01. Bilanz und Musikgeschichte

Bilanz  und Musikgeschichte

1. Die Top - 50 der DDR-Musik 
    
Rock/ Pop und Schlager

2. Geschichte der DDR-Musik
    Grundsätzliches
(zu Musikern, deutscher Gesang)
    Chronik der DDR Musik

    (Beatverbot, Biermann-Affäre)

 

1. Die Top -50 der DDR Rock-Pop-Musik

Die folgende Auflistung orientiert sich an der Popularität jener Zeit mit Hilfe von Radio-Charts (soweit vorhanden), Amiga-Sampler,
TV-Auftritten und Erinnerungen von Zeitzeugen.

Platz                         Titel                                    Jahr    Interpretation                        K= Komponist // T= Texter         
  1. Über sieben, Brücken musst du geh’n   1978 Karat K: Ulrich Swillms // T: Helmut Richter
  2. Am Fenster   1977 City K: Georgi Gogow // T: Hildegard Maria Rauchfuß
  3. Jugendliebe 1980 Ute Freudenberg K: Bernd Henning // T: Burkhard Lasch
  4. Du hast den Farbfilm vergessen 1974 Nina Hagen K: Michael Heubach // T: Kurt Demmler
  5. Geh zu ihr 1973 Puhdys K: Peter Gotthardt // T: Ulrich Plenzdorf
  6. Der blaue Planet  1981 Karat K: Ullrich Swillms // T: Norbert Kaiser
  7. Berührung 1980 Gaby Rückert K: Thomas Natschinski // T: Ingeburg Branoner
  8. Anna Maria 1971 Rote Gitarren  K: Seweryn Krajewski // T: Christopher Dzikowki
  9. Als ich fortging  1987 Karussell K: Dirk Michaelis // T: Gisela Steineckert
10. Bataillon d’amour 1986 Silly  K: <<Band>> // T: Werner Karma
11. Wer die Rose ehrt  1973 Klaus Renft Combo K: Peter Gläser // T: Kurt Demmler
12. Alt wie ein Baum 1976 Puhdys K: << Band>> // T: Burkhard Lasch
13. Doch ich wollte es wissen 1975 Kreis K: Arnold Fritzsch // T: Fred Gertz)
14. Das ich eine Schneeflocke wär 1976 Veronika Fischer K: Franz Bartzsch // T: Kurt Demmler
15. Mädchen mit Perlen im Haar 1970 Omega K: Gabor Presser // T: Anna Adamis
16. In der Mocca-Milch-Eisbar 1970 Th. Natschinski C. K: Thomas Natschinski // T: Hartmut König
17. Sagte mal ein Dichter 1978 Holger Biege K: Holger Biege // T: Fred Gertz
18. Es war doch nicht das erste Mal  1973 Reinhard Lakomy K: Reinhard Lakomy // T: Fred Gertz
19. Wenn Träume sterben 1977 Puhdys K: <<Band>> // T.: Wolfgang Tilgner
20. Auf der Wiese 1975 Veronika Fischer K: Franz Bartzsch // T: Bettina Wegner
21. Schwanenkönig 1980 Karat K: Ulrich Swillms // T: Norbert Kaiser
22. Mont Klamott  1983 Silly   K: << Band >> // T: Renè Volkmann 
23. Sommernachtsball 1977 Veronika Fischer K: Franz Bartzsch // T: Kurt Demmler
24. König der Welt  1977 Karat K: Ullrich Swillms // T : Kurt Demmler
25. Rockerrente  1984 Puhdys K: Dieter Birr, Peter Meyer // T: Dieter Birr
26. Der Clown  1980 Neumis Rock Circus T & K.: Hans Joachim Neumann
27. Wenn ein Mensch lebt  1974 Puhdys  K: Peter Gotthardt // T: Ullrich Plenzdorf
28. Zwischen Liebe und Zorn  1972 Klaus Renft Combo K: Peter Gläser // T: Kurt Demmler
29. Am Abend mancher Tage 1981 Lift K: Wolfgang Scheffler // T: Joachim Krause
30. … sagen meine Tanten 1972 Scirocco                      //  K: Volker Thiele, Hendryk Wendt // T: Regina Scheer
31. Eh die Liebe stirbt 1986 Ralf Bursy K: Ralf Bursy // T: Burkhard Lasch
32. Lebenszeit  1976 Puhdys K: << Band >>  // T: Wolfgang Tilgner
33. Nie zuvor 1984 Electra  K: Manuel von Senden // T: Werner Karma
34. In jener Nacht 1975 Veronika Fischer            // K: V. Fischer & F. Bartzsch // T: Ingeburg Branoner 
35. Der Kampf um den Südpol 1977 Stern Combo Meißen K: << Band >> // T: Kurt Demmler
33. Casablanca  1987 City K: <<Band>>  // T: Kuno Kleinfelt, Titti Flanell
37. Ehrlich will ich bleiben 1979 Karussell K: Jochen Hohl // T: Kurt Demmler
38. Die Tagesreise  1975 Horst Krüger Band K: Michael Heubach // T: Jo Schaffer
39. Traumzeit 1985 Petra Zieger K: Andreas Schulte // T: Burkhard Lasch
40. … und wir gingen auf uns zu  1976 Kreis K: Arnold Fritsch // T: Fred Gertz
41. Das Buch  1984 Puhdys K: Dieter Birr, Peter Meyer // T: Dieter Birr
42. Wunderland  1987 IC Falkenberg T&K: Ralf Schmidt
43. I.L.D. (ich liebe dich)  1988  Rockhaus K: << Band>> // T: Mike Killian
44. Wasser und Wein 1977  Lift K: Michael Heubach // T: Kurt Demmler
45. Reichtum der Welt  1979 Holger Biege K: Holger Biege // T: Fred Gertz
46. He, John  1981  Puhdys  K: Dieter Birr, Peter Meyer // T: Burkhard Lasch
47. Zeit, die nie vergeht 1985 Perl T&K: Michael Barakowski
48. Gewitterregen  1979 Karat K: Ullrich Swillms // T: Norbert Kaiser
49. Entweder oder 1979 Karussell K: Lutz Kirsten // T: Kurt Demmler
50. Sieben Meter Seidenband 1978  Prinzip K: Jürgen Matkowski T: Kurt Demmler

 

CD – Empfehlung:  Die 100 größten Ost-Hits  // 2010 Sony Music - AMIGA // Katalog-NR: 88697808262

Die Internetseite www.ostparade.de hat seine Fans gebeten, die besten Songs der DDR-Musikgeschichte zu wählen und über
das Markenzeichen AMIGA hat Sony-Music einen Sampler erstellt mit 8 CDs. 
In dieser Sammlung sind alle 50 Songs der oberen Hitliste vertreten, darüber hinaus bietet die Sammlung 
einen guten Querschnitt der
DR-Rockmusik. Die Platzierungen der Songs in jener CD-Sammlung sind 
jedoch sehr subjektiv und geben somit nicht die tatsächliche
Popularität seiner Zeit wieder. 
Voting-Charts geben immer nur den Geschmack der abstimmenden Fans wieder.

