber ab 2013 (109.000) wieder an und erreichte 2015 schon 440.000 und 2016 sogar 722.000.
Danach sank 2017 die Zahl wieder auf 198.000.

3. Bildung, Wissen, Medien

1996 wurde die Rechtschreibreform durchgesetzt und sollte die deutsche Sprache vereinfachen, sowie die Grammatik und Rechtschreibung sinnvoller machen. Abgesehen davon, dass alle Bücher neu geschrieben werden mussten, gab es reichlich Kritik an der Reform. Die Rechtschreibreform war keine Erleichterung, sondern verwirrte nur, da bestimmte Regeln nicht logisch nachvollziehbar waren. In der Öffentlichkeit regte sich eine starke Ablehnung und Zeitungsverlage verweigerten sich demonstrativ der Reform, und behielten die alte Rechtschreibung bei. Das größte Chaos verursachte die Reform an Schulen, wo Lehrer und Schüler verunsichert über die gültige Schreibweise waren und korrigierte Diktate zum Streitfall wurden. Zudem zogen einige Regeln der Reform anhaltende Proteste nach sich. Aufgrund dessen wurde die Reform 2004 und 2006 überarbeitet. Der Duden, das Hauptnachschlagewerk für die deutsche Sprache musste daher mehrmals überarbeitet werden. Millionen von älteren Versionen, des gedruckten Lexika, wurden ungültig und mussten ersetzt werden. Das führte dazu, dass die unterschiedlichen Duden-Versionen nicht konsequent ersetzt wurden. Weiterhin wurde im öffentlichen Leben nicht die aktuelle Version benutzt, wodurch in der Rechtschreibung und Grammatik ein gewisses Chaos verursacht wurde.
Da die Rechtschreibreform mit den anderen deutschsprachigen Länder erarbeitet wurde, wirkte sich eine Reform der Reform verheerend aus, sodass in Österreich, der Schweiz und in Luxemburg ein unterschiedliches Deutsch galt. Inzwischen hat sich die Reform-Version von 2006 in allen deutschsprachigen Ländern durchgesetzt.
Neben der Rechtschreibreform, verstärkten unterschiedliche Lehrpläne und – Materialien ein Bildungschaos. Es wurde ein ungleicher Wissensstand erzeugten, der ein Schulwechsel zum Problem machte und komplett neue Schulbücher erforderlich waren. Abiturklassen mussten daher ihre Schüler erste auf einen gemeinsamen Wissensstand bringen, wodurch eine 13 Klasse notwendig war (in der DDR 12 Klassen und einheitliches Schulsystem).
Das Wissensniveau nahm ab und die internationale PISA-Wissensstudie belegte große Bildungsdefizite. Statt sich an das erfolgreichere skandinavische Bildungssystem zu orientieren, wurden mit neuen fragwürdigen Schulmodellen erfolglos experimentiert. Was sich jedoch durchsetzte, war die neue Benotung. In den ersten drei Grundschulklassen gab es keine Zensuren mehr und für die oberen Klassen (ab 8. Klasse) wurde ein Punktsystem favorisiert und die Schüler in Leistungskurse eingeteilt. Der pädagogische Ansatz bleibt bis heute fraglich, ob dadurch wirklich eine freie effektive Bildung vermittelt wird.
Zumindest verloren Abschlusszeugnisse ihren repräsentativen Wert. Zensuren hatten keine Aussagekraft mehr, da der Wissenstand unklar war. Im Gegensatz dazu, wurde bei Privat-Schulen, der gelehrte Wissensstand konkret beschrieben, sodass Noten bewertbarer waren. Da Privatschulen insgesamt einen höheren Bildungsstand anstrebten, wurden diese Schüler  bei Bewerbungen bevorzugt. Da die Kosten für Privatschulen sanken, schickten auch immer mehr Eltern ihre Kinder auf jene Bildungsstätten, damit sie später bessere Chancen auf einen Ausbildungsplatz hatten. Für den Normal-Bürger war das oft nicht finanzierbar. Außerdem führten die Ausbildungsbetriebe ohnehin den Einstellungstests ein, um den tat-sächlichen Wissensstand des Bewerbers zu erfahren. Zugleich konnte man mit zusätzlichen psychologischen Fragepunkten, die Eignung und die Firmentreue des Bewerbers erschließen.