 

 Die Top -50 des DDR Schlagers

Platz                         Titel                                    Jahr    Interpretation                        K= Komponist // T= Texter         
  1. Rennsteiglied 1962 Herbert Roth & Ensemble K: Herbert Roth / T: Karl Müller
  2. Damals  1959 Bärbel Wacholz K: Gerd Natshinski / T: Robert Romanus
  3. Wie ein Stern  1971 Frank Schöbel K: Hans Georg Schmiedecke / T: Dieter Lietz
  4. Zwei gute Freunde  1958 Fred Frohberg K: Gerd Natschinski / T: Günther Loose
  5. Kleines Haus am Wald  1957  Herbert Roth & Ensemble K: Herbert Roth / T: Karl Müller
  6. Gold in deinen Augen 1971 Frank Schöbel K: Arndt Bause / T: Fred Kerstien
  7. Yvetta  1972 Jirgi Korn K&T: Karel Svoboda / dt.: Gerd Halbach
  8. He kleine Linda  1976 Muck K: Muck (*1) / T: Wolfgang Brandenstein
  9. Tag für Tag 1974 Hans Jürgen Beyer K: Arndt Bause / T: Kurt Demmler
10. Sing mei Sachse sing 1980 Jürgen Hart K: Arndt Bause / T: Jürgen Hart
11. Jetzt kommt dein Süßer 1983 Helga Hahnemann K: Arndt Bause // T: Angela Gentzmer
12. Hätt’ ich nochmal die Wahl 1976 Sandra Mo & Jan Gregor K: Arndt Bause / T: Dieter Schneider
13. Weil du heut Geburtstag hast  1966 Robby Lind  K & T: Ralf Petersen
14. Keine Bange wir holen eine Zange 1975 Hauff & Henkler K: N. Kalogjera / T: I. Krajac / dt: G.Halbach (*2)
15. Das wünsch ich mir 1958 Bärbel Wachholz K: Georg Möckel / T: Peter Bering
16. Lieb mich so wie dein Herz es mag 1967 Doerk & Schöbel  K: Frank Schöbel / T: Dieter Schneider
17. Rauchen im Wald ist verboten 1969  Nina Lizell K: Rudi Werion / T: Thomas Kluth
18. Sag ihr auch   1979 Gerd Christian K: Holger Biege / T: Fred Gertz
19. Der alte Hut von Jerry Flynn 1963 Mary Halfkath K: Wolfram Schöne / T: Birgit Wernecke
20. Maria Helena 1972 Ivica Seresi K & T: Nikica Kalogjera /dt: Fred Neumann
21. Morgenrot – Abendrot   1974 Andreas Holm K: Arndt Bause / T: Fred Kerstien
22. Ich geh vom Nordpol zum Südpol … 1973 Frank Schöbel K: Arndt Bause / T: Dieter Schneider
23. Kleiner Vogel  1977 Monika Herz K: Arndt Bause / T: Dieter  Schneider
24. Gegensätze zieh’n sich an 1981 Ina Maria Federowski K: Arndt Bause / T: Dieter Schneider
25. Erna kommt 1983 Lippi K: Arndt Bause // T: Wolfgang Brandenstein
26. Es brennt wie Feuer 1986 Olaf Berger K: Lothar Kehr / T: Volkmar Andrä
27. Zwei Küsse beim nach Hause geh’n 1965 Ina Martell K: Ralf Petersen / T: Dieter Schneider
28. Karthäuserknickebein Shake 1963  Lutz Jahoda K: Karl Schinski / T: Franz Felder
29. Labostella bei Tante Ella  1968 Britt & Bert K: Gerd Siebholz / T: Wolfgang Brandenstein
30. Eine Welt ohne dich  1958 Julia Axen K: Wolfgang Kähne / T: Ursula Upmeier
31. Das Lied vom alten Plattenschrank 1961 Monika & Ruth  K: Harry Seeger / T: Willy Schüller
32. Blonder Stern  1964 Frank Schöbel  K: Klaus Hugo / T: Dieter Schneider
33. Roter Mohn wird wieder blühn 1963 Heidi Kempa K: Klaus Hugo / T: Dieter Schneider
34. Spielverderber 1985 Inka K: Arndt Bause / T: Dieter Schneider
35. Verdammt  1988 Wolfgang Ziegler K: Christian Heilburg / T: Wolfgang Ziegler
36. Schallala Schallali 1977  Jürgen Walter K: Arndt Bause / T: Gisela Steinecke
37. Die Liebe ist ein Haus  1975 Regina Thoß K: Dieter Schneider / T:Andreas Falk
38. Blond wird groß geschrieben 1967 Britt Kerten K: Gerhard Siebholz / T: Hein Sollinger
39. Charlie ade 1978 Monika Herz K: Arndt Bause / T: Dieter Schneider
40. Heut ist wieder Vollmond 1973 Hauff & Henkler K: Dieter Schneider / T: Gerhard Siebholz
41. Pinguin Mambo 1955 Werner Hass K & T: Hans J. Fleischer
42. Meerblaue Augen wie die Adria 1973 Ivica Serfesi K: Rudi Werion / T: Gerd Halbach
43. Der Mann mit dem Panamahut  1973 Nina Lizell  K: Arndt Bause / T: Dieter Schneider
44. Jedes junge Mädchen wird mal … 1972 Chris Doerk K: Dieter Schneider / T: Gerhard Siebholz
45. Morgenstunde hat Gold im Munde 1965  Ruth Brandin K: Gerhard Siebholz / T: Wolfgang Brandenstein
46. Das war ein Meisterschuss 1977 Hauff & Henkler  K: Gerhard Siebholz / T: Wolfgang Brandenstein
47. Nimm den Zug der Sehnsucht heißt 1973 Aurora Lacasa  K: Arndt Bause / T: Dieter Schneider
48. Schreib es mir in den Sand 1971 Frank Schöbel K: Gabor Presser /dt. T: Dieter Schneider
49. Die Primaballerina meiner Träume 1963 Günter Geissler K: Siegfried Osten / T: Jürgen Hermann
50. Ein himmelblauer Trabant  1971 Sonja Schmidt K: Rudi Werion / T: Thomas Kluth
*1 = Muck = Hartmut Schulze - Gerlach  // *2 =K: Nikica Kalogjera / T: Ivica Krajac / dt: Gerd Halbach

 

Grundsätzliches zu den Auflistungen
Das Auflisten und Datieren von Liedern der DDR war mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden, da es kaum verlässlichen Quellen gab.
Mit dem Anspruch der zeitlichen Popularität eines Liedes können sich daher Fehler eingeschlichen haben.

Probleme:
1. Rudimentäre Titellisten von TV- und Radiohitparaden und Unstimmigkeiten bei den Amiga Produktionen.
2. Die Jahreshitparaden von DT64 (ab 1975) sind nicht repräsentativ, da nur Stammhörer votierten.
3. Es gab keine Singlecharts und Platten wurde nach dem Bedarf und oft verspätet produziert
4. In der Regel musste sich ein Song zunächst in den Medien (Radio, TV) bewähren und erschien dann häufig 
verspätet auf einer Sampler
    LPs (produktionsabhängig). Lediglich bekannte oder vielversprechende Künstler, 
durften eine Single produzieren, wobei sich oft zwei
    Künstler eine Single (A- und B-Seite) teilen mussten.
5. Nur privilegierte Künstler durften eine LP aufnehmen. Das Radio durfte LP-Auskopplungen veröffentlichen, 
dass aber kein Garant dafür,
    dass jener Titel auch auf Single erschien.
6.
Die Zeitspanne zwischen Veröffentlichung, Medienpräsenz und Platten-Produktion eines Liedes war daher enorm.

 

2. Geschichte der Unterhaltungsmusik in der DDR

Vorbemerkungen 

1. Sozialistische Ideologie:

Auf der Grundlage der marxistisch-leninistischen Theorie wurde nach dem 2. Weltkrieg im Osten die Gesellschaft radikal umgestaltet, mit dem Ziel einer gerechten klassenlosen Gesellschaft unter der Führung der sozialistischen Partei.
Im Gegensatz zur Anarchie wurde im Kommunismus eine Leitung als notwendig festgelegt, um die Gefährdungen (Gier, Verlockungen, Egoismus) für das Menschsein abzuwenden. In diesem Sinne galt es den Menschen zu einem verantwortungsvollen und gesellschaftsbewussten Bürger zu erziehen, damit er sich nicht von niederen oder egoistischen Trieben leiten lässt, sondern sie kontrollieren lernt. Musikalisch wurde deshalb die schöngeistige Musik gefördert. Kunstmusik (Klassik, Chanson) sollte eine kulturelle Reife erzeugen, Arbeiter- und Kampflieder waren als mobilisierender und motivierender Faktoren gedacht und die traditionellen Volkslieder dienten als Ersatz für die Unterhaltungsmusik und unterstrichen zugleich die traditionellen Wurzeln. Der Schlager war als Unterhaltungsmusik unerwünscht, da er lediglich oberflächlich niedere Emotionen weckte, vom sozialistischen Kurs ablenken und in seinem Wesen nur egoistische Gefühle weckten. Außerdem stand der Schlager zu eng in der Verbindung mit der imperialistischen Vergangenheit, insbesondere mit der faschistischen Hitler-Ära.  

2. NS-Schlager:

In allen Besatzungszonen waren nach dem 2. Weltkrieg zunächst alle Schlager aus der nationalsozialistischen Zeit unerwünscht. Zu sehr schwangen bei den Liedern Emotionen mit. Sie konnten nationalistische Gefühle wecken oder Erinnerungen an das Leiden in der NS-Zeit wachrütteln. Die Musik, spielte so kurz nach dem Krieg, für die Bevölkerung ohnehin keine Rolle, sie hatten andere Sorgen. Angesichts eines zerstörten und besetzten Deutschlands suchte die ältere Generation ihre Identifikation in den Volksliedern.
Lediglich für die Jugend war Musik und Tanz der Aufbruch in eine neue Zeit. Im Hitler-Deutschland verboten, konnte nun die amerikanische Swing-Musik gehört werden. Für die amerikanische Besatzungsmacht ergab sich die Gelegenheit ihre Musik in Deutschland zu vermarkten. Tanzbars erfreuten sich großer Beliebtheit und Swing-Schallplatten fanden reißenden Absatz. Wegen diesem Trend, spielte der Schlager sowieso eine untergeordnete Rolle und die US-Behörden hatten kein Problem mit deutscher Schlagermusik.
Da die USA in den westlichen Besatzungszonen politisch dominierte, waren sie auch maßgeblich gesetzgebend. Mit dem Image, ein freiheitliches demokratisches Land zu sein, lockerte sie deshalb die Bestimmungen zu der deutschen Musik. Dazu sollte man wissen, dass im 2. Weltkrieg die Amerikaner territorial auch nicht direkt vom Krieg betroffen waren. Bedingt durch den emotionellen Abstand, gab es sogar Tendenzen, die das Hitlerregime bewunderten.
Aber in erster Linie zielte ihre Politik gegen die Sowjetunion. Sofort nach dem Kriegsende gingen die Westmächte und besonders die USA auf Konfrontationskurs (Kalter Krieg) zur kommunistischen Sowjetunion. Es galt die östliche Bevölkerung gegen die sowjetische Besatzungsmacht aufzuhetzen. Dabei wurde auch die deutsche Schlagermusik zu einem ideologischen Mittel. Deutsche Schlager waren erlaubt und durften publiziert werden, sofern sie nicht von einem nationalistischen Geist durchtränkt waren.
Die ostdeutsche Bevölkerung wollte aber auch bei Musik und Tanz die Alltagssorgen für kurze Zeit vergessen. Da die wirtschaftliche und politische Situation angespannt war, erlaubte das sowjetische Oberkommando die Schlagemusik, um zusätzliche unnötige Spannungen zu vermeiden. Allerdings zunächst nur für Berlin und eigentlich nur wirtschaftspolitisch gezielt für Westberlin.

3. Berlinstatus:

Die sowjetische Besatzungsmacht hatte die Verwaltungshoheit über Berlin. Im Sinne von Verwaltungsbezirken machten aber die anderen drei alliierten Mächte (Westberlin) von ihrem Recht als demokratische Schutzmacht gebrauch.
Das bedeutete, die Sowjetunion konnte einerseits den sozialistischen Kurs in Westberlin nicht zwangsverordnen und musste andererseits auf die Bedürfnisse der Berliner eingehen. Eines dieser Bedürfnisse war die Schlagermusik. Mit der Überlegung, die Expansion amerikanischer Swingmusik zu stoppen und von einer zahlungskräftigen Westberliner Bevölkerung zu profitieren, wies das sowjetische Oberkommando die Gründung der Schallplattenfirma AMIGA an. Gleichzeitig wurde dem Radiosender BERLINER RUNDFUNK höhere Sendeanteile mit Schlagermusik im Programm erlaubt. Das hatte zur Folge, dass ebenso die Bürger im Osten nach der Schlagermusik verlangten.
Ohne den Schlager zu fördern, wurden Interpreten toleriert und den Tanzkapellen erlaubt jene Musik nachzuspielen. Schlager-Schallplatten waren nun auch außerhalb von Berlin erhältlich, zudem wurde der Berliner Rundfunk, der beliebteste Sender des Ostens.

4. Rohstoffmangel:

Aufgrund schwerer Startbedingungen im Osten, die zudem von der sozialistischen Umgestaltung zusätzlich belastet wurde, gab es enorme wirtschaftliche Engpässe. Das Produzieren von Schallplatten galt als eine unnütze Verschwendung von wertvollen Rohstoffen. Nachdem der profitable Markt in Westberlin abbrach und sich die DDR 1949 gründete, wurden Schallplatten ausschließlich für den Mindestbedarf produziert. 
Besonders Schallplatten mit Unterhaltungsmusik wurden zunächst stark begrenzt und erst mit dem steigenden Wohlstand und dem Bevölkerungsbedarf erweitert. Demzufolge gab es in der DDR keine Singlecharts. Demzufolge müssen Verkaufszahlen von Tonträgern in der DDR relativiert werden. Einerseits wurden zwar erfolgreiche Platten jeweils in begrenzter Stückzahl neu aufgelegt, aber in der Regel wurde die eigentliche Nachfrage nicht gedeckt. Prinzipiell mussten Lieder zunächst erfolgreich im Radio laufen, um es wenigstens auf eine Sampler-LP zu schaffen. Es gab allerdings auch Platten deren Absatz unter den Erwartungen lag, diese dienten häufig einen politischen Zweck oder unterlagen einer fatalen Fehleinschätzung.