Passend zu den Grundproblemen der Bildung, war geriet auch das allgemeine Wissen aus seine Fugen. Maßgeblich verantwortlich waren dafür die privaten Medien und das Internet. Sie begannen Wissen und Grundsätzliches zu Hinterfragen und zweifelten Fakten an. Das führte zu einer Meinungsvielfalt, die die Menschen verunsicherte und die bisherige Wissenschaftsgläubigkeit in Frage stellte.
Konkret bezweifelten Verschwörungstheoretiker die Mondlandung (1969) und unterstellten der NASA, dass sie der Welt eine Studioproduktion vorspielten. Wissenschaftliche Thesen gerieten ins Kreuzfeuer durch kontroverser Ansichten. Der Schweizer Erich von Däniken hinterfragte spektakulär wissenschaftliche Thesen. Seit den 70er Jahren brachte er, mit der Theorie über außerirdisches Leben, bislang gültige Lehrmeinungen ins Wanken. Versuche ihn mundtot zu machen scheiterten und seine Thesen, über den Einfluss von Außerirdischen Wesen auf der Erde und machte ihn in den 80er Jahren populär. In den 90er Jahre stützten einige Forscher und Hobbywissenschaftler seine Theorie und in der
Auseinandersetzung, 
um die umstrittenen Fakten, konnte sich bis heute keine klare Meinung durchsetzen.
Es gab eine Fülle von weiteren kontroversen Erkenntnissen, die das renommierte Wissen in Frage stellten. Je mehr die Wissenschaftler versuchten dogmatisch an ihre gelehrten Theorien festzuhalten, desto unglaubwürdiger wurden sie. Das wiederum erhöhte die Gefahr, dass nun irgendwelche Behauptungen sich einen wissenschaftlichen Anschein gaben und ohne in geringster Weise fundamentiert zu sein, eine absurde Theorie in die Welt setzten. So wurde nun auch der Judenmord im Hitler-Deutschland geleugnet. Beweise wurden nun angezweifelt und Fakten als inszenierte Lügen bezeichnet. Auf der Grundlage der Meinungsfreiheit durften Holocaust (= das große Unglück)-Leugner öffentlich Vorträge halten und Bücher veröffentlichen. Obwohl in der BRD eine Volksverhetzung strafbar ist, musste juristisch zwischen antisemitischen Hass und begründeten Sichtweise unterschieden werden. Im Sinne der Neonazis konnten sogenannte Akademiker ihre Zweifel veröffentlichen. Für die aufgebrachten Bürger war es unverständlich, wie es sein konnte, dass solche Subjekte historische Tatsachen verharmlosen oder verfälschen durften.  
Unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit, war eben vieles möglich. Gab es bisher noch Grenzen in den Ansichten und der Moral, so hatte sich das mit den privaten Medien radikal geändert. Für Zeitungen und Zeitschriften ging es um einen profitablen Umsatz und das private Radio und Fernsehen finanzierte sich über die Einschaltquoten (höherer Einnahmen – pro Werbeeinheit). Lediglich der Besitzer oder der Vorstand solcher Medien legten die Grenzen für sich fest. Die sogenannten freien und unabhängigen Medien, waren daher auch immer gebunden, entweder politisch oder wirtschaftlich (Unternehmen). Grundsätzlich waren die privaten Medien auf der Jagd nach sensationellen oder provokativen Fakten.
Sie deckten politische Skandale auf und machten sich stark für die Bevölkerung, wenn es beispielsweise um Behördenwillkür ging. Nichts wurde ausgelassen.
Die Regenbogenpresse, das Spaßradio und das Actionfernsehen stillten die Neugier des Bürgers und den Bedarf an Unterhaltung. Die Menschen ergötzten sich daran, wenn Prominente vorgeführt wurden oder ein Skandal in der Nachbarschaft aufgedeckt wurde. Mit Halbwahrheiten und sogar Lügen rangen die Medien um die Bevölkerungsgunst, die ihnen hohe Profite bescherten. Meldungen über Mord und Todschlag, Skandalöses oder den Gerüchte über Prominente, Meldungen über sensationelle Kuriositäten oder spektakuläre Aktivitäten standen im Mittelpunkt der Berichterstattung. Der Journalismus durchbrach die Grenzen einer verantwortlichen Berichterstattung und rechtfertigte das mit der Meinungs- und Pressefreiheit. Der §1 des Grundgesetzes, über die Menschenwürde, wurde damit mehr-fach missachtet. Hemmungslos machten sie sich über Missgeschicke lustig oder erniedrigten ihre Opfer. In Talkshows ergötzte sich das Publikum am Seelenstriptease einer Zielperson. Journalisten eilten zu Unfallorten und filmten skrupellos die Notleidenden. Ein Reporterteam begleitete sogar zwei flüchtige Bankräuber durch Deutschland. Sie sprachen mit den Räubern und der Geisel im Wagen, über ein Mikrophon-Gestänge. Die Journalisten behinderten damit  die Polizei, wodurch letztendlich eine überstürzte Befreiungsaktion mit dem Tod der Geisel endete. Die nachfolgende harsche Kritik der Journalisten an die Befreiungsaktion der Polizei entwickelte sich zu einem Bumerang. Mehrheitlich machte die Bevölkerung die Reporter für den Tod der Geisel verantwortlich. Ein neues Wort machte die Runde. Paparazzi!
Es meinte respektlose Reporter, die jegliche Grenzen des Anstandes durchbrachen.
Paparazzi waren meistens freie Journalisten, die davon lebten ihre Sensationen meistbietend einem Medium zu verkaufen. In ihrer Geldgier inszenierten einige von ihnen sogar Skandale oder verfälschten mit ihren technischen Möglichkeiten die Wahrheit. Besonders lukrativ war es, wenn sie skandalöses, aus dem Privatleben von Prominenten herausfanden. Psychologisch bedingt war eine große Mehrheit der Bevölkerung daran interessiert, da immer Schadenfreude damit verbunden war und zudem das eigene Leben aufwertete („uns geht’s doch gut, im Gegensatz zu denen“).
Ein kritisches Umdenken vollzog sich mit dem tragischen Tod von Lady Diana (GBR), der von Paparazzi verursacht wurde. Auf der Flucht vor den Sensationsreportern verunglückte der  Wagen von Diana. Eine Welle der Empörung schlug den Paparazzi entgegen und zahlreiche Übergriffe auf Reporter waren die Folge. Für die beliebte britische Prinzessin Diana folgte eine denkwürdige Trauerfeier, mit einer gigantischen Anteilnahme. Aufgrund der starken Kritik an den Sensationsjournalismus, gab es ein Umdenken in der Medienlandschaft, die für sich Grenzen festlegten. Doch Reporter durchbrachen schnell wieder Anstandsbarrieren, da die Bevölkerung mit Meldungen überflutet wurde und somit den Leser oder Zuschauer immer das Besondere geboten werden musste.
In Großbritannien wurde das Klon-Schaf Dolly geboren. Daraufhin wurde die Gentechnik von den Medien und das Internet thematisiert. Sie verbreiteten düstere Visionen und malten das Bild von einem künstlich erzeugten Menschen. Das genmanipulierte Nahrungsmittel die Ernährungsprobleme der Welt lösen könnten, spielte kaum noch eine Rolle. In der Meinung der Bevölkerung verbreitete sich eine tiefe Ablehnung. Warnungen von Forschern wurden  meisten missverstanden, die lediglich eine Überwachung anmahnten, aber die Gentechnik nicht ablehnten. Politisch wurde die Gentechnik jedoch als Gefahr interpretiert und somit verboten (vermutlich auf Druck der Wirtschaft).
Irgendwie wurde auch die Rinderseuche BSE (Bovine spongiforme Enzephalopathie), in Zusammenhang mit der Gentechnik gebracht. Die Rinder starben aber an einer Erkrankung des Gehirns. Aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr wurden alle erkrankten und verdächtigen Tiere getötet. Über England breitete sich die Seuche über ganz Europa aus und über 40.000 Rinder starben bzw. wurden getötet. Da es auch eine Gefahr für den Menschen gab, wurde das Fleisch vielerorts vom Markt genommen. Die Erreger konnten die tödliche Gehirnkrankheit Creutzfeldt-Jakob-Krankheit verursachen.