5. Künstlerfamilie:

Besonders Popmusiker waren nicht nur territorial, sondern ebenfalls durch Verbote und Auflagen eingegrenzt. Dagegen durften klassisch orientierte Musiker sogar ins kapitalistische Ausland und für Schlagersänger gab es internationale Wettbewerbe innerhalb der sozialistischen Staaten. Das führte dazu, dass sich die wenigen tolerierten Pop- und Rockkünstler untereinander kannten. Mit der Förderung der Rockmusik um 1970 waren es jene Musiker, die seit dem Beatverbot (1965) auf eine neue Chance lauerten und deshalb zu Pionieren der neuen DDR-Rockmusik wurden.
Die Musiker-Garde der 60er Jahre orientierte sich mehr am Jazz und versuchten eine Art künstlerischen Rock zu kreieren, nach amerikanischen Vorbild. Die Dominanz jener Gruppen bremsten allerdings die Nachwuchsmusiker aus, da die Funktionäre an qualitativer Musik interessiert waren und auch förderten. Newcomer hatten immer den Makel rebellisch zu sein oder ihr spontanes Musikverständnis entsprach nicht dem der Kulturfunktionäre. Die Musiker aus den 60er Jahren waren dagegen renommierte Persönlichkeit, die musikalisch und textlich reifer waren. Aber genau das war das Problem, was eine spontane Popmusik in der DDR blockierte. Somit hatte eine rockige Popmusik einen schweren Stand, da Songs popularisiert wurden, die dem Jazz, Soul oder der klassischen Musik nahe standen, verbunden mit den amerikanischen Hardrockstilen.  
Dazu kam, dass die viele Musiker eigene Vorstellungen von der Musik hatten und strebten ein individuelles Umsetzen an. Das führte dazu, dass es zu zahlreichen Umbesetzungen der Rockgruppen kam, die in dieser Form in der internationalen Rockszene unüblich waren. Nur wenige Newcomer konnten sich in den 70er Jahren gegen die 60er-Garde durchsetzen.
In den 80er Jahren entstanden eine Reihe neuer Bands, die jedoch nur die westliche NDW-Musik kopierten. Nur wenigen Ausnahmen gelang es, einen eigenen Stil zu entwickeln. Dennoch sind die meisten Gruppen der 80er Jahre heute vergessen und nur jene Gruppen, die sich an die 70er Rock-Traditionen orientierten blieben in der Erinnerung. Es sind aber mehrheitlich die Rock-Bands aus den 70er Jahren, die heute als OST-ROCK bezeichnet werden, da sie in der DDR eindrucksvoll Musikgeschichte geschrieben hatten.

6. Deutschsprachlicher Gesang:

Die Kulturbosse standen der Jugendmusik stets reserviert gegenüber und konnten hierbei auf die Mehrheit der Bevölkerung bauen. So fand ein Verbot von Rock’N’Roll und später dem Beat eine breite Zustimmung bei den älteren Bürgern. Aber die Jugendmusik ließ sich nichts verbieten und die Funktionäre machten letztendlich Zugeständnisse. Eine Reihe von Vorgaben wurde deshalb definiert und sollte verhindern, dass die angloamerikanische Musik nicht die sozialistische Ideologie unterwandern konnte. Grundsätzlich sollte in Deutsch gesungen werden und verboten waren staatskritische Texte oder Songs, die nicht dem sozialistischen Geist entsprachen. Dazu zählten auch bedrückende Lieder über den Alltags, sowie düstere nachdenkliche Töne über das Leben.
Beispielweise waren Texte über zersetzende Zukunftsängste, gesellschaftliche Aussteiger (Gammler, Punker), selbstzerstörerischer Liebesschmerz ohne Alternative, Tabuthemen (Versorgung, Grenze, Homosexualität) oder unbegrenzte Reiselust untersagt. Die Texte sollten lebensbejahend sein und schöpferisch den sozialistischen Gemeinschaftssinn stärken. Allerdings war das Bewerten durch die Zensur mitunter sehr willkürlich, sodass die Texter die Kunst entwickelten mit zweideutigen Untertönen zu agieren.
Die Filmkünstler der DDR verpackten schon seit längerer Zeit kritische Inhalte in Märchen und historischen Filmen und umgingen somit der Zensur. Diesem Stilmittel bediente sich ebenso die Rockmusik, sehr zum Ärger der Funktionäre. Der DDR-Bürger war deshalb geübt darin versteckte Botschaften herauszuhören. Fernab jeglicher Greifbarkeit, drückten Rockmusiker ihre Gefühle und Kritik, über irrealen Welten (Märchen, Sagen, historische Begebenheiten, Gedichten, Fabeln u.ä.) aus und tarnten sie mit lyrischen Inhalten. Obwohl auch die Funktionäre die Untertöne verstanden, fanden sie oft keine Angriffsfläche für eine Zensur. Später tolerierten sie die meisten Texte sowieso großzügig bzw. hielten sich aufgrund einer gespannten innenpolitischen Situation zurück.

Bitte lesen Sie ebenfalls die spezifischen Ausführungen über die DDR-Musik in den Betrachtungen über die einzelnen Zeitepochen und den Darlegungen im Pop- und Rocklexikon.

Anmerkung zur Jugendmusik:

Die anglo-amerikanische Musik hatte zunächst weltweit einen schweren Stand. Bedingt durch die amerikanische Besatzungsmacht in Deutschland, entwickelte sich hier die Jugendmusik am liberalsten, als anderswo in Europa (ausgenommen Großbritannien).  Rock’n’Roll verbreitete sich deshalb sehr behäbig in Europa. Der britische Beat dagegen setzte sich bedeutend schneller in Europa durch. Das lag besonders daran, dass jene Musik auch folkloristisch geprägt war und europäische Musiker inspiriert wurden, ihre eigne Folklore im Beat zu verarbeiten. In den sozialistischen Ländern wurden Ungarn und Polen zu Vorreitern jener Musik. Je nach kulturellen und religiösen Wurzeln verbreitete sich der Beat auch weltweit (z.B.: Japan, Philippinen).
Die späteren Jugendmusikarten verbreiteten sich dann zeitnah weltweit, auch wenn nicht überall, aufgrund kultureller und religiöser Bedingungen.
Jede Jugendmusik haftet der Makel bei, die Jugend zur Aufsässigkeit zu motivieren, sodass die Jugend gegen ihre gesellschaftlichen Pflichten revoltiert

 

Chronik / Stationen der DDR- Musik:

13. 05. 1945 - Berliner Rundfunk
Der Berliner Rundfunk geht als Radio Berlin auf Sendung und lag nach der Sektorenaufteilung Berlins in Westberlin. Mit den zunehmenden Spannungen zwischen den Alliierten, zog der Sender nach Königs Wusterhausen um und startete neu am 20. 03. 1949. Im Zuge der Zentralisierung erhielt das Funkhaus 1952 den endgültigen Sitz in der Nalepastraße (Berlin-Oberschöneweide).  

03. 02. 1947 - Amiga
Gründung der Schallplattenfirma AMIGA, unter Leitung von Ernst Busch
deren erste Schlagerstars waren Bully Buhlan, Rita Paul und Evelyn Künneke.
 


Ernst Busch: (* 22.01. 1900 in Kiel; † 08.06. 1980 in Bernburg) - - - nahm 1921 Schauspiel-und Gesangsunterricht - - - war seit 1916 politisch engagiert (sozialdemokratisch) - - -  zog 1927 nach Berlin und spielte von 1929 bis 1933 in mehreren Filmen mit, u.a. „Die Dreigroschenoper“ - - - Aufgrund seiner politischen Gesinnung wurde er mehrmals verhaftet und flüchtete 1933 vor dem Hitlerregime  - - - kam 1935 in die Sowjetunion - - - schloss sich 1937 dem spanischen Freiheitskampf an und schrieb einige Kampflieder (u.a.: Die Thälmann Kolonne, Bandiera Rossa) - - - nach der Niederlage der Interbrigaden in Spanien, flüchtete er durch Europa (Belgien, Frankreich), blieb politisch aktiv und wurde verhaftet - - - 1943 wurde er nach Deutschland überführt - - - eine Todesstrafe wurde in eine Haftstrafe umgewandelt, da ein Bombenangriff ihn schwer verletzte und Anwälte eine Strafmilderung erlangten - - - 1945 wurde er von der Roten Armee befreit - - - er trat der KPD (ab 1946 SED) - - - neben seiner Tätigkeit als Schauspieler und Sänger, wurde er beauftragt 1947 die Schallplattenfirma Amiga zu leiten - - - als Künstler war er mit der Leitung von Amiga überfordert, sodass man ihm 1953 die Leitung entzog - - - Busch bekam mehrere staatlich Auszeichnungen in der DDR und durfte 1963 das Label Aurora gründen, mit dem Schwerpunkt politisches Lied (Arbeiter- und Kampflieder) - - - Trotz der Ehrungen in der DDR, bezog er zunehmend eine kritische Haltung zum SED-Sozialismus - - - 1961 zog er sich deswegen ins Privatleben zurück - - - eine zunehmende Demenz brachte ihn in die Nervenklinik Bernburg, wo er 1980 verstarb


1948 - Berlinblockade
Die sowjetische Abriegelung von Westberlin führte zur endgültigen Abspaltung von Westberlin. Aus Protest 
gegen die sowjetischen Maßnahmen erklärten Buhlan, Paul und Künnecke ihre Verträge mit AMIGA für beendet und wechselten zum Westberliner Label ODEON.  Lediglich Margot Friedlaender blieb dem Plattenlabel AMIGA erhalten.

1949 - Gründung der DDR
Mit der Staatsgründung wurde AMIGA dem VEB Deutsche Schallplatte 
unterstellt. Es wurde überwiegend schöngeistige Musik produziert. Trotzdem nur wenige DDR Bürger einen Plattenspieler besaßen, war dennoch der Bedarf an Platten groß und führte dazu, dass Schallplatten auf dem Schwarzmarkt gehandelt wurden.
Ansonsten durfte der Berliner Rundfunk dosiert Schlager spielen und Tanzmusikkapellen war das Nachspielen von BRD-Schlagern erlaubt. AMIGA durfte in der Folgezeit wieder verstärkt Schlager produzieren, aber da es keine Szene gab, hielten sich eigene Produkte in Grenzen. Das Plattenlabel ging dazu über BRD-Schlager zu covern. Gerne wurden unbekanntere Songs nachgespielt, um den Trugschluss zu verstärken, es handle sich um DDR-Schlager.

1953 - Reformierung der Plattenfirma
Der VEB Deutsche Schallplatte bildet für 
bestimmte kulturelle Gebiete spezifische Label (Eterna, Litera,Nova, Schola) und AMIGA blieb für die Unterhaltungsmusik zuständig. Zuvor wurde Ernst Busch als Leiter entlassen und verantwortlich gemacht, zu sehr westliche Musik publiziert zu haben. Das Kulturministerium verfügte zudem die Förderung von einer eigenen Unterhaltungsmusik und drängte auf die Begrenzung von westdeutscher Covermusik.

1954 - Nachwuchsförderung
AMIGA richtete ein
Nachwuchsstudio ein, dass 1957 vom Berliner Rundfunk übernommen wurde. Ziel war es Lieder im Rundfunk zu testen, bevor sie auf Platte gepresst wurden. Auf Initiative vom Musikpädagogen Kurt Penkert wurde an der Musikhochschule Berlin-Friedrichshain eine Tanzmusikklasse gegründet. Die erwachende Schlagerszene war zunächst volkstümlich orientiert und wie in der BRD waren Seemannslieder besonders beliebt.
Den Funktionären waren Lieder vom
 Fernweh (Bahia, Honolulu, Venedig) ein Dorn im Auge. Sie verlangten, dass in den DDR-Schlagern keine Orte von kapitalistischen Ländern besungen werden sollten. Zudem setzte eine Kampagne gegen volkstümliche Lieder ein, da sie angeblich stark nationalistische Emotionen weckten. Im Zuge dieser Maßnahmen wurde der große Erfolg von Herbert Roth geschmälert.

1957 - Rock’N’Roll
In beiden Teilen Deutschlands wurde diese Jugendmusik als Problem 
angesehen, wegen der aggressiven Auswüchse in den USA.
In der DDR wurde die Musik verboten, zumindest im Radio und auf Schallplatte. Jedoch illegal wurden Jugendtreffs und Tanzveranstaltungen oft toleriert, sofern sich keiner offiziell beklagte oder es zu Vorkommnissen kam.
Zum Eklat kam es, als AMIGA den Song „Mister Patton aus Manhatten“ von Werner Haas veröffentlichte und sich herausstellte, dass der vermeintliche Swingsong eine Coverversion von „See You Later Alligator“ (Bill Haley) war. Der Rocksong wurde sofort verboten und Haas erhielt ein Auftrittsverbot, worauf er die DDR verließ.
Alternativ zum Rock’N’Roll erfand man in der DDR später den LIPSI und sollte als Ersatz dienen. Die Jugend lehnte den Lipsi mehrheitlich ab, wie auch den späteren ORION. Wobei inzwischen war der Rock’N’Roll ohnehin zum sanften Schlager geworden und damit auch für die Funktionäre akzeptabel.

1958 - Neue Schlagerszene
Die staatliche Initiative trug Früchte und eine Riege von Sängern machten von 
sich reden (Fred Froberg, Bärbel Wachholz, Helga Brauer). Enormen Anteil am Erfolg hatte der Komponist Gerd Natschinski, der zuvor als Musicalschöpfer bekannt war. Zur Begrenzung westlicher Musik und der Förderung der eigenen Musik, verfügte die Regierung eine Programmquote. Demnach durfte auf Tanzveranstaltungen, der Anteil von westlicher Musik höchstens 40% betragen. In der Realität wurde diese Quote, besonders in ländlichen Gegenden mehrfach missachtet.

1960 - Twist
Der unverfängliche Rock’N’Roll Stil begeisterte durch den Tanzstil und wurde von den Regierenden zugelassen. Lediglich die imperialistische Bezeichnung störte den Funktionären und wurde hierzulande Shake genannt.

1961 - Mauerbau
Die Grenzabsicherung ging natürlich nicht spurlos an der Kulturszene vorbei. Einige Künstler flohen zuvor in die BRD, aber der Mehrheit blieb die Verunsicherung. Die Kulturbosse wollten musikalisch, beschwichtigend auf die hochkochenden Emotionen einwirken. Bedacht weckten sie Heimatgefühle mit volkstümlicher Musik (Herbert Roth, Lutz Jahoda) oder entsprechenden Schlagern („Was willst du denn in Rio“). Gleichzeitig wurde dem Schlager ein großer textlicher Spielraum gegeben. Der alte Hut von Jerry Flynn“ ein Westernsong und das covern von Westschlagern wurde wieder geduldet.    

1962 - Plattenproduktion
Amiga produzierte Schallplatten in
Stereoqualität, überwiegend klassische Musik (erst ab 1971 alle Platten in Stereo). Neben dem Rohstoffmangel für Schallplatten wurde auch das Herstellen von Etiketten und Plattenhüllen zum Problem. 
Da nur ein Betrieb dafür zuständig war, passierte es immer wieder, dass Titelangaben, Zeitlänge, Hersteller oder andere Informationen fehlten. Übrigens, hatten die Interpreten keinen Einfluss auf die Gestaltung des Plattencovers, da so kostengünstig wie möglich produziert werden sollte (einfache Motive; oft wurde auf einen Farbdruck verzichtet).