Die Rinderseuche brachte viele Bauern um ihre Existenz. Nach einem kurzen Schockzustand der Bürger, wurde aber wieder Rindfleisch verzehrt, zumal sich die Ansteckungsgefahr für den Menschen als sehr gering herausstellte. Bedingst durch widersprüchliche Meldungen bekamen einige Themen eine Eigendynamik, die mitunter in absurde Interpretationen mündeten. Mit der Überflutung von Informationen neigte die Mehrheit der Bevölkerung dazu, sich an Schlagzeilen und kurzen knappen Sätzen zu orientieren. Die Bild-Zeitung verstand es reißerisch kurze Informationen zu vermitteln.
Als Bildleserniveau bezeichnet, ließen sich die Bürger eine Meinung suggerieren, die auf Objektivität verzichtete, zumal eine sachliche Betrachtung nur in einem Wirrwarr mündete. Die Wahrheit war zur Interpretationssache geworden, deshalb suchte sich der Bürger einen klaren Standpunkt. Neben der Bild-Zeitung wurden die privaten Medien zur bevorzugten Informationsquelle, deren Meinungen und Informationen als Wahrheit gesehen wurde. Jene Medien hatten auch einen großen Anteil an den gesellschaftlichen Veränderungen. 
Sie prägten entscheidend einerseits den modernen Zeitgeist mit und waren andererseits für den Sittenverfall verantwortlich. Die bisherigen Werte von Sitte und Moral waren veraltet, aber die neuen Erscheinungen waren zu sehr auf die Sexualität ausgerichtet. Im Sinne eines profitablen Geschäftes wurde das Partnerschafts-Verständnis markorientiert gesteuert und verursachte maßgeblich Beziehungsprobleme.

4. Gesellschaftliches Leben

Typisch für die 90er Jahre wurde eine oberflächliche Beziehungsebene. Schneller als bisher bildeten sich Pärchen, aber genauso schnell trennten sie sich wieder. Im Sinne der modernen Zeit wurde die Sexualität überbewertet, zumal man sich scheute seine Gefühle zu zeigen, aus Angst verspottet oder zu tiefst gekränkt zu werden. Somit war Sexualität auch nicht mehr an eine Partnerschaft gebunden, sondern Spaß und Neugier trieben zur erotischen Freizügigkeit.
Die privaten TV-Medien heizten den Sexualtrieb mit diversen Softsexkomödie an. In den Videotheken gab es ein großes Angebot an Pornofilmen und im Internet gab es allerhand Fotos. Auf den Zeitschriften lockten leichtbekleidete Mädchen zum Kauf und auch die TV- Werbung gab sich erotisch. Zahlreiche Bordelle entstanden und Peepshows lagen im Trend.
Die Angst vor AIDS, wie noch in den 80er Jahren, wurde ignoriert und somit standen wieder viele Frauen auf dem Straßenstrich und boten ihre Sexdienste an. Die Fülle an Angeboten, entfachte eine hohe Gier nach Sex und konnte mitunter eine krankhaft Sexsucht erzeugen. Der Sexualtrieb wurde auch gern in den Medien ausgeschlachtet und konnte sehr schnelle in einen gesellschaftlichen Skandal münden. In den Medien (Zeitungen, Fernsehen) gab es genügend Beispiele, wo auf den Gefühlen von Menschen herumgetrampelt wurde und einem seelischen Sterben gleich kam.
Ein prominentes Beispiel war die Lewinsky Affäre, die in den USA zum politischen Skandal wurde. Die Praktikantin Monika Lewinsky hatte behauptet, den US-Präsidenten Bill Clinton oral befriedigt zu haben. Sie hoffte sich als Opfer darstellen zu können und über die Affäre reich zu werden. Aber die Medien klagten und verspotteten auch sie an, zudem gab es keine sachliche Berichterstattung. In extremster Weise wurde „schmutzige Wäsche“ gewaschen. Die Art und Weise, wie wochenlang ein entwürdigender Spott über beide ausgeladen wurde, zeigte, wie respektlos und verletzend die Medien und Spaßmacher entwürdigend ihre Opfer verhöhnten. Man machte sich über jeden Fehltritt oder Dummheit lustig in beleidigender Form und besonders schlimm war es, wenn Gefühle bloßgestellt wurden.
Die Angst Gefühle zu zeigen, um nicht angreifbar zu sein, verursachte ein Image-Schutz-Schild. Die Seele wurde hinter einem konstruierten Erscheinungsbild versteckt und war auf eine gesellschaftliche Anerkennung ausgerichtet. Das Leben wurde zur vorgespielten Fassade und je mehr Schein und Sein im Widerspruch standen, desto mehr rollten nachts die Tränen, die das Leben beklagten, weil die Seele verkümmerte. 
Das reale Leben hatte seine Tücken und brachten so manches Schutzschild ins Wanken. Karrierefrauen verloren ihr Selbstbewusstsein oder wurden zu einer militanten Emanze. Weiche Männer hatten Probleme mit emanzipierten Frauen, ließen sich versklaven oder orientierten sich um, zur Homosexualität. Ein Leben, hinter einer Fassade, konnte zum Auslöser verschiedener Auswirkungen werden. In extremer Form, konnte die einen brutal und kriminell werden und die anderen psychisch krank, bis hin zum Selbstmord.
Im Wandel der Zeit hatte sich die Homosexualität zur Normalität entwickelt und machte viele Frauen und Männer Mut, sich zur Gleichgeschlechtlichkeit zu bekennen. Zudem wurde die Homosexualität durch Beziehungskrisen bei hetero sexuellen Paaren gefördert. Zu sehr wurden urzeitlich bedingte Wesensunterschiede überbewertet und definierten Gegensätze zwischen Mann und Frau. Jene oberflächliche Betrachtung wurde auch zum Argument der Gleichgeschlechtlichkeit, die auf dieser Grundlage weniger Widersprüche in sich barg.
Mit der gesellschaftlichen Anerkennung, verlangten homosexuellen Paare, sich heiraten zu dürfen und auch Kinder zu haben. Das allerdings verursachte scharfe Diskussionen und vor allem die Kirchen, betonten die Ehe als religiös gebundenes Sakrament. Dem Kinderwunsch widersprachen Psychologen, die unabsehbare Folgen in der Erziehung befürchteten. Andererseits waren hetero sexuelle Paare inzwischen enorm instabil. Die Scheidungszahlen stiegen an und immer mehr Kinder wuchsen ohne Vater auf. Viele Paare scheuten die Ehe, um ein Trennungsjahr oder Scheidungskosten zu vermeiden. Eine Ehe wurde nur in Betracht gezogen, wegen der Geburt eines Kindes, aber auch das war bald kein Grund mehr. Zunehmend wurden Männer zur zahlenden Quelle (Alimente) degradiert, die dann noch nicht einmal ihre Kinder sehen durften. Oft kam es zu heftigen Auseinandersetzungen.
Letztendlich war eine Frau mit Kind gesellschaftlich benachteiligt und konnte eigentlich nur mit Hilfe der eigenen Eltern oder einem neuen Mann finanziell bestehen. Staatlich sozial, war eine alleinstehende Frau mit Kind unzureichend abgesichert.
Im Gegensatz dazu, war für reguläre Familien, die hohen finanziellen und organisatorischen Herausforderungen besser zu stemmen, da in der Regel der Vater genügend Geld verdiente. Der Vater war der Garant für den Lebensstandard und somit auch für den Luxus der Kinder. Mit den steigenden Löhnen wurden nun auch die Kinder verstärkt zur Markquelle. Die Medien weckten Werberelevant den Trend für Kinder und Jugendliche, die den Eltern das Geld aus der Tasche lockte, für Spielzeug, Fanartikel, CDs oder Kinobesuche. Freizeitparks und Urlaubsangebote für Familien wurden zur finanziellen Pflicht, um sich im Umfeld als perfekter Familienvater ehren lassen zu können. 