1964 - Deutschlandtreffen der Jugend
Im Vorfeld der repräsentativen Veranstaltung zeigte sich die DDR-Regierung aufgeschlossen und modern. Der moderne Jugendsound Beat wurde gefördert, mit der Auflage in Deutsch zu singen. Es entstanden einige Beatgruppen (Franke Echo Quintett, Butlers, Sputniks, Diana Show Quartett) und Amiga produzierte zwei Beat-LPs (Big Beat), darüber hinaus erschien ebenfalls eine Beatles-LP. Zudem richtete der Berliner Rundfunk die Jugendsendung DT 64 ein. 

1964 - Schlagerszene
Von der musikalischen Öffnung profitierte ebenso der Schlager. 
Der Twist hatte sich als Shake etabliert gehabt und mit jungen Interpreten wurden die Schlagerrocker der BRD kopiert. Frank Schöbel wurde zum Peter Kraus und Ruth Brandin zur Conny Froboess des Ostens. Ein Jahr später betrat Ina Martell mit dem Coverhit „Downtown“(Petula Clarke) die Szene und Christian Schafrik folgte.
Die älteren Interpreten blieben ihrem Erfolgsschema treu. Eine Ausnahme bildete Helga Brauer, die fast das komplette Repertoire der Schwedin Siw Malmquist kopierte und in der DDR zum Star wurde. Die guten Beziehungen zu den skandinavischen Staaten minderten erheblich die rechtlichen Konsequenzen für das covern von Songs. Die hoffnungsvolle junge Garde, wurde im Rahmen des Beatverbots musikalisch eingeschränkt, was mit einem blockieren eines eigenständigen Stils einherging.

1965 - Beatverbot
Nachdem Deutschlandtreffen, wurde die Beatmusik stark kritisiert. 
Psychologen und Pädagogen warnten vor den schädlichen Einflüssen der Beatmusik, wodurch sich die Jugend vom sozialistischen Weg entfernen würde und Gefahr läuft sich im selbstzerstörerischen Depressionen zu verirren. Beatmusik wurde aus dem Radioprogramm genommen und sollte offiziell nicht mehr gespielt werden. 
Nach den heftigen Randalen beim Rolling Stones Konzert in der Westberliner Waldbühne (15. 09.), sah sich die SED-Regierung mit ihrer Einschätzung bestätigt. Mit der breiten Bevölkerungsmehrheit im Rücken verkündete die Regierung am 11.10. ein generelles Beatverbot. Am 31.10. versammelten sich daraufhin in Leipzig 2.500 Jugendliche und protestierten gegen das Verbot. Die Staatssicherheit reagierte sofort und nahm zahlreiche Jugendliche fest. Die Meisten von ihnen wurden nach kurzer Haft wieder freigelassen, nicht aber die vermeintlichen Rädelsführer.
 


Beatverbot: Offiziell war nur die Beatmusik verboten, die Gruppen durften als Tanzmusikbands weiter bestehen. Allerdings, gab es staatliche Auflagen, die als Wünsche formuliert wurden, die einer Forderung gleichkamen. Namhafte Gruppen sollten ihren Bandnamen ändern und wurden ermahnt keine Beatmusik zu spielen. Man sollte dazu wissen, dass die DDR international bemüht war ihr Gesicht zu wahren und dass sozialistischen Staaten, wie Ungarn und Polen kein Problem mit der Beatmusik hatte. Daher vermied die DDR eine Anklage wegen dem Beatverbot. Musiker, die den „Wünschen“ der Kulturbehörde nicht nachkamen und versuchten das Beatverbot zu umgehen oder sich rebellisch zeigte, bekamen die Staatsmacht zu spüren. Aufsässige Musiker wurden zum Wehrdienst (Grundwehrdienst, Reservistendienst) eingezogen oder ihnen eine kriminelle Straftat oder psychische Erkrankung unterstellt. Oftmals reichte die Androhung aus, um den offiziellen Widerstand der Musiker zu brechen.
 


Mit zum Beatverbot gehörte, dass lange Haare bei Männern unerwünscht waren. Es kam regional sogar zu Übergriffen auf langhaarige Jugendliche, wo die Behörden wegschauten. Speziell in den ländlichen Gegenden wurde mitunter ein gewaltsamer Haarschnitt durchgeführt oder wegen einer vermeintlichen Straftat angeklagt. Langhaarige wurden in beiden Teilen Deutschlands als asoziale Subjekte vorverurteilt und demzufolge gesellschaftlich diskriminiert. Unter anderem wurde ihnen oft der Zutritt zu Gaststätten und Kultureinrichtungen verwehrt, sie wurden für ein Studium oder bestimmte Ausbildungen abgelehnt und in der DDR wurden sie oftmals bei Ausweiskontrollen der Polizei überprüft (wenn dann das Passbild nicht mit der Realität übereinstimmte, hatte man ein großes Problem).
 


 Exkurs – Lange Haare bei Männern: Seit Urzeiten gehörten lange Haare zu einer typischen Erscheinung und hatte mehr frisiertechnische Gründe (Haare schneiden). Mit der gesellschaftlichen Entwicklung bekam die Frisur eine modische Bedeutung und offenbarte äußerlich den Stand. Lange Haare kennzeichneten mittellose Menschen aus der Gossen, deren Haare zudem oft ungepflegt waren. Die gesellschaftliche Abwertung nach Äußerlichkeiten verursachten einen diskriminierenden Trend. Kein Mensch im 20. Jahrhundert wollte ärmlich wirken oder sich abwertend behandelt fühlen, somit waren nun lange Haare verpönt.
Mit den Beatles kam 1961 die Pilzkopf-Frisur auf, wodurch die Ohren wieder bedeckt wurden und schon als lange Haare bezeichnet wurden. Langhaarige meinte nun aber Personen, deren Haare mindestens die Schultern berühren und assoziierten damit eigentlich Gammler. Gammler bezeichnet gesellschaftliche Aussteiger, die oftmals einen ungepflegten Eindruck machten. Wegen ihrer existenziellen Situation, waren Gammler dazu gezwungen Diebstähle zu begehen. In der Öffentlichkeit wurde ihnen eine kriminelle Grundeinstellung unterstellt und als Krankheitsüberträger angesehen (mangelnde Hygiene). Alle Jugendliche mit langen Haaren wurden dahingehend vorverurteilt und gesellschaftlich diskriminiert und rechtfertigten sogar Übergriffe auf Langhaarige. Ende der 60er Jahre änderte sich das Meinungsbild und man tolerierte lange Haare.
 


1966 - Singebewegung
Der Kanadier Perry Friedmann, kam 1959 in die DDR und studierte 
Musik. 1965 machte er das Hootenanny-Folk-Konzept bekannt und war eine Session, die zu einem gemeinschaftlichen Singen anregen sollte. Auf dieser Basis ließen sich politisch engagierte Lieder einbinden und sollten die Jugendliche für den Sozialismus begeistern.  Als Ersatz zur Beatmusik begrüßten die Funktionäre die Musik und unterstützten sie.

1967 - Tanzmusik
Der Bedarf an
jugendlicher Tanzmusik war ungebrochen, aber die bisherigen Schlager eigneten sich nur bedingt. Die meisten Musiker von Beatbands machten unter einem neuen Namen als Tanzmusikgruppen weiter. Das führte dazu, dass speziell auf dem Lande, die Grenzen des Erlaubten ausprobiert wurden. Zunächst wurden einzelne Beatsongs nachgespielt, bis der Abend einer Tanzveranstaltung komplett aus Beatmusik bestand. Wie beim Rock’n’Roll tolerierten die Behörden das, solange es keine Anzeige gab. Andererseits, bewirkten die guten Erfahrungen mit der Popmusik in Ungarn und Polen, ein Umdenken bei den Funktionären. Schlagerbands, die den Shake (Twist) spielten, wurden publiziert und durften in ihrer Musik Beat-Töne einbeziehen.
Ein besonderes 
Privileg hatte Thomas Natschinki (Sohn von Gerd Natschinki – s. 1958), der 1968 die erste Pop-LP (n. d. Beatverbot) auf Amiga produzieren durfte.

1967 - Musikszene
Eigentlich sollte mit dem Beatverbot der Schlager wieder zu seinem 
eigenen Stil finden und an die Musik von 1958/59 anknüpfen. Das Kopieren westlicher Musik sollte vermieden werden und ebenso das covern von Westschlagern.
International setzte der Songwriter Bob Dylon die progressiven Akzente und inspirierte dadurch die französische Chanson-Szene. Aufgrund der guten Beziehungen der DDR zu Frankreich und dem künstlerischen Wert von Chansons, förderten die Kulturfunktionäre jene Musik. Chansonsänger aus Frankreich inspirierten auch DDR-Interpreten.
Die Schlagerszene profitierte aber nicht davon, sondern wirkte antiquiert. Frank Schöbel hatte inzwischen seinen neuen Stil gefunden und komponierte mit Christian Schneider „Lieb mich so wie dein Herz es mag“. Im Duett mit Chris Doerk war plötzlich ein Hit da, der die bisherige Schlagerwelt revolutionierte und den DDR-Schlager moderner machte.

1968 - „Heißer Sommer“ 
Das Schlager-Musical wurde der erfolgreichste Film des Jahres und die jugendliche 
Musik unterstrich den modernen Schlagertrend. Durch das Schlager-Musical wurden Frank Schöbel und Chris Doerk, die neuen Stars der Schlagermusik.
Der erste Pop-Hit der DDR entstand ebenfalls in diesem Jahr. „In der Mokka-Milch-Eisbar“, sang die Thomas Natschinski Combo, auf ihrer LP, aber das Lied erschien erst Ende 1969 auf einer Single und war daher ab 1970 offiziell bekannt war.

1969 - Rock aus den Bruderländern
Mit dem Blick auf die Osteuropäische Musikszene begannen die Funktionäre die 
Rockmusik zu fördern und öffneten sich zugleich gegenüber der sozialistischen Musik. Als erstes wurden die ROTEN GITARREN aus Polen mit mehreren Hits bekannt und OMEGA aus Ungarn beeindruckte die Rockfans. Zahlreiche Gruppen, besonders aus Polen und Ungarn, überschwemmten die Rockszene bis etwa 1973. Ebenso bereicherten zahlreiche Schlagerinterpreten des sozialistischen Auslandes die DDR-Musikszene.

1970 - 1975: Rockmusikszene
In den Jahren entwickelte sich die Basis der DDR-Rockmusik, die überwiegend getragenen Kunstrock (Jazz) produzierte. Die Ausnahmen, wie die Klaus Renft Combo und die Puhdys, wurden zu Stars der Jugendszene. Das Radio- und Fernsehen förderte die Musikszene und AMIGA brachte eine ganze Samplerserie („Hallo“) mit Rockmusik heraus. Inzwischen hatte sich technisch der Kassettenrekorder durchgesetzt und war bei der Jugend beliebt, da sie das Kopieren der Lieblingsmusik gestattete. Das führte dazu, dass der Verkauf von Schallplattenspieler rückläufig war und weniger Platten produziert werden mussten. Zudem nutzte die Jugend den Kassetten-Rekorder dazu, um von westdeutschen Radiosendern die internationalen Hits mitschneiden zu können. Da weder der Rundfunk, noch der Plattenmarkt, den jugendlichen Wunsch nach westlicher Popmusik befriedigte, hörte der Großteil der Jugend ausschließlich Westradio. 
Die Ignoranz gegenüber der internationalen westlichen Popmusik, verursachte aber ein Desinteresse an der eigenen Szene. Selbst auf privaten Feiern erklang lediglich die aufgenommene Kassettenmusik, mit den westlichen Liedern.

1970 - 1975: Schlagerszene
Das Angebot an Musik wurde vielfältiger und breiter. 
Trotz der Dominanz von Frank Schöbel und Chris Doerk, erlebte der DDR-Schlager seine beste Zeit. Besonders die Interpreten aus dem sozialistischen Ausland hatten großen Anteil daran. Mit der Schwedin Nina Lizell wurde eine Sängerin aus dem kapitalistischen Ausland zum Star in der DDR. In der Bundesrepublik erfolglos, wurde Nina Lizell über die Sendung „Klock 8, achtern Strom“ zum beliebten Dauergast in der DDR.

1973 - Weltfestspiele
Anlässlich der internationalen Großveranstaltung zeigte sich die SED-Regierung erneut weltoffen und modern, ließ kritische Töne zu und begrenzte die Zensur.

1974 - TV-Sendung "Rund"
Von den neuen Freiheiten profitierten eine Reihe von Künstler unter anderem Nina 
Hagen, mit ihren grotesken Songs und Veronika Fischer, mit nachdenklichen und  humorvollen Liedern. Die Sendung „RUND“, nur für die Weltfestspiele gedacht, wurde zur festen Musiksendung, in der gelegentlich internationale Popgruppen auftraten.

1975 -Verbot der Klaus Renft Combo
Auf ihre große Popularität hoffend, wagten die Band textliche Tabuthemen anzusprechen. Trotz Verbot der „Rockballade von kleinen Otto“, suchte die Band die Konfrontation und wurde im September dafür verboten. Der Protest der Jugend war verhalten, zumal die Mehrheit der Jugend sich westlich orientierte und vom Verbot der Band nichts mitbekam.

1976 - Biermann-Affäre
Schlug vorrangig in der Kulturszene hohe Wellen, wobei es 
weniger um die Person Biermann ging, sondern um die künstlerischen Freiheiten der Worte. Wolf Biermann wurde von der DDR während eines Gastspiels in der BRD ausgebürgert, da seine Lieder als staatsfeindlich und beleidigend gewertet wurden. Mehrere namhafte Größen der Kulturszene verließen daraufhin aus Protest die DDR (z. B.: Nina Hagen, Manfred Krug). Jeder Künstler, der das Land verließ, hörte auf für die DDR zu existieren. Sämtliche Lieder, Platten, Filme oder Bücher (auch Lexika), wo der Künstler zu sehen war oder genannt wurde, waren sofort verboten, aussortiert und duften nicht weiter publiziert werden.
Übrigens, ein Großteil der Bevölkerung hatte von der Biermann-Affäre nichts mitbekommen, wenn nicht das BRD-Fernsehen darüber berichtet hätte (nur wenige Bürger schauten sich DDR-Nachrichten an)

zu Wolf Bierman: *1936 in Hamburg - - - siedelte 1953 in die DDR - - - war Liedermacher und Lyriker - - - erhielt, als politischer Sänger, den Status in die BRD reisen zu können - - - - 1965 begann er das SED-Regime zu kritisieren, worauf ihm ein Auftrittsverbot erteilt wurde - - - ab 1975 durfte er wieder Auftreten und auch wieder in die BRD reisen - - - wegen seiner erneuten Kritik am Sozialismus wurde er 1976 ausgebürgert, während eines Gastspiels in der BRD - - -

1975 - 1980: Musikszene
Eine breite Musikszene hatte sich entwickelt. Herauszuheben ist der lyrische 
Rock von KARAT und viele Songs, die zu Klassikern der DDR-Rockmusik wurden. Die Bandbreite der Musik deckte Blues, Country und Hardrock ab. Liedermacher und Rockpoeten machten von sich reden. Die Puhdys durften als erste Rockband in die BRD und konnten dort eine LP veröffentlichen. Andere Gruppen folgten und das Label Hansa produzierte mit Silly und Kreis eine LP, die nur in der Bundesrepublik erhältlich war.