Bedingt durch die Schule, wurden Eltern zusätzlich unter Druck gesetzt. Im Austausch der Schüler untereinander, prahlten sie mit ihrem Status und entfachten Neid und Missgunst. Angesteckt davon, wollte die kleine Lili eben auch jene Barby-Puppe haben, so wie die doofe Kerstin oder ihren Kindergeburtstag bei McDonalds feiern.
Im jugendlichen Alter wurden Modemarken zum Thema und immer sollten die Eltern zahlen. Taten sie es nicht, waren sie sofort die Bösen und es entwickelten sich extreme Konflikte. Damit verbunden, mussten manchmal Züchtigungsmaßnahmen ein klares Nein bekräftigen. In den 90er Jahren war es verpönt, sein Kind körperlich zu züchtigen (schlagen), auch eine Ohrfeige im Affekt oder eine Stubenarrest wurden nun mehr als Straftat gewertet.
Propagiert wurde eine antiautoritäre Erziehung, die argumentierend eine klare Meinung festlegte. In der Praxis jedoch, waren damit endlose Diskussionen verbunden, die oftmals nicht den Konflikt lösten. Nicht selten eskalierten die Auseinandersetzungen, sodass nun erst recht Affekthandlungen beiderseits die Folge waren und mitunter in einen unkontrollierten Wutausbruch mündeten. Zudem entwickelten Kinder ein Gespür dafür, um die Eltern gegeneinander auszuspielen oder über Umwege doch ihr Ziel zu erreichen.
Der eigentliche Knackpunkt lag auch hier in der oberflächlichen Distanz. Die Eltern spielten kaum noch mit ihren Kindern und im zunehmenden Alter sowieso nicht. Das lag zum Teil daran, dass die Kinder mit ihren Freunden in ihrer Spielwelt eintauchten, die für Eltern oft nicht nachvollziehbar war und nicht mehr gebraucht wurden. Somit konnten die Eltern andererseits ihren Interessen nachgehen und brauchten ihren Kindern nur noch ihre Wünsche erfüllen. Der Abstand zwischen Eltern und Kinder vergrößerte sich, dass bei vielen Kindern nachträglich als Desinteresse gewertet wurde. Viele junge Menschen wurden später gefragt, warum sie ihre Eltern nicht mochten, sie hatten doch alles? Und sie rangen nach Worte, um ein Gefühl zu beschreiben, was sie nicht kannten, was aber irgendwie da war.
Immer häufiger wurden Psychologen gebraucht, die erfrorene Gefühle wieder auftauen sollten. Dabei waren nicht nur die Eltern ein Resultat der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Es wurden nicht nur die Gefühle angekettet, sondern andauernd wurde den Menschen erklärt, wie sie zu sein hätten. Sogenannte Experten gab es viele, Pädagogen, Psychologen, Mediziner, Wissenschaftler, Historiker und Politiker. Sie meinte alle das ultimative Wissen zu haben und erhoben ihre Erkenntnisse zum Grundsatz.
Doch zu jedem Standpunkt gab es mindesten eine Gegenmeinung. Tatsächlich wurden einige Erkenntnisse zu Gesetzen. So wurden Regeln für eine antiautoritäre Erziehung festgelegt, wodurch jede Art von Züchtigung als Straftat bewertet werden konnte. Für kinderlose Ehepaare wurde die Möglichkeit eines Retortenbabys (künstliche Befruchtung) geschaffen. Dagegen war die Leihmutterschaft verboten und moralisch verwerflich, zumal viele Leihmütter später nicht bereit waren ihr Kind herzugeben. Ein Dauerbrenner war der Paragraph §218, der nun auch die ostdeutschen Frauen betraf. In der DDR war eine Abtreibung ohne Angabe von Gründen möglich. Die Emanzipations-Bewegung in der BRD erreichte zumindest, dass ab 1995 ein Schwangerschaftsabbruch unter besonderen Gegebenheiten (Behinderung) möglich war.
Auf rechtlicher Ebene waren die Erfolge der Emanzipationsbewegung eher bescheiden. Dafür lebten sie privat ihr Selbstbewusstsein aus. Beruflich strebten sie eine leitende Karriere an oder nutzten ihre erotische Ausstrahlung für ein luxuriöses Leben. Im Sport drangen sie in die Domänen der Männerwelt ein, spielten Eishockey, Fußball und wurden Kämpferinnen im Boxen, Judo und Karate. Was im Urlaub für die Männer Thailand war, wurde für die Frauen Jamaika. Sie ließen sich von den bezahlten Männern verwöhnen und Deutschland gingen sie in Klub und genossen Männerstriptease. Im sexuellen Bereich übernahm so manche Frau die Regie im Bett. Zu einem abnormen Zeichen der Zeit wurden sadomasochistische Praktiken und Männern gefiel auch von ein Domina ausgepeitscht zu werden. Für alles gab es einen Markt, so auch für den Schönheitswahnsinn.
Gesunde Ernährung, Schlankheitspillen und - Drinks, sowie viel Sport (Joggen, Aerobic)  sollten den weiblichen Körper auf ein ideales Schönheitsmaß trimmen, denn Rang und Schlank zu sein sollte das Ansehen heben. Um bewundert zu werden, hungerten sich viele Frauen schlank und einige gerieten in eine krankhafte Magersucht. Hinzu kam oft eine lebensbedrohliche Psychose, die schweren körperlichen Schäden verursachte und mitunter zum Tod führte.
Andererseits versuchten Frauen mit aufreizende Kleidung ihren Status zu heben. 1994 kam aus den USA der Wonderbra, einem BH der optisch ein üppiges Dekolletés vorgaukelte. Neben der Kleidung wurden auch die Haare bunter, wobei sich viele Frauen ihre Haareblond färben ließen. Über die Medien wurden auch immer wieder die Schönheitsideale propagiert und ein gesellschaftliches Ansehen nur über die Ausstrahlung suggeriert.
Mit Emanzipation hatte das allerdings wenig zu tun, denn die Ausstrahlung einer Frau kam lediglich dem Manne entgegen und nährte den stolz eine Modellschönheit zu haben. Die eroberte Frau wurde mehr als Trophäe gesehen und mit einer Ehe, wurde die Frau oftmals wieder auf ihre Hausfrauenrolle reduziert. Somit vermittelten die Medien ein Trugbild von selbstbewussten Frauen, die sich über ihr Aussehen definierten. Dabei dienten geprägte Schönheitsideale nur einem marktorientierten profitablen Zweck. Leider schafften es die Medien die Frauen auf ihr Aussehen (Schönheit) und Sexualität zu steuern und Männer auf ein Geltungsgehabe und eine eindrucksvolle Karriere zu konzentrieren. 
In den 90er Jahren hatte sich in den Beziehungen zwischen den Menschen zwar einiges geändert, aber prinzipiell blieb alles beim Alten. Männer dominierten immer noch klar in der Gesellschaft, auch wenn man gegenüber Frauen einige Zugeständnisse machte. Grund-legend waren es immer politische oder wirtschaftliche Absichten, die bestimmte Ansichten veränderten und moderne Erscheinungen legitimierten. Andererseits musste der Staat auf einige Antibewegungen beschwichtigend reagieren. Speziell die alternativen Bewegungen verschafften sich Gehör und forderten die Gesellschaft zum Handeln heraus. Sie betonten auch bspw. mehr die wahre Emanzipation der Frau, indem sie die wirkliche Gleichwertigkeit zwischen Mann und Frau forderten. Allerdings sei noch einmal vermerkt, dass in den 90er Jahren ein Meinungschaos herrschte und sich eine Neuorientierung entwickeln musste.
Sehr hinderlich waren dabei die Spaßgesellschaft und der Trieb zur Selbstdarstellung, die sich über überlegenswerte Ansätze lustig machten oder sie vehement ablehnten. Außerdem waren die Menschen zu sehr auf sich selbst konzentriert, dachten nur privat egoistisch oder waren Teil einer Gruppe (Verein, Sekte) oder man konnte der realen Welt über dem PC entfliehen (PC-Spiele, Chat).