1982 - „Rock für den Frieden“
Bei der medialen Agitationsveranstaltung sollten die USA als treibende Kraft für nukleare Kriegsgefahr angeklagt werden. In diesem Sinne sollten alle Bands der DDR einen Friedenssong beisteuern. Auf jenen Rockkonzerten waren ebenso Gruppen und Interpreten aus dem kapitalistischen Ausland willkommen. Zu einem Eklat kam es, als die BRD-Band BAP ihren Auftritt absagten, da die DDR-Zensur einige Titel der Band ablehnte. Anders verhielt sich Udo Lindenberg, der die Zensur akzeptierte, aber sich bei Liveauftritten nicht daran hielt.

1983 - Neue Welle
Inspiriert vom bundesdeutschen NDW witterten junge Band ihre Chance, 
sich von der vorherrschenden Rockmusik abzunabeln. Medialer Erfolg und der Verkauf von Schallplatten standen dabei im krassen Gegensatz. Wurden Anfang der 80er Jahre 250.000 bis 600.000 Platten von den Top-Acts hergestellt, so sank die Nachfrage nach 1985 auf 20.000 bis 100.000 Platten. Da der DDR-Markt bedarfsorientiert produzierte, spiegelte sich im Plattenverkauf das reale Desinteresse an der DDR-Popmusik wieder und gipfelte darin, dass zum Schluss kaum mehr als 10.000 Platten gepresst wurden.
Es ist bezeichnend, dass nur die Rocksongs mit traditionellen Wurzeln bekannt wurden (Silly, City). Mit der LP „Blauer Planet“ setzte sich Karat ein musikalisches Denkmal, gilt als beste Rock-LP der DDR Rockmusik, die auch in der BRD zur erfolgreichsten LP einer DDR-Rockband wurde. Ende der 80er Jahre ließ allerdings ebenfalls die Popularität der erfolgsverwöhnten Bands (Puhdys, Karat) spürbar nach. Es sank weiter drastisch die Hörerresonanz, da die Mehrheit der DDR-Bürger Westradio hörte und Westfernsehen sah. Die Kultur-Funktionäre erkannten den Abwärts-Trend der DDR Musik und gestatteten, nach und nach den Medien mehr Freiheiten. Musikalisch wie auch textlich.
Das DDR-Jugendradio versuchte es mit bisher unerwünschten Klängen. Später (um 1988) war sogar Punkrock erlaubt und Gruppen, wie Die Anderen, Feelin B, die Skeptiker, Freygang, Die Firma oder AG Geige wurden dadurch bekannt, aber nur wenige Fans interessierten sich für diese Musik.

1983 - 1990:  Schlagerszene
Ähnlich wie in der Rockmusik erlebte der Schlager eine rasante Talfahrt und 
dennoch, waren die wenigen guten Schlager zugleich Dauerbrenner. Jedes Sternchen am Schlagerhimmel verpuffte zu schnell. Im Prinzip folgte der DDR-Schlager dem BRD-Schlager als Randerscheinung, dafür erlebte die volkstümliche Musik einen enormen Aufschwung. Der „Oberhofer Bauernmarkt“ wurde zur beliebtesten TV-Sendung, bei der Achim Mentzel zum Stimmungsstar aufstieg und das Duo Hauff & Henkler ihre neue musikalische Heimat fand. Mit humorigen Songs sollte der Schlager wieder aufgepäppelt werden. Helga Hahnemann orientierte sich dabei an Claire Waldoff, die um 1910 mit ihren frechen Liedern im Berliner Dialekt das Publikum begeisterte. Ähnliches gelang Helga Hahnemann mit ihren Gassenhauerhits.  

1985 - Beginn der Krise
Die wirtschaftliche Talfahrt ließ sich nicht mehr wegdiskutieren und die Spannungen 
zwischen Volk und Regierung stiegen an. Musikalisch wurde das Angebot von aktueller internationaler Musik deutlich verbessert, mit dem Makel einer festgelegten Stückzahl. Das führte dazu, dass es bereits vor der Öffnung von Plattenläden zu Warteschlangen kam, um eine Platte vom begehrten Künstler (z. B.: Tina Turner, U2) kaufen zu können.

18. 08. 1989 - "Offener Brief"
Rockmusiker und Liedermacher schrieben einen
offenen Brief an die Honecker-Regierung und beklagte die unerträgliche Situation im Lande und forderten umgehend demokratische Reformen. Gerhard Schöne, Tamara Danz, Toni Krahl, Frank Schöbel und Kurt Demmler sind die bekanntesten Unterzeichner. Zu dem Zeitpunkt hatte die DDR eine Vielzahl anderer Probleme. Die Wirtschaft lag am Boden und tausende DDR-Bürger verließen das Land, flüchtete über Ungarn in die BRD oder belagerten in den sozialistischen Staaten die BRD-Botschaft (baten um Asyl). Die Oppositionsbewegungen trat offener in Erscheinung, allen voran das Neue Forum. Daher wurde der offene Brief mehr ignoriert und ebenso registrierte die Bevölkerung kaum das Schreiben. Die Ereignisse führten letztendlich zum Zusammenbruch der DDR, mit betroffen war die angeschlagene Musikszene.

Wiedervereinigung Deutschlands
In der euphorischen Wendezeit feierten Ost- und Westgruppen gemeinsam mit den Rockfans auf Konzerte große Feste. Doch nachdem der Hall verklungen war, interessierte sich keiner mehr für Ost-Musik. DDR-Bürger wollten begierig den goldenen Westen erleben. Doch nach der Ernüchterung erinnerten sich die Ost-Bürger an ihren Wurzeln und verlangten nach ihrer Musik. Politisch, wie auch marktwirtschaftlich, war man in der Bundesrepublik nicht an Ost-Musik interessiert. Nur namhafte Gruppen, wie Puhdys, Karat, City und Silly schafften es die Durststrecke zu überstehen. Es waren auch jene Gruppen, die neue Lieder produzierten, auch wenn sie sich überwiegend nur über ihre Konzert vermarkten mussten.
Mit den Prinzen erwachte zu mindestens auch im Westen ein Interesse an der DDR-Musik und 1993 setzte in Ostdeutschland ein Oldie-Revival (Ostalgie) ein. Sony-Music hatte 1990 die Produktionen von Amiga aufgekauft und bediente ab 1993 die enorme Nachfrage. Unter den Markennamen Amiga wurden diverse CDs veröffentlicht.